Ätzradierung / Strichätzung
Im folgenden Themenkapitel erhalten Sie einen strukturierten Überblick über eine facettenreiche Reihe von Verfahren der Ätzradierung / Strichätzung ohne Aquatinta. Die Bandbreite reicht von der präzisen Ätzung im Hart- und Weichgrund bis zu modernen Techniken wie Transferdruck – stets im Hinblick auf Arbeitsweise, Wirkung, Materialität und gestalterische Möglichkeiten.
🛠️ Abdecklacke
Historische und moderne Rezepturen für Abdecklacke für die Ätzverfahren. Rezepturen für die Herstellung von säureresistenten Lacken aus Wachs, Harz und Bitumen, deren Eigenschaften und Anwendung.
🛠️ Strichätzung / Hartgrund
Herstellung und Auftrag von Hartgrund als schützende Lackschicht auf der Metallplatte. Unkonventionelle Kratzwerkzeuge schonen die Metalloberfläche und erleichtern Korrekturen. Schabetechnik, Pausverfahren, Pastellmanier oder das Einpressen von Texturen
🛠️ Strichradierung
Die klassische Strichätzung erlaubt feinste Linien bis zu malerisch wirkenden Flächen. Im Gegensatz zur Kaltnadelradierung bietet sie den Vorteil der Korrektur der Zeichnung.
🛠️ Weichgrund – Rezepturen
Verschiedene Rezepturen zur Herstellung von Weichgrund-Abdecklacken. Beim Vernis Mou wird der Abdecklack durch Zeichnen eines aufgelegten Papieres „abgehoben“
🛠️ Zeichnen auf Vernis Mou
Beim Weichgrund wird durch Druck auf die Deckschicht das darunterliegende Metall freilegt. Vernis mou ermöglicht sehr freie, feder- oder bleistiftartige Zeichnungen
🛠️ Indirektes Zeichnen
Beim indirekten Verfahren heben Sie durch Zeichnen auf ein Papier oder durch Aufpressen von Materialien den Abdecklack punktuell ab. Auch Schablonierung oder Monotypie‑ähnliche Umdruckverfahren kommen zum Einsatz.
🛠️ Weichgrundätzung
Auch bei Weichgrund erfolgt das Ätzen an den freigelegten Stellen, häufig in Stufen, um unterschiedliche Grautöne zu erzielen. Angesprochen werden verschiedene Ätzmittel und Säuren, die unterschiedliche Effekte ergeben.
🛠️ Weichgrund: Korrekturen
Mit Zellophan, Kunststofffolien oder dünnem Abdecklack lassen sich lichte Stellen definieren, ohne den Weichgrund zu beschädigen. Mehrfache Ätzphasen erlauben die Überlagerung unterschiedlicher Texturen.
🛠️ Partielle Grautöne
Durch Schleifen, Rastern, Sandpapier-Aquatinta, feines Sandstrahlen oder andere Verfahren werden strukturierte Flächen erzeugt. Helle Partien können Sie wie bei der Mezzotinto durch Abschaben erzeugen. Angesprochen werden Seidenaquatinta oder die Rasterung durch Fliegengitter
🛠️ Transfer per Laserdruck
Moderne Verfahren aus der Platinenherstellung der Elektronik eröffnen die Verbindung digitaler Bilddaten und das Abdecken der Platte per Laserdruck und Transferpapier
Die Kapitelübersicht
➥Abdecklacke
Dieses Kapitel bietet eine Sammlung historischer und moderner Rezepturen für Abdecklacke, die beim Ätzen von Druckplatten verwendet werden. Sie erklärt die Zusammensetzung typischer Lacke aus Wachs, Harz und Bitumen, beschreibt deren Eigenschaften und gibt praktische Tipps zur Anwendung. Ergänzt wird das Ganze durch Hinweise zur Herstellung, Verarbeitung und Bezugsquellen sowie durch Beispiele aus der Kunstgeschichte. Ideal für Künstler*innen, Lehrende und Druckgrafik-Enthusiasten.
➥Zeichnen in Hartgrund (Strichätzung im Hartgrund)
Der Hartgrund ergibt eine schützende Lackschicht auf der Metallplatte, in welche mit Nadel, Kratzwerkzeug oder Schablone Linien eingeritzt werden, ohne das Metall zu beschädigen. Wichtig ist, dass die Zeichenspur breit genug ist, damit die Säure das freigelegte Metall gleichmäßig ätzen kann. Werkzeuge wie Kaktusdorn oder leicht abgestumpfte Nadeln schonen dabei die Oberfläche und erleichtern das gezielte Arbeiten. Außerdem erlaubt der Abdecklack flexible Korrekturen: Falsch gezogene Linien lassen sich wieder überdecken. Zu den ausgestalteten Techniken zählen die Schabetechnik, das punktierte Durchpausen, Pastellmanier oder das Einpressen von Texturen
➥Strichradierung / Intaglio (Linienätzung)
Bei der klassischen Strichätzung wird mit einem Werkzeug der Abdecklack eingeritzt, um die darunterliegende Metallfläche freizulegen. Diese wird anschließend chemisch durch Ätzen vertieft. Die Strichätzung erlaubt feinste Linien bis zu malerisch wirkenden Flächen. Im Vergleich zur Kaltnadelradierung bietet sie den Vorteil der Korrekturmöglichkeit durch erneutes Zudecken mit Lack. Als Abdecklack eignen sich wasserunlösliche, säurefeste Mittel – erhältlich in vielfältigen Formen. Zuhilfenahme zahlreicher Alltagswerkzeuge ist möglich
➥Weichgrund – Rezepturen
Hier sind verschiedene Rezepturen zur Herstellung von Weichgrund-Abdecklacken aufgeführt
➥Weichgrund / Vernis Mou – Grundlagen und Zeichentechniken
Der Weichgrund (Vernis mou) ist ein wachsartiger Abdecklack, der beim Zeichnen mittels Druck und Abheben der Deckschicht das darunterliegende Metall freilegt. Dies geschieht entweder direkt oder indirekt, etwa durch das Zeichnen auf darüberlegtem Papier. Vernis mou ermöglicht sehr freie, federartige Striche – auch mit ungewöhnlichen Werkzeugen wie Kamm oder Pinsel –, da der Lack minimal Widerstand bietet. Für breitere druckbare Linien empfiehlt sich die Kombination mit Aquatinta zur Erzeugung von Tonwertflächen
➥Indirektes Zeichnen mit Vernis Mou
Beim indirekten Verfahren wird durch Zeichnen auf ein Papier über der mit Weichgrund beschichteten Platte der Abdecklack punktuell abgehoben – etwa bei Crayon- oder Paustechniken. Auch Materialabdrücke, Schablonierung oder Monotypie‑ähnliche Umdruckverfahren kommen zum Einsatz, bei denen Papierstruktur, Druckstärke und Werkzeugwahl ausdrücklich gestalterisch wirkmächtig sind.
➥Ätzen von Weichgrundplatten
Auch bei Weichgrund erfolgt das Ätzen an den freigelegten Stellen, häufig in Stufen, um unterschiedliche Grautöne zu erzielen. Besonders empfohlen wird das „Holländische Bad“, da es den Weichgrund weniger angreift und fein abgestufte Halbtonbereiche ermöglicht. Salpetersäure ist dagegen aggressiver und weniger geeignet – insbesondere für feine Strukturen
➥Korrekturen im Weichgrund
Fehler können durch Abdecken abgewendet oder während des Prozesses durch Nacharbeiten behoben werden: Mit Zellophan, Kunststofffolien oder dünnem Abdecklack lassen sich lichte Stellen definieren, ohne den Weichgrund zu beschädigen. Mehrfache Ätzphasen erlauben die Überlagerung unterschiedlicher Texturen. Auch ein frischer Weichgrundauftrag nach Erstätzung kann spezielle Effekte schaffen
➥Partielle Mezzotinto / Abgestufte Grautöne
Diese vielseitige Kategorie kombiniert mechanische und ätzende Techniken: Durch Schleifen, Rastern, Sandpapier-Aquatinta, feines Sandstrahlen oder andere Verfahren werden unterschiedlich strukturierte Flächen vorbereitet. Diese können tonal abgestuft oder partiell ausgespart und anschließend geätzt werden. Methoden wie Seidenaquatinta oder Fliegengittermotive erlauben besonders feinkörnige Darstellungen.
➥Beschichtung mit Transferpapier (Laserdrucktransfer)
Moderne experimentelle Wege eröffnen die Verbindung digitaler Bilddaten mit Radierverfahren: Ein Laserdruck wird auf Transferpapier gedruckt und auf die Kupferplatte übertragen. Der widerstandsfähige Toner fungiert als Ätzresist, anschließend kann Aquatinta aufgebracht und geätzt werden. Die Technik eignet sich auch zum direkten, chemischen Transfer.

Fazit / Gesamteinblick
Dieses Kapitel und die Unterkapitel bieten eine praxisorientierte Einführung in eine beeindruckende Bandbreite von Radiertechniken mit Abdecklack. Es beginnt bei feinster Strichführung im Hartgrund, führt über chemiebasierte Strichätzungen im Intaglio zu expressiven und flexiblen Weichgrundverfahren und zeigt, wie Übertragungstechniken, Korrekturmöglichkeiuten und partielle Tonwertschattierungen umgesetzt werden können. Hinzu kommt der Reiz digital‐analog hybrider Verfahren mittels Transferdruck. Die Arbeitsweise, ästhetische Wirkung und die Einsatzmöglichkeiten unterscheiden sich erheblich: So stehen präzise Linien im Kontrast zu dichten Grautonstufungen, strukturbetonte Texturen zu weicher Strichzeichnung, chemisch erzeugte Ätztiefen zu mechanisch gerasterten Flächen und analoge Zeichnung zu digital erzeugter Vorlage. Sie finden hier Einstieg in die Welt der Abdecklackverfahren, der Lust machen soll, jede Technik experimentell zu erproben und die gestalterischen Möglichkeiten tiefer zu erkunden.
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