Aquatinta Schabloniertechniken
In der Radierung bieten Schablonen eine Möglichkeit, scharfe Kanten, exakte geometrische Formen oder wiederkehrende Muster zu erzeugen. Diese Unterseite des Online-Werkstattbuchs befasst sich mit dem Einsatz von Schablonen zur Gestaltung von Flächen innerhalb der Aquatinta-Technik. Sie finden hier Varianten, wie durch das Auflegen von passgenauen Formen aus Papier, Metall oder Kunststoff bestimmte Bereiche der Druckplatte beim Aufstäuben des Harzkorns oder während des Ätzvorgangs gezielt geschützt werden können. Schabloniertechniken erzeugen scharfe, klar umrissene Kanten.
🛠️ Zur Startseite
Zur Startseite von „radiertechniken.de“
🛠️ Zur Themenübersicht
Zurück zur Übersichtseite des Kapitels
🛠️ Zur Sitemap
Die Sitemap von „radiertechniken.de
Update: 2.Februar 2026
Varianten der Schablonierverfahren
Abdeckschablone als Säureschutz
Bevor die Platte in das Säurebad gelegt wird, können Schablonen aus festem Material (z. B. selbstklebende Folie oder präzise geschnittenes Papier) auf die Platte aufgelegt werden.
Kleben Sie die Schablone auf die blanke oder bereits mit Aquatinta-Korn bestäubte Platte und überziehen die gesamte Fläche mit Abdecklack. Nach dem Abziehen der Schablone bleibt das Metall an dieser Stelle ungeschützt und kann geätzt werden.
Schablonen beim Auftrag der Aquatinta
Bei der Aquatinta-Technik können Papierschablonen direkt beim Aufstäuben des Kolophonium- oder Asphaltstaubs verwendet werden. Die Schablonen decken dabei Bereiche ab, während der Staub auf die Platte rieselt. So lassen sich harte Übergänge zwischen tiefen Ätztönen und vollkommen weißen Flächen (da dort kein Staub fixiert wurde) steuern. Entfernen Sie die Schablone vor dem Einbrennen der Aquatinta wieder – und damit das Korn – so ätzen die „ungekörnten“ Partien flächig tiefer, werden nicht aufgerastert, erhalten jedoch einen „Ätzrand“.
Reservage-Schablone
Man kann Schablonen nutzen, um die Reservage (Aussprengtechnik) zu gestalten. Anstatt frei mit dem Pinsel zu malen, trägt man die zuckerhaltige Lösung (oder Honig/Sirup) mit einer Schablone auf. Dies kombiniert die exakte Form der Schablone mit der charakteristischen, leicht körnigen Struktur der Aussprengtechnik.
Schablonen beim Einfärben (À la Poupée / Schablonendruck)
Schablonen können auch erst nach der Ätzung beim Einfärben für den Druck der Platte genutzt werden, um den Farbauftrag zu steuern. Man legt eine Schablone auf die eingefärbte oder noch saubere Platte, um nur bestimmte Bereiche mit einer zweiten Farbe (z. B. mit einer Walze) zu überfärben. Dies ermöglicht mehrfarbige Drucke von einer einzigen Platte, ohne dass die Farben ineinanderlaufen.
Schablonenvarianten
Spaltschnitte
Durch strukturiertes zerschneiden von papiervorlagen können „Spaltschnitte“ erzeugt werden. Diese ergeben interessante grafische Effekte. Mit oben beschriebenen Varianten können diese in eine Druckform umgewandelt werden.
Klebefolie
Bekleben Sie die gesamte Platte mit „DC-Fix-Folie“ oder Bucheinbandfolie. Daraus schneiden Sie mit einem Skalpell Formen aus und heben die Folie partiell wieder von der Platte ab. Am geeignetsten sind dafür Folien, die durch Adhäsion auf der Platte haften. Klebstoffbeschichtete GFolien hinterlassen auf der Druckplatte beim Abziehen Klebereste, die aleatorische Muster ergeben.
Papierschablonen
Schablonen aus Papier können Sie mit Kleister auf der Platte befestigen, bevor Sie die Platte mit Kolophonium aufstäuben. Nach dem Aufschmelzen lassen sich die Papierschablopnen mit Wasser ablösen.
Heißkleber
Sie erstellen eine Klebevorlage mit der Heißklebepistole, indem Sie den Heißkleber auf Backpapier auftragen. Dieses ist durchsichtig, sodass diese Technik auch als Paustechnik verwendet werden kann. Nach dem Auskühlen lässt sich die Heißklebe-Schablone vorsichtig abziehen und hält durch Adhäsion auf der Metallplatte.
➥ Heißkleber
Scherenschnitt-Formen / abstrakte Formen
Es können Scherenschnitte – wie im nachfolgenden Bild-Beispiel, das ich für eine ➥ Cyanotypie erstellt habe – Verwendung finden.

Schüttbilder
Ebenso lassen sich für größere Platten verschiedene Gegenstände – wie auf den Schüttbildern von ➥ Daniel Spoerri – per „gesteuertem Zufall“ auf der Platte platzieren. Diese erscheinen nach dem Aufstäuben und Einbrennen der Aquatinta als „Weißformen“ – wie hier in dieser Cyanotypie. Verwendet wurden ausgeschnittene Kunststoffolien, Metallfedern, Gummiringe, Metallstanzteile, eine Hohlkammerplatte (die in diesem Fall eine komplett helle Fläche ergäbe) sowie ein größeres Blatt einer Gartenpflanze.

Auflegen von Gegenständen
Es können auch Gegenstände vor dem Aufstäuben auf die Platte gelegt werden. dadurch wird nur die Umgebung des Gegenstandes „aufgerastert“ und behält so beim Farbauftrag und späteren Abwischen die Farbe auf der Platte. Die „ungerasterten“ Flächen werden durch die Ätzung ebenfalls vertieft oder beim „Wischen“ der Platte blank gerieben – und behalten einen sachten Plattenton.
Hier schließt sich der Kreis wieder zu den Edeldruckverfahren
– siehe ➥ Fotogramme und Rayogramme
… mehr im Buch
