Wie lässt sich der Druckfilz einer Radierpresse reinigen und erneuern?

Wie sollte die Druckfilze der Radierpresse beschaffen sein? Wie kann man sie pflegen und reinigen? Das Reinigen und Pflegen der Druckfilze ist entscheidend für ein sauberes Druckbild. Da Filze aus Wolle oder Mischgewebe bestehen, reagieren sie empfindlich auf Hitze und grobe mechanische Einwirkung.

🛠️ Zur Startseite

Zur Startseite von „radiertechniken.de“

🛠️ Kapitelübersicht

Zurück zur Übersichtseite des Kapitels

🛠️ Zur Sitemap

Die Sitemap von „radiertechniken.de

Update: 7.Februar 2026

Den Filz reinigen

Trockenreinigung

Verschmutzungen entstehen meist durch Farbe, die auf die Rückseite des Papiers gelangt ist oder durch Staub und Schlichte. Falls der Filz nur „verkrustet“ ist, hilft oft schon eine weiche Messingbürste oder eine feste Kleiderbürste. Bürsten Sie vorsichtig über die Oberfläche, um die Fasern wieder aufzurichten und trockene Farbreste zu lösen.
Aufschütteln: Manchmal hilft es schon, den trockenen Filz kräftig auszuschütteln oder vorsichtig über eine Tischkante zu ziehen, um die innere Spannung der Fasern zu lösen.

Feuchtreinigung (Handwäsche):

Verwenden Sie kaltes oder lauwarmes Wasser (max. 30°C) und ein rückfettendes Wollwaschmittel oder einfaches Haarshampoo.
Drücken Sie den Filz im Wasser sanft aus. Vermeiden Sie starkes Reiben oder Wringen, da der Filz sonst verfilzt oder seine Form verliert.
Spülen Sie ihn gründlich mit klarem Wasser aus.
Maschinenwäsche bedeutet ein hohes Risiko: Es besteht die Gefahr, dass der Filz einläuft oder hart wird. Falls keine andere Wahl bleibt: Nur im absoluten Wollwaschgang (kalt).

Trocknen und Glätten

Das ist der wichtigste Schritt, damit der Filz plan bleibt. Legen Sie den nassen Filz zwischen zwei dicke, saubere Handtücher und drücken das Wasser vorsichtig heraus.
Lassen Sie ihn flach liegend an der Luft trocknen und hänge ihn nicht auf, da er sich sonst verzieht. versuchen Sie nicht, die trocknung zu beschleunigen, indem Sie den Filz auf die Heizung legen oder in den Trockner geben – er wird sonst bretthart.

Den Filz „erneuern“ (Regenerieren)

Wenn der Filz durch den hohen Druck der Presse flachgedrückt und hart geworden ist, verliert er seine Elastizität.
Sie können ein Dampfbügeleisen zum „Aufflauschen“ verwenden, doch ohne direkten Kontakt! Halten Sie das Eisen ca. 2–3 cm über den Filz und lassen den Dampf in die Fasern ziehen. Bürsten Sie danach mit einer weichen Bürste gegen den Strich, um das Volumen wiederherzustellen.

Wann ist ein Austausch unumgänglich?

Ein Filz muss ersetzt werden, wenn:

  • Er bleibende Abdrücke (z. B. von der Plattenkante) hat, die sich nicht mehr herausarbeiten lassen.
  • Er so dünn und hart geworden ist, dass er den Druck nicht mehr gleichmäßig verteilt.
  • Er Löcher oder Risse aufweist.

Tipp

In der klassischen Radierung arbeitet man meist mit einem Drei-Filz-System, um Flexibilität und Druckkraft perfekt zu kombinieren: Nutzen Sie drei Filze in der richtigen Reihenfolge: den dünnen Wischfilz (unten), den dicken Druckfilz (Mitte) und den Stützfilz (oben). So wird der mittlere Filz kaum schmutzig und hält fast ewig.
Die Wahl der Filze hat oft mehr Einfluss auf das Ergebnis, als man denkt.

Das 3-Schichten-System

Lage Bezeichnung Stärke Funktion
Unten (am Papier) Wischfilz (Drucktuch) ca. 1,5 – 2 mm Fein gewebt; schmiegt sich in die tiefsten Linien ein.
Mitte Druckfilz (Pressfilz) ca. 3 – 5 mm Die elastische „Seele“; liefert den nötigen Gegendruck.
Oben (an Walze) Stützfilz (Lauffilz) ca. 3 – 5 mm Schützt vor Abrieb und sorgt für ruhigen Lauf der Walze.

Feine Kaltnadel & Strichätzung

Nehmen Sie einen sehr fein gewebten Wollfilz als unterste Schicht. Filze aus Synthetikfasern sind oft zu grobporig. Ein feiner Wollfilz drückt das Papier gleichmäßig in die feinen Grate der Kaltnadel, ohne die zarten Linien zu „zerquetschen“.

Aquatinta (Flächendruck)

Aquatinta benötigt einen weicheren, aber intensiven Druck, um die winzigen Zwischenräume zwischen den Kolophoniumkörnchen zu erreichen. Hier darf der mittlere Druckfilz gerne etwas weicher sein. Achten Sie darauf, dass der Filz absolut sauber ist. Jede Unebenheit im Filz (z. B. ein alter Farbfleck) zeichnet sich bei einer gleichmäßigen Aquatinta-Fläche sofort als „Geisterfleck“ ab.

Tiefe Reliefldrucke oder Holzschnitt auf der Radierpresse

Wenn Sie sehr hohe Platten oder Materialcollagen drucken nutzen Sie einen dickeren, sehr elastischen Filz (insgesamt bis zu 10 mm Schichtdicke). Hier ist ein Stützfilz als obere Auflage unerlässlich, da die Walze bei großen Höhenunterschieden sonst den feinen Wischfilz zerstören würde.

Material-Check: Wolle vs. Synthetik

Hochwertiger Wollfilz ist der ‚Goldstandard‘. Er „atmet“, nimmt Feuchtigkeit vom Papier besser auf und kehrt nach dem Druck besser in seine Ursprungsform zurück.
Preiswerter Synthetikfilz ist robuster gegen Motten und günstiger, wird aber schneller „glatt“ und ist weniger elastisch. Für den Einstieg okay, für Meisterdrucke empfiehlt sich Wolle.

Tipp

Wenn Sie feststellen, dass das Papier an den Rändern der Druckplatte reißt, ist entweder der Druck zu hoch oder das Filz-Paket zu hart. Ein zusätzlicher, weicherer Filz kann hier Wunder wirken.

Text erstellt mit Hilfe der KI und eigener Erfahrung


Klick zur Sitemap
… mehr im Buch