Unkonventionelle Ätzverfahren
Es gibt zahlreiche unkonventionelle Ätzmethoden jenseits der Lehrbücher. Hier werden auch ständig experimentelle Verfahren und Methoden in Industrie und Elektronik neu entdeckt und verwendet. Manche Verfahren aus der Kunstgeschichte sind ebenfalls kaum bekannt. So ist die Pinselätzung, auch als Pinseldirektätzung bekannt, eine malerische Technik der Radierung, bei der das Ätzmittel direkt mit einem Pinsel auf die (meist vorpräparierte) Metallplatte aufgetragen wird. Durch die unterschiedliche Einwirkzeit und Konzentration der Säure lassen sich dabei feine Abstufungen und weiche Übergänge erzielen, die an eine Lavur oder Wasserfarbenzeichnung erinnern. Häufig wird die Platte zuvor mit einem Aquatinta-Korn bestäubt, damit die geätzten Flächen später in der Presse die Druckfarbe gleichmäßig aufnehmen können. Da bei diesem Verfahren oft hochkonzentrierte Säuren zum Einsatz kommen, sind strenge Sicherheitsvorkehrungen wie das Tragen einer Atemschutzmaske und säurefester Handschuhe zwingend erforderlich.
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Update: 31.Januar 2026
Direktätzung und Ätzlavierung
Mit sehr starker Säure zeichnen Sie mit einem Pinsel bei der Direktätzung / Ätzlavierung auf der Platte. Die Platte erhält an dieser Stelle eine Grautönung. Flächen, die ohne ➥ Aquatinta geätzt wurden, halten nur wenige Abzüge aus. Sie müssen die Platte ➥ verstahlen. Weil Eisen- und Aluminiumplatten beim Kontakt mit Säure ihre Oberflächenstruktur ändern, sind diese Metalle für die Direktätzung besser geeignet. Ein Glaspinsel oder Pinsel mit Kunststofffasern ist empfehlenswert. Die Ätzung könnten Sie schnell stoppen, indem Sie die Säure mit Druckluft von der Platte blasen. Empfehlenswert ist das jedoch nicht. Die Säure ätzt nicht nur Kupfer. Besser ist es, die Säure abzuwaschen. Färben Sie die Säure mit ➥ Tusche (wasserverdünnbar) ein. Auf diese Weise können Sie die Ätzstellen besser erkennen. Eine Pinselätzung mit Mordants kann die Pinselspur in die Platte fressen.
Mordant-Ätzlavierung
Zutaten: – Honig – Salz – Grünspan – Salmiak
Bei der Direktätzung / Ätzlavierung wird die Platte mit einer Paste aus den genannten Ingredienzien bemalt. Die Paste greift die Platte langsam an, wodurch sich beim Druck ähnliche Schwarz-Grau-Töne ergeben wie bei der Pinsellavierung mit Tusche auf Papier. Vorsicht! Grünspan ist giftig! Schlagen Sie im Chemikalienverzeichnis (Buch) nach!
Spritzätzung
Spritzen Sie mit einer Pipette 65%-ige Salpetersäure auf eine Aquatinta-Platte und lassen diese partiell einwirken. Anschließend neutralisieren Sie mit Wasser. Vorsicht! Spritzende Säure ist gefährlich. Brille, Handschuhe, Schutzkleidung! Dämpfe nicht inatmen!
Schnurätzung
Wenn Sie eine Schnur mit Säure tränken und auf die Platte legen, ätzt an dieser Stelle eine Linie. Bei Salpetersäure-Ätzung sollten Sie besser keine Wolle verwenden, da diese Eiweiß enthält und zerstört würde. Baumwollgarn ist möglich. Vorsicht! Dämpfe! Die Randlinien können Sie anschließend mit Aquatinta überdecken und mit Grauwerten füllen.
Die „Spit Bite“-Technik
Anstatt die Platte in ein Säurebad zu legen, pinseln Sie die Säure (oft mit Speichel oder Gummi arabicum angedickt) direkt auf die mit Harz bestäubte Platte. Der Speichel bricht die Oberflächenspannung, wodurch sehr malerische, weiche Verläufe entstehen, die an Wasserfarben erinnern.
Küchenmaterialien als Abdecklack
Verwenden Sie alltägliche Stoffe wie Acryl-Haarspray, um ein Kornraster auf der Platte zu erzeugen. Das Haarspray erzeugt ein sehr feines, zufälliges Korn
Senf oder Lippenstift als Ätzgrund
Senf hinterlässt durch seine Konsistenz unregelmäßige, kraterartige Strukturen beim Ätzen.
Schwefelätzung (Sulfur Tint)
Hierbei wird eine Mischung aus Schwefelblüte und Olivenöl direkt auf die blanke Metallplatte (meist Kupfer) aufgetragen. Anstatt tiefer Gruben erzeugt die chemische Reaktion eine sehr feine, zarte Trübung der Oberfläche, die im Druck extrem subtile, nebelartige Grautöne erzeugt.
Knitter-Lack (Crackle Gaze)
Sie tragen einen harten Ätzgrund auf und lassen diesen vollständig trocknen. Danach legen Sie die Platte kurz in den Kühlschrank und biegen sie anschließend ganz leicht oder bearbeiten sie mit einer Heißluftpistole, um feine Risse im Lack zu provozieren. Die Säure dringt in diese mikroskopischen Spalten ein und erzeugt ein Muster, das an krakeliertes Porzellan oder vertrocknete Erde erinnert.
Salz-Aquatinta
Statt Harzstaub streuen Sie grobes oder feines Speisesalz in einen noch feuchten, flüssigen Ätzgrund. Sobald der Lack trocken ist, waschen Sie das Salz mit Wasser heraus. Zurück bleiben kleine Löcher im Schutzlack, durch welche die Säure das Metall angreifen kann, was eine sehr körnige, „löchrige“ Textur ergibt.
Kaffee- oder Tee-Stopp
Ähnlich wie beim Sugar Lift können Sie mit stark reduziertem, klebrigem Kaffee oder Tee malen. Diese organischen Flüssigkeiten reagieren unvorhersehbar mit bestimmten Ätzgründen oder können sogar (bei sehr langen Ätzzeiten in Eisen-III-Chlorid) die Beizwirkung lokal beeinflussen, was zu sehr organischen „Schmutzeffekten“ führt.
Fett-Reservage (Litho-Kreide auf Metall)
Zeichnen Sie mit extrem fetthaltiger Litho-Kreide, Lippenstift oder Fettstiften direkt auf die Platte, bevor Sie eine feine Aquatinta-Schicht darüber legen. Das Fett stößt den Aquatinta-Staub oder den flüssigen Grund teilweise ab, wodurch beim Ätzen die Struktur des Strichs in einer negativ-artigen, aufgebrochenen Weise erhalten bleibt.
Lasertoner als aleatorisches Abdeckmittel
Mischen Sie Toner aus Laserdrucker-Kartuschen mit Seifenblasenlösung, blubbern damit auf der entfetteten Druckplatte herum und schmelzen das Ergebnis anschließend auf der Heizplatte / dem Herd auf. Es entstehen zufällige Strukturen.
Achtung: Tonerpulver ist mikroskopisch feiner, schwarzer Kunststoff und lungengängig sowie karzinogen. Verwenden Sie eine FFP2-Atemschutzmaske und achten auch beim Einbrennen auf gute, jedoch zugfreie Belüftung.
… mehr im Buch
