Checkliste mit Tipps zum Beurteilen der Radierdruckplatte
Hier habe ich einige Hinweise zum Beurteilen der Radierdruckplatte zusammengefasst. Besonders Kaltnadelradierungen müssen vor dem Druck genau kontrolliert werden, weil die maximale Auflagenhöhe guter Abzüge ohne Verstahlung sehr überschaubar ist. Hier nutzt jeder Probedruck die Platte unnötig ab.
Kanten und Fasen prüfen
Die Ränder der Platte müssen ringsum sauber im 45°-Winkel gefast und geglättet sein. Scharfe Kanten beschädigen das feuchte Druckpapier und die Filze der Presse.
Spiegelverkehrung überprüfen
Besondere Aufmerksamkeit gilt Schriftzügen, Signaturen oder asymmetrischen Motiven. Stelle sicher, dass alles spiegelverkehrt angelegt ist, damit das Druckergebnis seitenrichtig erscheint.
Lichtverhältnisse
- Bei diffusem Licht lässt sich die Platte besser beurteilen.
- Bauen Sie sich einen Blendrahmen aus Zellophan- oder Transparentpapier an das Fenster. Durch dieses Papier wird das Licht diffus gestreut und das Ergebnis der Ätzung ist besser zu sehen.
- Genauso gut können Sie sich einen passenden Holzrahmen mit Seide oder Transparentpapier bespannen und bei Bedarf in den Fensterausschnitt stellen. Ein Kunststoff-Mückengitter erfüllt sogar doppelten Nutzen.
Plattenrückseite kontrollieren
Die Rückseite muss völlig sauber sein. Klebebandreste, Grate oder Farbreste auf der Rückseite drücken sich durch das Metall ab und erzeugen Flecken auf dem Druck. Sie können – bedingt durch den hohen Pressendruck – sogar die Platte verformen. Nach der Korrektur durch Herausschleifen unerwünschter Partien wird empfohlen, auf der Rückseite an diesen Stellen Klebestreifen aufzubringen, um diese Stellen anzuheben.

Reinigung
- Bevor Sie die geätzte Platte beurteilen, sollten Sie mit Stahlfix, Sidol oder dünner Ätzkalilauge die Oxidrückstände von der Platte entfernen. Verdünnte Salzsäure löst die Kupferoxydschicht sehr gut, ohne die Platte zu ätzen.
- Auch mit einem Korken lässt sich die Platte gut blank reiben. Die Profis aus den Tiefdruckereien reiben die Tiefdruckzylinder mit Samt oder einer weichen Bürste und Wasser aus.
- Auch die Rezepte aus Großmutters Fundus, die ich auf Seite 9 beschrieben habe, sind geeignet.
- Sidol™-Metallreinigungsmittel
- Polyboy™-Metallpolitur
- Achten Sie auch auf Fingerabdrücke, die später als feine Farbschleier sichtbar werden könnten.
Vertiefungen von Rückständen befreien
Stellen Sie sicher, dass keine Reste von Abdecklack, Kolophonium, Wachs oder Reinigungsmitteln in den Rillen kleben. Diese verhindern, dass die Druckfarbe haftet.
Planheit der Platte testen
Legen Sie die Platte auf eine ebenmäßige Fläche (z. B. eine Glasplatte). Sie darf nicht verbogen oder getrieben sein, da ungleicher Druck zu ungleichmäßigen Druckergebnissen führt.
Färben/ Messen
- Die einfachste Art der Beurteilung ist die „Nagelprobe“: Fahren Sie mit dem Fingernagel über die Platte. Ist ein Widerstand zu spüren, ist die Ätz- bzw. Radiertiefe gut.
- Die geätzte und getrocknete Platte lässt sich besser beurteilen, wenn Sie die Platte mit Talkum (Magnesia) einweißen. Auch etwas feine Schlämmkreide oder helles Puder, das Sie vorsichtig in die Vertiefungen reiben ist geeignet. Dadurch wird das Motiv auf dem dunklen Metall sichtbarer und lässt sich auf das spätere Endergebnis hin beurteilen.
- Sie können die Platte zur Zwischenbeurteilung auch mit schwarzer, wasserlöslicher Aquarellfarbe aus Tuben einfärben. Beim nächsten Ätzvorgang löst sich diese wieder ab.
- Mischen Sie ➥Kupfertiefdruckfarbe mit etwas Speiseöl. Verreiben sie diese Mischung auf der Platte. Die Linien sind dann gut zu erkennen. Speiseöl trocknet nicht auf, wie dies bei Leinöl der Fall wäre.
- Mit einer spitzen Radiernadel können Sie die Tiefe messen
- Ein ➥ Fadenzähler (eine kleine Lupe) leistet gute Dienste zum Beurteilen der Ätztiefe.
- Halten Sie die eingeweißte / eingeschwärzte Platte vor einen Spiegel. So sehen Sie ziemlich genau das Druckergebnis.
Probedrucke
- Machen Sie nicht viele Probeabzüge. Die Stege bei Kaltnadelradierungen und duftigen Aquatinten nutzen sich sehr schnell ab. Die Qualität der Abzüge leidet unter jedem Druck.
- Trotzdem lassen sich Probedrucke nicht vermeiden, denn bei ihnen werden Fehler leicht erkannt und können auf verschiedene Art ausgebessert werden.
- Bringen Sie Korrekturzeichnungen nicht auf dem Probeabzug an. Dieser könnte vielleicht der einzig brauchbare Abzug Ihrer Arbeit sein. Besser ist es, wenn Sie über den Probeabzug ein Transparentpapier, eine Glasplatte oder eine Folie legen und Ihre Korrekturidee darauf mit wasserfestem, schwarzem (Folien-)Stift zeichnen.
- Vorteil: Sie brauchen die Folie nur herumzudrehen und haben sofort eine spiegelverkehrte Vorlage für die Korrektur Ihrer Platte. So können Sie mehrere Varianten durchprobieren
Contre epreuve
- Vom frischen, noch feuchten Druck stellen Sie einen Umdruck (Abklatschtechnik) auf Papier her. Dieser ist seitenverkehrt (wie die Druckplatte) und gut geeignet für die Kontrolle und Weiterarbeit.
- 📖 ➥ Materialien & Chemie Bezugsquellen
- 📖 ➥ Fachliteratur – (M)eine Bücherliste
- 💸 ➥ Wege zum Buch
- 🕸 ➥ Sitemap / Inhalt
Update: 20. Juli 2026