Photo-Xylographie
Die Photo-Xylographie (auch Fotoxylografie oder Fotoholzstich) war ein hybrides Reproduktionsverfahren des 19. Jahrhunderts, das die aufkommende Fotografie mit dem traditionellen Holzstich (Xylographie) verband. Bevor moderne chemische Ätzverfahren wie die ➥ Autotypie erfunden wurden, ermöglichte diese Technik ab den 1850er-Jahren die massenhafte Vervielfältigung fotografischer Aufnahmen in Büchern und Zeitungen.
Die Xylographen (Holzschneider) übertrugen mit der Photo-Xylographie das Bild mit einer selbst zubereiteten Silberemulsion aus Chlorverbindungen, Zitronensäure und Silbernitrat als Vorlage auf den Druckstock. Anschließend wurde dieser Druckstock aus hartem Buchsbaumholz „geschnitten, damit nur noch die feinen, druckenden Linien erhaben stehen blieben. Diese nahmen die Farbe für den Hochdruck auf.

Ablauf
Vorbereitung des Holzblocks – Grundieren
Um ein Foto auf das Holz zu bringen, ohne dass durch Wasser die Holzfasern aufquollen, entwickelten Grafiker spezielle Verfahren. Als Bildträger diente meist hartes Buchsbaum-Hirnholz. Die Oberfläche des Holzblocks wurde spiegelglatt geschliffen und mit einer hauchdünnen Schicht aus Deckweiß (Zinkweiß) oder Gelatine grundiert. Dies war notwendig, um Poren zu schließen und einen hellen Untergrund für das fotografische Bild zu schaffen.
Krejca beschreibt eine Methode wie folgt:
Zuerst überstreichen Sie die Fläche mit einer dünnen Grundierschicht. Diese bereiten Sie aus folgenden Zutaten:
- 10 cm³ frischem Eiweiß oder
- 2 g pulverisiertem Albumin
- 250 cm³ destilliertem Wasser
- 10 cm³ Salpetersäure
Diese Schicht bestreuen Sie, solange sie noch feucht ist, mit Weiß. Damit wird die nachfolgende Belichtung sichtbar wie auf Papier.
Zutaten für den „präparierten Anstrich“
Wenn Sie eintrocknet, bestreichen Sie die Schicht mit einem „präparierten Anstrich“ wie folgt:
- 4 g Gelatine
- 15 cm³ 40%-ige Chromalaunlösung
- 100 cm³ heißes Wasser
Fotografische Übertragung
Nach dem Aushärten wurde der präparierte Block im Dunkeln mit einer lichtempfindlichen Schicht – der Sensibilisierungslösung (z. B. Silbernitrat, Kollodium oder Eiweiß-Silber) überzogen.
- 60 g Silbernitrat in
- 500 cm³ destilliertem Wasser mit
- 2-3 Tropfen Stickstoffsäure (Salpetersäure)
Anschließend legte man ein fotografisches Negativ direkt auf das Holz und belichtete es unter Sonnenlicht.
Fixieren
Durch Fixieren mit Natriumthiosulfat (Fixiernatron) und Auslösen des unbelichteten Silbernitrats entstand ein gestochen scharfes, positives Foto direkt auf dem Holzstock.
- Fixiernatron
Manuelles Stechen
Die Fotografie diente lediglich als exakte Zeichenvorlage. Dann begann die Arbeit des Xylografen. Der Holzschneider schnitzte nun mit feinen Grabstichel-Werkzeugen das Bild in das Holz. Da es sich um ein Hochdruckverfahren handelt, wurden alle hellen Bildbereiche tief weggeschnitten, während die erhabenen Linien und Stege später die Druckfarbe aufnahmen. Beim Schneiden ging die fotografische Schicht auf dem Holz schrittweise verloren.
Druck im Buchdruckverfahren
Der fertige Holzblock wurde zusammen mit dem Bleisatz der Buchstabentypen in eine Buchdruckpresse eingespannt. Nach dem Einfärben mit Druckerschwärze konnte das Motiv in hoher Auflösung tausendfach auf Papier gedruckt werden.
Die Photo-Xylographie war ein entscheidender Brückenschlag in der Drucktechnik. Sie ersetzte das zeitaufwendige Nachzeichnen von Hand durch eine präzise fotomechanische Vorlage und bewahrte gleichzeitig die Kompatibilität mit den damaligen Buchdruckpressen. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie durch die Autotypie (Klischeeätzung) abgelöst.
Bromsilber – Fotopapier
Fotopapiere mit Bromsilberbeschichtung waren über viele Jahre hinweg die gängigen Materialien der Fotografen. Auch heute werden diese Papiere von „analogen“ Fotografen wegen des Tonumfangs und der harmonischen Schwärzung sehr geschätzt. Bromsilberpapiere – und auch flüssige Emulsionen – sind über den Versandhandel erhältlich.
Andere Ansätze
Heute gibt es fertige Photoemulsionen, die für diesen Zweck geeignet sind.- Oft verwendet und am brauchbarsten erwiesen hat sich die ➥ Eiweißkopie.
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Update: 20. Juli 2026