Anthotypie

Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren

- ein alchemistisches Online-Werkstattbuch (auch ▶ als Buch in der "extended version 2010" (232 Seiten A4, 6.Auflage) erhältlich)
cropped-schrift_wordpress.jpg

Geschichte

Das Wort Anthotyie stammt von anthos (griech.) = „Pflanze,Blüte“ und typie = „drucken“
Henri August Vogel in Paris entdeckte 1816, dass alkoholische Auszüge von Klatschmohn, Waldveilchen oder roten Nelken hinter blauem Glas nach mehreren Tagen ausbleichten, während sie hinter rotem Glas ihre Farbe behielten – genauso wie Papier oder Baumwolle, die damit eingefärbt waren.[1]

Als Sir John Herschel im 19.Jahrhundert nach Möglichkeiten für farbige Fotografien forschte, befasste auch er sich mit der Anthotypie und veröffentlichte seine Ergebnisse. Nachdem sich wegen der extrem langen Belichtungszeiten der Anthotypie keine kommerzielle Verwertung ergab, verfolgte er diese Richtung nicht weiter.

Verfahren

Manche Pflanzensäfte (bzw. deren alkoholische Auszüge) reagieren auf Licht durch Farbveränderung.
Erwähnt werden verschiedene Pflanzensorten, stark reaktiv sind wohl diejenigen, die Anthocyane enthalten wie

  • Klatschmohn
  • gelbe Chrysanthemen
  • Stiefmütterchen
  • dunkelrote Dahlien (gut lichtempfindlich)
  • Ringelblumen (sehr lichtempfindlich -soll bereits nach 15 Minuten reagieren)

Auch erwähnt werden

  • Blaubeere
  • Himbeere
  • Nelke
  • Waldveilchen
  • Brunnenkresse soll bereits nach 3-5 h Belichtungszeit gute Ergebnisse zeigen
  • Brombeere bringt gute Resultate
  • rote Rosen
  • Pfingstrose
  • Kapuzinerkresse
  • Holundersaft
  • Rotkohl
  • Rotwein (kann direkt aufgetragen und belichtet werden, ebenfalls „kurze“ Belichtungszeit – also weniger als 12 h)

Die Pflanzen/Blüten werden zermahlen (Mörser, Mixer,…) und die Farbstoffe extrahiert. Gibt man Seesand / Quarzsand oder Calciumcarbonat hinzu, wird die Mahlung feiner. Beim Filtrieren bleibt diese Zugabe dann zurück.
„Beim Mörsern mit dem Seesand brichst Du ja die Zellwände auf und spätestens, wenn du Lösungsmittel zugibst, werden auch die Zellmembranen zerstört und es werden verschiedene Säuren frei, die Deine Farbstoffe verändern könnten. Calciumcarbonat reagiert einfach mit den freiwerdenden Säuren und hat den Vorteil, dass es nicht wasserlöslich ist und somit alleine nicht alkalisch wirkt.“[2]

Als Extraktionsmittel werden angegeben:

  • Destilliertes Wasser
  • Reiner Alkohol
  • Wodka
  • Feuerzeugbenzin
  • Lampenöl
  • Paraffinöl
  • Olivenöl
  • Rapsöl
  • Aceton

Nach mehreren Tagen an einem warmen, dunklen Ort wird filtriert. (Kaffefilter, Baumwolltuch …)
Die Belichtungszeit für Anthotypie – Fotogramme beträgt im Sonnenlicht mehrere Tage – die Bilder sind nicht lichtbeständig. Das Prinzip der Belichtung beruht darauf, dass der Farbstoff der Pflanze unter UV-Lichteinwirkung ausbleicht.

Beschichtet wird saugfähiges Papier mit Pinsel oder durch Tunken in die Lösung.

Belichtet wird unter einem Gegenstand als Fotogramm. Möglichkeiten dazu habe ich hier beschrieben.

Links

 

Fußnoten

  1. [1]http://en.wikipedia.org/wiki/Anthotype
  2. [2]http://www.chemieonline.de/forum/archive/index.php/t-61816.html



Mein alchemistisches Werkstattbuch für Künstler, Drucker & Photographen
erhalten Sie in der "extended version" bei Amazon (klick auf das Titelbild) oder
im Direktversand ➥ Informationsseite aufrufen

Hier sehen Sie nur das Ur-Manuskript aus dem Jahr 1997
- das Buch ist in der 6. überarbeiteten und illustrierten Auflage 2010 erhältlich. 232 Seiten A4, mit umfangreichem Chemikalien- und Literaturverzeichnis

3000167579_2011auflage6_titel_170_klein_button
Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren
Vom Hexenmehl und Drachenblut zur Fotopolymerschicht
Tipps, Tricks, Anleitungen und Rezepturen aus fünf Jahrhunderten
erfahren, erlesen, erfunden und gesammelt von Wolfgang Autenrieth
Meine anderen Seiten:


▶ www.oberschwabenschau.info

Tipps und Informationen zu Oberschwaben


▶ www.autenrieths.de

Meine Linksammlung für Lehrer und Schüler mit mehr als 10.000 Linktipps


▶ www.schulbibo.de

Materialien zum Sprachunterricht


▶ www.bisoro.de

Patenschaft für die Gemeinde Bisoro in Burundi

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Wie fast alle Internetseiten nutzt meine Website 'Cookies' um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf diese Website zu analysieren. Außerdem werden damit Informationen zu Ihrer Nutzung meiner Website an meine Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter gegeben. Informationen zu Datenschutz, Cookies und Hinweise, wie Sie Cookies ausblenden und/oder von ihrem Rechner wieder entfernen können, erhalten Sie auf meiner Impressum-Seite. Die COOKIE-RICHTLINIE der EU verlangt ihr Einverständnis zur Nutzung von Cookies. Falls Sie nicht einverstanden sind, schließen Sie diese Internetseite und nutzen sie nicht

Schließen