Wolfgang Autenrieth

„Umwege fördern die Ortskenntnis“

Nach Abitur und Wehrdienst (als EDV-Nachschub-Buchführer am Nixdorf-System mit Loch- und Magnetkarten) habe ich Kunsterziehung, Mathematik, Pädagogik und Philosophie für das Lehramt studiert und das Studium mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen. Nach dem Examen am Beginn der 80er-Jahre waren die Berufsaussichten für Lehrer düster und so habe ich das Angebot einer Druckerei (Schwerpunkt Modeprospekte) angenommen und eine zweijährige Ausbildung als Reprophotograph und Lithograph („Druckvorlagenhersteller“) absolviert und den „Gesellenbrief“ erhalten.
Die Druckerei plante damals die Anschaffung eines neu am Markt erhältlichen elektronischen Bildverarbeitungssystems (➥ Hell-Chromacom).  Ein Mitarbeiter mit abgeschlossenem Mathematikstudium und künstlerischer Ausbildung erschien der Geschäftsleitung geeignet. Zu dieser Zeit gab es noch keine „PC“. Atari und Commodore waren „High-End“ und für mich unerschwinglich.

Das „Siemens-Hell-Chromacom-System“ kosteten damals über eine Million Deutsche Mark, die Festplattenlaufwerke (6 Stück mit jeweils 200 MB- Wechselfestplatten) standen im klimatisierten Raum, der Trommelscanner zur Bilderfassung im Nebenraum. Faszinierend! Damit wurden die Dias und Aufsichtsvorlagen der Modefotografen digitalisiert und anschließend am Chromacom-System zu Werberospekten montiert, die in Millionenauflagen als Zeitungsbeilage über Europa verteilt wurden.

Als „Chromacom-Systemoperator“ und „Scanneroperator“ habe ich Modeprospekte am Bildschirm montiert, bis meine Augen viereckig waren. Wie mein mein Arbeitsplatz und die Laufwerke, sowie das System aussahen ist in diesem ➥ Prospekt der Firma Hell zu sehen.

Es gab eine schrankgroße „Zentrale Recheneinheit“, mehrere Wechselfestplatten-Laufwerke (die bei uns in einem separaten, klimatisierten Raum standen) mit der gigantischen Speicherkapazität von 80 MB (System) und je 200 MB (Daten) und einem Gewicht der Wechselplatte von mehr als 10 Kilogramm. Am Grünmonitor habe ich „Batch-Abläufe“ und Montageanweisungen programmiert und auf zwei 8-Zoll-Floppylaufwerken gespeichert.

Die Arbeitsbedingungen in der Druckindustrie verschlechterten sich zusehends – immer mehr verlor ich meine Zeitsouveränität. War ein Auftrag zur Frühschicht noch nicht eingetroffen, musste ich Nachhause und die Zeit am Nachmittag abarbeiten. Überstunden am Wochenende mussten in auftragsarmen Zeiten „abgefeiert werden. 
Daher wechselte ich zurück in den Schuldienst, habe mein 2.Staatsexamen abgelegt – aber Beden-Württemberg brauchte noch immer keine Lehrer. Also wurde ich Dozent der Gewerbeakademie des Handwerks, unterrichtete EDV, Schweiß- und Metalltheorie und gab Sprachkurse für Spätaussiedler.

Nach drei Jahren erhielt ich eine Stelle als Lehrer an einer Privaten Schule für Erziehungshilfe. Dort war ich der ich 10 Jahre tätig. Anschließend wechselte ich als Lehrer in die Dienste des Landes Baden-Württemberg und war neben der Lehrtätigkeit an der SEK I noch in der Erwachsenenbildung für die Handwerkskammer und arbeitete auch mehrere Jahre am Staatlichen Schulamt für die SCHULKUNST, für die Schulmusik, als Systemadmin für die EDV des Amtes sowie als Netzwerkberater für Schulen und als Fachberater für die Fächer Wirtschaftslehre und Informationstechnik.

Mein Buch „Neue und alte Techniken der Radierung und der Edeldruckverfahren“ begann mit einem Oberseminarschein, den ich im Studium verfasst habe. Während der Tätigkeit in der Druckindustrie kamen neue Fachinformationen, Ideen und Rezepturen der Fotochemie und Reprofotografie hinzu. Durch die Arbeit an der Handwerkskammer/Gewerbeakademie besaß ich einen IBM-kompatiblen 8086-er Rechner mit 20 MB-Festplatte, 5 1/2-Zoll-Laufwerk, Grünmonitor, Word und Multiplan, auf dem ich meine Rezepturen und Notizen erfassen – und Scripten für die EDV-Schulungen verfassen konnte. Hier wurde der Grundstein für das Buch gelegt – das dann über die Jahre, verschiedene Hardware- und Softwaregenerationen sein heutiges Aussehen und Volumen erhielt – und sich aus der Vita an How-to-Schulungsmaterial der Computerwelt anlehnt.

2004 gingen die ersten 10 Exemplare in Druck und die Website „➥ http://www.ätzradierung.de“ online – der Vorläufer von „➥ https://wp.radiertechniken.de“ ;-)

Internet

www.autenrieths.de
Fachbibliothek für Lehrer und Schüler, mehr als 15 Mio. Zugriffe
www.radiertechniken.de
Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren
radiert.de
Vorbereitung einer Decenniale der Tiefdrucktechniken
oberschwabenschau.info
Informationen über das Paradies ;-)
www.schulbibo.de
Kostenlose Materialien zum Unterricht mit Geflohenen
www.bisoro.de
Infos zur Patenschaft für Bisoro in Burundi
lm4dummies.schulbibo.de
Installationsanleitung für die Schulserver-Musterlösung „linuxmuster“

Literatur

Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren. Ein alchemistisches Werkstattbuch für Radierer – und alle, die es werden wollen. Tipps, Tricks, Anleitungen und Rezepturen aus der Praxis. Erlesen, erfahren, erfunden und gesammelt von Wolfgang Autenrieth.
ISBN 978-398217650-5
1981 begonnen, erste Auflage im Selbstverlag als Buch veröffentlicht Ende 2004. Aktuell erschienen in der siebten, nochmals erweiterten und überarbeiteten Auflage 2020.

Erhältlich im Buchhandel, bei Booklooker, Kremer Pigmente oder ab Verlag


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