Weichgrund-Platten ätzen
Ätzmethoden für Vernis Mou
Wie bei der Strichätzung müssen Sie die Stellen, die am dunkelsten werden sollen, zuerst freilegen. Diese müssen am längsten und tiefsten geätzt werden. Durch Stufenätzungen können Sie auch im Weichgrund verschiedene Graustufungen erzeugen.
Die besten Ätzergebnisse ergeben sich beim Ätzen mit dem Holländischen Bad, das den Weichgrund am wenigsten angreift. Salpetersäure ist zu aggressiv und ätzt den Weichgrund evtl. durch. Außerdem werden die Texturen nur in den dunklen Stellen stark geätzt, die Lichter werden kaum erreicht. Verdünnen Sie die Ätzlösung etwas, damit beim Ätzen keine zu hohen Temperaturen entstehen. Bei zu starker Wärmeentwicklung könnte sich der Weichgrund ablösen. Mit dem Holländischen Bad erreichen Sie eine viel ausgeprägtere Halbtonpalette. Für Zinkplatten ist Salpetersäure eher zu empfehlen.
Hinweise zum Ätzen finden Sie in den Kapiteln ➥ „Ätzmittel und Ätzverfahren“

Das Ätzen einer Vernis-mou-Platte (Weichgrundätzung) ist eine der empfindlichsten Disziplinen im Tiefdruck, da der Grund – wie der Name sagt – extrem weich und klebrig bleibt. Ein falscher Handgriff kann die gesamte Zeichnung ruinieren.
Hier sind die wichtigsten Punkte und Best-Practice-Verfahren für ein sauberes Ergebnis:
Die Vorbereitung: „Finger weg“
Der wichtigste Grundsatz: Berühren Sie die Platte niemals direkt mit den Fingern, nachdem der Weichgrund aufgetragen wurde.
Best Practice: Nutzen Sie eine Schablone oder eine Handstütze (ein stabiles Lineal oder ein Brett, das mit Abstand über der Platte liegt), während Sie zeichnen. Jedes Aufsetzen des Handballens hinterlässt sonst einen unschönen „Fettabdruck“, der mitätzt.
Das Papier als Werkzeug
Die Textur der Linien wird maßgeblich durch das Papier bestimmt, das Sie zum Zeichnen auf den Vernis mou legen.
Best Practice: Ein gestrichenes, glattes Papier erzeugt feine, klare Linien. Ein raues Aquarellpapier sorgt für breite, körnige Strukturen, die fast wie Kreidezeichnungen wirken. Achten Sie darauf, das Papier an den Rändern der Platte mit Kreppband zu fixieren, damit es nicht verrutscht.
Das Ätzbad: Sanftheit ist Pflicht
Vernis mou ist chemisch weniger stabil als Hartgrund. Wenn die Säure zu aggressiv ist oder zu viele Blasen bildet, kann der Grund unterwandert werden.
Best Practice: Verwenden Sie für Kupferplatten vorzugsweise Eisen-III-Chlorid (FeCl3) statt Salpetersäure. Eisen-III-Chlorid ätzt steil nach unten und weniger in die Breite, was die feinen Texturen des Weichgrundes besser erhält.
Tipp: Legen Sie die Platte mit der Bildseite nach unten in das Bad (auf kleine Abstandshalter), damit die Ätzrückstände herausfallen können und die feinen Strukturen nicht verstopfen.
Zeitmanagement und Kontrolle
Da die Linien beim Vernis mou oft sehr subtil sind, überätzt die Platte leicht, wodurch die feinen Texturen verloren gehen („Zusammenbrechen“ der Stege).
Best Practice: Arbeiten Sie mit Stufenätzungen. Nehmen Sie die Platte nach kurzen Intervallen heraus, spülen diese vorsichtig ab und decken Bereiche, die zart bleiben sollen, mit Abdecklack ab.
Achtung: Benutzen Sie zum Abspülen nur einen ganz schwachen Wasserstrahl, um den weichen Grund nicht mechanisch wegzuspülen.
Die Temperaturkomponente
Vernis mou reagiert extrem auf Wärme. In einem zu warmen Atelier wird der Grund fast flüssig und verklebt die Zeichnung; ist es zu kalt, lässt er sich kaum präzise vom Papier abheben.
Best Practice: Achten Sie auf eine konstante Raumtemperatur von ca. 20-22°C. Erwärmen Sie die Platte beim Auftragen nur ganz leicht, damit der Grund fließt, aber lassen Sie diesen vor dem Zeichnen unbedingt wieder vollständig abkühlen.
Weitere Bildbeispiele
Im Netz sind zahlreiche Abbildungen zu finden. Achtung! Eine ‚Radierung‘ muss muss nicht durch ein trockenes Verfahren entstanden sein – vielmehr sind gerade Radierungen oft durch Strichätzung entstanden. Suchbegriffe sind: Kaltnadelradierung, Kupferstich, Mezzotinto, Stahlstich sowie die fremdsprachlichen Entsprechungen.
Im Kapitel ➥ Kunstgeschichte und besonders im Unterkapitel ➥ Bildbeispiele Radiertechniken habe ich weitere Quellen für Bildbeispiele für die verschiedensten Radiertechniken gesammelt und nach Techniken und Themen sortiert.
Auf der Website ➥ Radierer und Drucker habe ich Verweise zu Kapiteln auf commons.wikimedia.org, sowie zu online abrufbaren Sammlungen von Museen und (Hochschul-)Bibliotheken aufgelistet.
Im Kapitel ➥ Literatur sind Verweise auf Bücher und Webseiten mit Abbildungen aufgelistet. Empfehlenswert ist auch eine Recherche auf ➥ archive.org – dort den Menuepunkt „Texts“ anwählen.
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