Seidenraster-Aquatinta
Die Silk-Aquatint ist ein modernes, ungiftiges Tiefdruckverfahren, das ohne klassische Ätzung mit Säure abgestufte Tonwertflächen erzeugt und auf einem additiven Schichtaufbau basiert. Als Druckstock dient eine Kunststoff- oder Metallplatte, auf die ein feinmaschiges Gewebe aus Seide oder Kunstfaser (wie Polyester) straff aufgeklebt wird. Dieses Gewebe dient als Raster und bleibt auch beim Drucken auf der Platte. Die Farbe verbleibt beim Abwischen – wie bei der Aquatinta – in den „Näpfchen“ des Rasters.Diese Technik ist bei Künstlern beliebt, die einen spontanen, malerischen Pinselstrich schätzen und auf gesundheitsschädliche Chemikalien verzichten möchten.
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Update: 2.Februar 2026
Arbeitsschritte
Man nehme eine Kunststoffplatte, Metallplatte, was weiß-ich-für ’n Material-Platte. Weil bei der folgenden Technik nicht geätzt werden muss, ist das Material der Druckplatte unerheblich. Die Platte muss nur bruchsicher sein. Glas ist daher nicht geeignet. Decken Sie die Druckplatte vollflächig mit Sprühkleber oder doppelseitiger Klebefolie randlos ab und kleben ein ➥ Seidentuch glatt und blasenfrei auf die Platte auf. Dieses Tuch verbleibt auf der Druckplatte und bildet das Raster. Dadurch erhält man eine Druckplatte, die – wenn man sie einfärbt – vollständig schwarz drucken würde. Die Seide erzeugt die feinen, regelmäßigen Farbnäpfchen.
- Bereiten Sie die Druckplatte mit Hartgrund vor. Erwärmen sie diese danach leicht und pressen mit der Walze ein Seidentuch flächig auf die Platte auf. So ergibt sich nach dem Abheben des Tuches ein engmaschiges, feines Punktraster auf der Druckplatte.
- Durch Abdecken mit flüssigem Ätzgrund oder Acrylfarbe bringen Sie die Zeichnung im Negativ auf dem feinmaschigen Stoff auf. Das Abdecken kann auch mit wasserfester Tusche – wie z.B. mit einem Folienstift erfolgen.
- Dort, wo das Medium dick aufgetragen wird, werden die Zwischenräume des Gewebes verschlossen, sodass hier keine Farbe mehr hängen bleibt – diese Stellen erscheinen im Druck weiß.
- Nach dem Trocknen wird die Platte wie eine klassische Radierung eingefärbt und „ausgewischt“, wobei die Farbe in den offenen Maschen des Gewebes verbleibt.
- Unter hohem Druck presst die Tiefdruckpresse das Papier in die feinen Gewebestrukturen, wodurch samtige, tiefe Schwarztöne und malerische Verläufe entstehen.
Zeichnen auf der Seidenraster-Aquatinta
Bevor Sie die Platte für den Druck einfärben, bringen Sie nun zunächst die Zeichnung auf, mit der die nicht druckenden Flächen „zugeschmiert“ werden. Weiße Acrylfarbe – mit dem Pinsel aufgetragen – können Sie malerisch verwenden. Feinste Pinselspuren decken dann die Platte. Auf der Acrylfarbe haftet die Druckfarbe beim Auswischen nicht und die tiefer liegende Farbe im Seidenraster übertragen Sie somit auf das Papier. Beim Auswischen der Druckplatte verbleibt die Farbe nur in den freien Partien der Seidenstruktur. Es entsteht ein „malerischer“ Effekt, den Sie durch partielles, unterschiedliches Einfärben „à la poupée“ (mit Tampons) verstärken können.
Variante mit Ätzverfahren
Pressen Sie Polyestergewebe oder Seide in den angewärmten Hartgrund auf die Platte und ziehen es wieder ab. Dadurch wird die Platte aufgerastert. Decken Sie anschließend mit Abdecklack die Stellen ab, die hell bleiben sollen und ätzen stufenweise wie bei der herkömmlichen Aquatinta.
Bildbeispiele finden Sie durch die ➥ Google-Bildersuche
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