Auflage und Nummerierung

Dieses Kapitel befasst sich mit den technischen und formalen Rahmenbedingungen, die den Weg von der bearbeiteten Druckplatte zum fertigen Abzug in einer Auflage bestimmen. Während die künstlerische Gestaltung im Vordergrund steht, entscheiden das gewählte Material und das Druckverfahren maßgeblich über die Haltbarkeit und die mögliche Anzahl hochwertiger Exemplare. Besonders bei empfindlichen Techniken wie der Kaltnadelradierung ist die Auflage durch den mechanischen Verschleiß der Platte begrenzt, während andere Verfahren deutlich stabilere Ergebnisse liefern. Neben den materialtechnischen Aspekten spielen auch handwerkliche Kniffe zur Standzeitverlängerung der Druckplatte eine entscheidende Rolle für die Qualitätssicherung. Ein ebenso wesentlicher Teil dieses Abschnitts widmet sich den internationalen Standards der Kennzeichnung, die den Marktwert und die Authentizität einer Grafik dokumentieren. Ziel ist es, ein tiefes Verständnis für das Zusammenspiel von Technik, Haltbarkeit und fachgerechter Deklaration im grafischen Werk zu vermitteln.

🛠️ Zur Startseite

Zur Startseite von „radiertechniken.de“

🛠️ Kapitelübersicht

Zurück zur Übersichtseite des Kapitels

🛠️ Zur Sitemap

Die Sitemap von „radiertechniken.de

Update: 30.Januar 2026

Bedingungen für Auflagenhöhe und Qualität

Die Anzahl der „guten“ Abzüge hängt primär davon ab, wie stark die Druckplatte dem enormen Walzendruck der Presse und dem mechanischen Abrieb beim Einfärben und Wischen widersteht.
Bei der Kaltnadelradierung ist die Auflage am geringsten (oft nur 10–20 exzellente Abzüge). Das Bild entsteht durch den aufgeworfenen Grat aus Metall, der die Farbe hält. Dieser feine Grat wird durch den Druck der Presse sehr schnell flachgedrückt.
Bei einer Ätzradierung / Aquatinta / Strichätzung liegen die Vertiefungen IN der Platte. Da kein Grat im Weg ist, sind die Linien stabiler. Hier sind Auflagen von 50 bis 100 Abzügen von guter Qualität. möglich.
Stahl ist wesentlich härter als Kupfer. Dies ermöglicht beim Stahlsich extrem feine Linien und sehr hohe Auflagen in die Tausende, weshalb das Verfahren früher oft für Banknoten oder Buchillustrationen genutzt wurde.
Der Kupferstich liegt in der Härte zwischen Kaltnadel und Stahl. Der Grabstichel verdrängt kein Material (es gibt keinen aufgeworfenen Grat. Das Metall wird herausgeschnitten, was die Platte langlebiger macht als bei der Kaltnadel. Von einem gut gestochenen Kupferstich kann eine Auflage von 500 Exemplaren und mehr hergestellt werden. Wird der Kupferstich verstahlt, lässt sich die Auflage noch weiter erhöhen.

Wie kann die Anzahl guter Abzüge gesteigert werden?

Durch Verstahlen oder Verchromen kann die Anzahl guter Drucke noch gesteigert werden. Die Verstahlung kann wiederholt erfolgen.
Die fertige Kupferplatte wird dafür durch Galvanisierung verstählt und elektrolytisch mit einer hauchdünnen Schicht aus hartem Eisen (Stahl) überzogen. Dies schützt den weichen Grat der Kaltnadel oder die feinen Stege der Aquatinta vor Abrieb. Wenn die Stahlschicht abgenutzt ist, kann sie chemisch entfernt und erneuert werden.
Sorgfältiges Auswischen der Farbe beim Einfärben mit weicher Gaze (Tarlatan) und das Vermeiden von zu starkem Druck beim Blankwischen der Platte schont die Strukturen.
Selbst die Auwahl der Druckfarbe hat einen Einfluss auf die „Standfestigkeit“. Fein geriebene Pigmente ohne abrasive (schleifende) Partikel verhindern, dass die Platte „abgeschmirgelt“ wird.

Kennzeichnung und Limitierung der Radierungen

Die zahlenmäßige Begrenzung der Auflage liegt allein beim Künstler. Die Technik limitiert diese jedoch auch, weil mit höherer Auflage auch die Qualität nachlässt.
Die Nummerierung der Blätter hat den Sinn, dem Sammler eine Orientierung zu geben, wie viele Exemplare von einem Blatt existieren – und wo sich sein Druck in der Reihe befindet, da dies auch eine Aussage zur Qualität des Abzuges ergibt. Je niedriger die Nummerierung liegt, desto besser ist in der Regel auch die Druckqualität – besonders bei Kaltnadelradierungen, weil sich die Stege beim Drucken „abnutzen2 und flachdrücken.

Die Signatur und Nummerierung erfolgt in der Regel mit weichem Bleistift, da dieser nicht ausbleicht und sich nicht so leicht fälschen lässt wie Tinte. Für die Nummerierung hat sich ein standardisiertes System etabliert: Während dem Druckvorgang erhält jedes Blatt unterhalb der Darstellung (auf dem Blattrand) eine laufendes Nummer. Die Druckauflage wird in Form eines Bruches angegeben. (z.B. 18/100, Exemplar 18 von 100). Das Beispiel 18/100 bedeutet, dass es sich um das 18. Exemplar einer Gesamtauflage von 100 Radierungen handelt.

Kennzeichnen der „Sonderdrucke“

Die Anzahl der „Sonderdrucke“ variiert nach Druckverfahren. Bei Kaltnadelradierungen sind nur sehr wenige Probedrucke statthaft, da die Qualität bei jedem Abzug abnimmt. Zur Kennzeichnung der „Sonderdrucke“ sowie der Bedeutung von Kennzeichnungen auf historischen Kupferstichen gibt es ein separates Kapitel Signaturen“

Kreuzen

Ist die Anzahl der angegebenen und signierten Abzüge gedruckt, wird die Platte „gekreuzt“, d.h. durch diagonale Kaltnadelrisse zerstört. Es wäre nicht statthaft, von der Platte später weitere Drucke herzustellen, weil der Sammlerwert sinken würde. Von ganz begehrten Platten (z. B. Picasso) sind jedoch sogar gekreuzte Abzüge im Handel. Rembrandt hat von Radierungen Auflagen gedruckt, diese Platten dann sehr stark überarbeitet und weitere Druckserien hergestellt. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Rembrandts Radierung „Die drei Kreuze“, von der mehrere stark überarbeitete Versionen existieren.

Rembrandt The Three Crosses 1653
Rembrand Haermenzoon van Rijn: Die drei Kreuze, dritter Zustand / Auflage von 1653, Strichätzung, Quelle: commons.wikimedia.org (PD)


Klick zur Sitemap
… mehr im Buch