Geschichte der Cyanotypie

Die Cyanotypie wurde im Jahr 1842 vom englischen Naturwissenschaftler und Astronomen Sir John Herschel entdeckt. Eigentlich suchte dieser nach einem Verfahren zur Vervielfältigung von Notizen. Er benutzte die Lichtempfindlichkeit von Eisensalzen, um die eine Reaktion zu erzeugen. Bei UV-Bestrahlung entstand das berühmte ‚Preußisch Blau‘ (Berliner Blau). Die Cyanotypie war das dritte Verfahren nach der Daguerreotypie und Talbotypie / Kalotypie zur Herstellung stabiler fotografisch erzeugter Bilder.
Kurz nach der Entdeckung erkannte die Botanikerin Anna Atkins das Potenzial für ihre wissenschaftliche Arbeit und veröffentlichte das erste durch Fotografie illustrierte Buch mit Fotogrammen aus Cyanotypien von Farnen und Algen. Sie machte diese fotografische Technik durch ihre Bücher bekanntund gilt durch diese frühe Anwendung als erste Fotografin. Über Jahrzehnte hinweg etablierte sich die Technik ab 1870 als Kopiermaßnahme in Architektur und Ingenieurwesen, woraus der heute noch bekannte Begriff „Blueprint“ (Blaupause) entstand. Durch die Diazotypie (Ozalid®-Kopie) wurde die Cyanotypie dann als Methode der Zeichnungskopie noch vor dem Zweiten Weltkrieg abgelöst.
Trotz (oder wegen) der Digitalisierung wird dieses einfache und ungiftige analoge Verfahren heute aufgrund seiner ästhetischen Einzigartigkeit, Vielfalt und unkomplizierten Handhabung in der Kunstszene wieder intensiv genutzt.

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Update: 26.Januar 2026

Handout zu den Anfängen der Cyanotypie im 19.Jahrhundert

Den folgenden Text über die Grundverfahren und die Geschichte der Cyanotypie hatte ich als Handout zur Schulkunstausstellung „IMTA 2013“ verfasst:
Bauhaus FOBI Photogramme Handout

Verfahren

20 gr Kaliumferricyanid und 50 gr grünes Ammoniumeisen-(III)- citrat werden jeweils in 500 ml destilliertem Wasser aufgelöst. Da Ammoniumeisencitrat zum Schimmeln neigt, gibt man einige Tropfen Konservierungsmittel für Fruchtsäfte (Peka) hinzu. Beide Lösungen werden dunkel und kühl aufbewahrt – sie zersetzen sich unter Lichteinwirkung. Vor dem Beschichten mischt man die Lösungen im Verhältnis 1:1. Die Mischung bleibt im Dunkeln einige Tage haltbar. Saugfähiges Papier (hier: Inkjet-Papier) wird in dieser Mischung gebadet bzw. mit einem Schwämmchen getränkt und getrocknet. Beim Trocknen wird die Beschichtung lichtempfindlich.
Die Belichtung erfolgt unter einem Schatten werfenden Gegenstand als Fotogramm oder unter einem fotografischen Negativ durch UV- oder Sonnenlicht. In der Sonne beträgt die Belichtungsdauer 6 – 12 Minuten, an einem bedeckten Tag 10 – 100 Minuten, am Tageslichtprojektor im Kontakt 10 Min, in der Projektion mit einem Tageslichtprojektor mehrere Stunden. Durch Licht wird die Eisenverbindung zweiwertig und wasserunlöslich – es entsteht der Farbstoff Berliner Blau. Die unbelichteten Teile lassen sich mit Wasser auswaschen. Badet man das Bild danach in 0,2%-iger Wasserstoffperoxid-Lösung verstärkt sich die tiefblaue Färbung durch die beschleunigte Oxidation. Wasserstoffperoxid ist in dieser Konzentration ungiftig. Der Farbton kann durch Baden in Tannin, Oolong-Tee, Katzenurin (ja… so funktioniert Alchemie!) oder Pyrogallol verändert werden.

Cyanotypie Photogramm eines Equisetum sylvaticum von Anna Atkins und Anne Dixon, 1853
Cyanotypie Photogramm eines Equisetum sylvaticum von Anna Atkins und Anne Dixon, 1853

Literatur

🛒➜Annette Golaz: Cyanotype Toning – Using Botanicals to Tone Blueprints Naturally [Affiliate-Link]

🛒➜Marlis Maehrle: Blaue Wunder – Techniken und Projekte mit Cyanotypie [Affiliate-Link]

🛒➜Peter Mrhar: Cyanotype: Historical and alternative photography [Affiliate-Link]

🛒➜Marco Antonini u.a.: Fotografie: Ein Handbuch der analogen Kreativtechniken [Affiliate-Link]

Bezugsquellen

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