Falls keine professionelle Tiefdruckpresse zur Verfügung steht, besteht die größte Herausforderung darin, genügend punktuellen Druck zu erzeugen, um das angefeuchtete Papier in die Vertiefungen der Platte zu pressen und daraus die Farbe abzuheben. Da der Tiefdruck im Gegensatz zum Hochdruck (wie Linolschnitt) einen höheren Pressdruck benötigt, sind herkömmliche Methoden oft mühsam, aber mit etwas Geschick durchaus machbar. Bei der Radierung ist es notwendig, dass die (feuchten) Papierfasern in die Vertiefungen der Platte gedrückt werden und die Druckfarbe „herausziehen“.

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Update: 3.Februar 2026

Die gängigsten Methoden für den manuellen Druck:

Die Löffel-Methode (Reiben)

Für Probedrucke oder wenn Sie keine Druckpresse zur Hand haben, können Sie einen Handabzug mit dem Löffelhanddruck vornehmen. Dies ist die einfachste, aber anstrengendste Technik.
Das Papier wird wie gewohnt vorbereitet und gefeuchtet. Legen Sie es anschließend auf die Platte und darüber eine glatte, dünnere Folie oder ein glattes, trockenes Papier als Schutzschicht („Gleitlager“) zwischen Papierrückseite und Löffel, um das Druckpapier nicht aufzureißen. Dann reiben Sie mehrfach mit kreisenden Bewegungen und gutem Druck mit der Löffelunterseite über die gesamte zu druckende Fläche. Weil bei einem Löffel der Druck pro cm² durch die kleine Auflagefläche recht hoch ist, funktioniert das. Wichtig ist, den Löffel beim Handabzug nicht nur am Stiel zu halten, sondern mit dem Daumen der zweiten Hand in die Löffelmulde zu drücken, um richtig Druck auszuüben.

Die Falzbein-Methode (Reiben)

Statt eines Löffels nehmen Drucker auch ein 🛒➜Falzbein [Affiliate-Link]. Dies ist ein Werkzeug der Buchbinder zum Falzen und Glattstreichen von Papier, Pergament und Leinen. Es besteht meist aus Horn, Knochen oder Elfenbein.

Die Nudelholz- oder Teigroller-Methode

Diese Methode nutzt eine größere Fläche, erfordert aber massiven Körpereinsatz. Verwenden Sie ein schweres Nudelholz (am besten aus Stein oder schwerem Holz) mit geringem Durchmesser. Je kleiner der Durchmesser ist, desto höher wird der erzeugte Druck pro cm². Rollen Sie extrem langsam und mit vollem Körpergewicht über den Stapel aus Platte, Papier und einer schützenden Filzunterlage. Eine normale Küchen-Teigrolle erreicht kaum den notwendigen Anpressdruck für sehr feine Linien oder Aquatinta-Flächen. Sie können auch eine Weinflasche mit sattem Druck über das Papier rollen. Beide Methoden haben den Nachteil, dass sich der ausgeübte Druck auf eine größere Auflagefläche verteilt als beim Löffel.

Die improvisierte „Wäschemangel“

Alte, handbetriebene Wäschemangeln mit zwei Hartgummiwalzen funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip wie eine Tiefdruckpresse. Die Platte wird zusammen mit dem Papier zwischen der Filzauflage und einer stabilen Kartonplatte (als Schlittenersatz) durch die Walzen gedreht. Arbeiten Sie nicht ohne Schlittenersatz, sonst kann die Platte verbogen werden.
Vorteil: Durch die Hebelwirkung lässt sich deutlich mehr Druck aufbauen als mit der Hand.

Die „Schuhsohlen-Technik“ (Punktuelle Belastung)

Manche Künstler nutzen ihr eigenes Körpergewicht durch kontrolliertes Auftreten.
Vorgang: Die Platte wird auf den Boden gelegt (geschützt durch Filz und eine glatte Platte obenauf). Man stellt sich vorsichtig mit den Fersen auf die Konstruktion und verlagert das Gewicht Stück für Stück über die gesamte Fläche.

„Reifendruck“

Sie können auch ein Fahrzeug als Druckpresse zweckentfremden. Legen Sie – um Ihre Druckplatte nicht zu beschädigen – eine größere Metallplatte als Unterlage auf den möglichst ebenen Straßenbelag (ohne Steinchen). Darüber kommt die Druckplatte, darauf das gefeuchtete Papier und ein dickere Lage oder zwei Lagen glatter Druckfilz. Falls kein Druckfilz vorhanden ist, verwenden Sie mehrere Lagen Abdeckvlies für Malerarbeiten ( 🛒➜„Malervlies“ [Affiliate-Link]). Nun muss der Reifendruck möglichst gleichmäßig verteilt werden und das Profilmuster des Reifens ausgeglichen werden. Verwendet werden kann eine Metallplatte, Mehrschicht-Leinmholzplatte oder stabile 🛒➜Macralon-Polycarbonat- oder Acryl-Kunststoffplatte. [Affiliate-Link] Je nach Größe der Platte kann der/die Assistent/in die Platte verschieben, bevor das Fahrzeug nochmals über die Druckplatte bewegt wird.

Wichtiger Hinweis: Bei allen manuellen Methoden ist die Papierfeuchte noch kritischer als beim Pressendruck. Das Papier muss sehr weich und geschmeidig sein (gut „eingesumpft“), damit es sich auch bei geringerem Druck bereitwillig in die Vertiefungen legt.


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