Das (Online-)Werkstattbuch mit Tipps, Rezepturen + Anleitungen
Heliogravur
Heliogravur
Die Heliogravur (von helios (gr.)= „Sonne“) ist ein – heute nur noch im künstlerischen Bereich verwendetes – Verfahren zur Herstellung von Tiefdruckplatten. Sie gilt als das edelste photochemische Verfahren auch in künstlerischer Hinsicht. Dieses Druckverfahren beruht auf einem fotomechanisch erzeugten Kupferdruck und ermöglicht wie die Silberbromid-Fotografie exakte Halbtonwiedergabe. Das Verfahren wurde zum maschinellen Rakeltiefdruck weiterentwickelt. Die Heliogravur ist in der Wiedergabequalität der Fotografie ebenbürtig, wurde für die hochwertige Wiedergabe von Halbtonbildern verwendet und war eine Zwischenstufe auf dem Weg zum modernen technischen Tiefdruck, mit dem heute viele Modezeitschriften und Illustrierte hergestellt werden. Mit der Heliogravur lassen sich der Schabkunst (Mezzotinto) vergleichbare Wirkungen erzielen. Charakteristisch sind die Wärme des Farbtons und der eingedrückte Plattenrand. Der unvergleichliche Tonreichtum dieses Verfahrens begründet sich in dem völlig den Helligkeiten des Negatives angepassten Gelatinerelief, das die Metallplatte bedeckt. So dringt Säure in feinster zeitlicher Abstufung in das Metall und nuanciert die Tiefe der Ätzung.
Constant Emile Puyo – Frauen in Veils, Heliogravur, 1899, Quelle: commons.wikimedia.org, PDDer moderne Rotationstiefdruck, mit dem die meisten Zeitschriften hergestellt werden, beruht letztendlich auf der Radierung und der Heliogravure.
Wikipedia schreibt dazu:
Konventionelle Ätzung oder Heliogravüre
Tänzerin mit Tamburin in Ägypten, Heliogravüre von Jean-Léon Gérôme (1824–1904)
Als Erfinder der Heliogravüre gilt der Österreicher Karl Klietsch, der 1879 den Einsatz des Pigmentpapiers mit dem fotografischen Übertragungsprozess verband. Zunächst wurde von Kupferplatten gedruckt, bis die Verwendung von Schnellpressen im gewerblichen Bereich die Herstellung von Druckformzylindern erforderlich machte.
Die konventionelle Ätzung des Druckzylinders, die bis Ende der 1970er Jahre praktiziert wurde, erfolgte über das Pigmentpapier. Auf das von einer lichtempfindlichen Chromgelatineschicht bedeckte Papier wird zunächst ein gleichmäßiger Raster kopiert. In einem zweiten Kopiervorgang belichtet man danach einen fotografischen Halbtonpositivfilm über den Raster. Danach wird das Pigmentpapier mit der Gelatineschicht auf den Druckzylinder geklebt. Mittels warmen Wassers wird das Papier vorsichtig gelöst und dann die unbelichtete Gelatine entfernt, bis auf dem Zylinder ein negatives, gerastertes Gelatinerelief zurückbleibt.
Nun wird der Druckzylinder nacheinander in mehreren Säurebädern aus Eisenchlorid und Wasser geätzt, wobei mit dem Bad mit der höchsten Konzentration begonnen wird. In der äußeren Kupferschicht entstehen unterschiedlich tiefe, jedoch gleich große Näpfchen. Je tiefer das Näpfchen ist, umso mehr Farbe kann es aufnehmen und beim Druck entsteht ein entsprechend dunkler Ton. Man spricht hier vom „tiefenvariablen Tiefdruck“. Schließlich wird die restliche Gelatineschicht vom Zylinder abgewaschen und der Andruck kann erfolgen.
Verwendung in der Kunstgeschichte
Mehrere Künstler haben die Heliogravüre für ihre Drucktechniken verwendet. Exemplarisch sei Dali erwähnt, der in seiner Serie zu den Desastres de la guerra die Radierungen Goyas photomechanisch als Heliogravur kopierte und überarbeitete. Auch Georges Rouault ließ mit Hilfe der Heliogravüre seine Tuschezeichnungen auf die Platte übertragen und überarbeitete sie anschließend mit verschiedenen Werkzeugen.
Es werden zwei Herstellungsvariantenverfahren unterschieden:
Vorsicht Chemie!
Das Verfahren und der Ablauf wird aus technikhistorischen Gründen hier behandelt. Die Verwendung von Kaliumdichromat und Ammoniumdichromat ist in Europa zwischenzeitlich untersagt. beide Stoffe sind hochgiftig. Werden Stäube eingeatmet, löst dies unweigerlich Lungenkrebs aus. Die Anwendung für die Heliogravure ist obsolet. Es gibt mit Eisenammoniumcitrat eine Alternative (s.u.).
Direktbelichtung
Bestreuen Sie die Platte mit Harzpulver, brennen ein und beschichten die Platte mit Chromgelatine. Der Ansatz erfolgt wie unten beschrieben – es gibt verschiedene ‚Gradationen‘ – je nach Anteil von Kalium- oder Ammoniumdichromat.1 Unter einem fotografischen Diapositiv belichten Sie eine mit lichtempfindlicher Schicht überzogene Kupferplatte, ätzen und drucken sie wie einen Kupferstich.
Indirekte Belichtung
Als Druckplatte dient eine mit angeschmolzenem Asphaltkorn versehene blanke Kupferplatte. Zuerst stellen Sie auf chromiertem Gelatinepapier einen photographischen Diapositivabzug her. Dieses Chromgelatinepapier (das sogenannte Pigmentpapier) quetschen Sie nach der Belichtung nass auf die Platte auf und übertragen so das Gelatinerelief. Die Ätzung erfolgt durch diese aufgepresste photographische Kopie hindurch auf die mit Asphaltpulver gerasterte Kupferplatte, also nach dem Grundprinzip der Aquatinta. Die Halbtöne werden im Gegensatz zu anderen Druckverfahren nicht durch unterschiedlich große Rasterpunkte erzeugt, sondern durch ein geätztes Relief, das je nach Tiefe unterschiedlich viel Farbe aufnimmt.
Im Rastertiefdruck wird dieses Relief zusätzlich mit einem konstant regelmäßig breiten Kreuzraster überdeckt, der verhindert, dass die Farbe beim Einfärben aus den Vertiefungen herausgewischt wird.
Pigmentpapierverfahren
Die Herstellung einer Heliogravüre mit Pigmentpapier werde ich nun detaillierter beschreiben:
Negativaufnahme
In der Regel wird zuerst ein Halbton- Negativ aufgenommen oder hoch vergrößert, in dem die Lichter und Staubflecken durch Zudecken mit Rötel retuschiert werden können.
Diapositiv
Von diesem Negativ stellen Sie im Direktkopierverfahren ein Halbtondiapositiv her, das nun in den Tiefen retuschiert werden kann. Im Schnellverfahren beginnen Sie mit diesem Diapositiv. Dieses Diapositiv belichten Sie im Kontaktverfahren auf Pigmentpapier. Ein Versuch: Weil die Heliogravüre ein Diapositiv zur Belichtung benötigt, könnte man auch mit einem lichtstarken Diaprojektor belichten. Inwieweit es dabei jedoch zu Überstrahlungen kommt, müssen Versuche zeigen.
Renée Le Begúe (1857 – 1914): Etude de Nu 1904 (Public domain), via Wikimedia Commons
Pigmentpapier-Herstellung
Zutaten:
20g Gelatine
spiritusechte Farbpigmente
25 ml 37%-ige Formalinlösung
29g Kaliumdichromat (hochgiftig!!! Karzinogen!)
Ochsengalle zum Entfetten der Spiegelglasplattenoberfläche
Pergamentpapier als Trägerpapier
Bereiten Sie das Pigmentpapier einige Tage vorher vor, sensibilisieren es aber erst kurz vor der Verwendung, da es in diesem Zustand nur wenige Tage haltbar ist. Pigmentpapier ist ein sehr festes Papier, das mit lichtempfindlich gemachter, rötlich-braun eingefärbter Gelatine beschichtet ist. Es wird im Tiefdruck, aber auch im Siebdruck verwendet.
Die Herstellung geht folgendermaßen:
Vorwässern
Die Gelatine und das Papier sind hygroskopisch, was eine Passungenauigkeit durch Größenveränderung beim Mehrfarbdruck bewirken kann. Legen Sie das Papier daher zuerst 15 min in 100°C heißes Wasser und hängen es mit hölzernen Wäscheklammern zum Trocknen auf. Mit dem Papier müssen Sie sehr sorgfältig umgehen, denn Fettspuren der Fingerabdrücke beeinträchtigen die Beschichtung.
Gelatineschicht aufbringen
Lassen Sie 20g Gelatine in 1 Liter Wasser aufquellen. Damit Sie das Ergebnis auf der Druckplatte besser beurteilen können, färben Sie die Lösung mit spiritusechten, rötlich-braunen Farbpigmenten. Erhitzen Sie auf 100°C (kurz Aufkochen) Wenden Sie das Papier ca. 1 min in der Lösung. Sollten Luftblasen entstanden sein, können Sie diese abrakeln. Hängen Sie es zum Trocknen auf.
Härten
Härten Sie nach dem Trocknen die Schicht: Lösen Sie dazu 25ml 37%ige Formalinlösung in 1000 ml Wasser. bei Zimmertemperatur. Formaldehyddämpfe können das zentrale Nervensystem schädigen! Arbeiten Sie dabei unter einem Abzug oder bei Frischluft!
Das Papier baden Sie ca. 1 min in dieser Lösung und trocknen
Sensibilisieren
Die Gelatineschicht wird anschließend durch eine wässrige Dichromatlösung lichtempfindlich gemacht. Verwenden Sie entweder Kaliumdichromat oder Ammoniumdichromat; letzteres lässt kürzere Belichtungszeiten zu. Chromverbindungen sind hochgiftig!
Zutaten:
29 g Ammonium- oder Kaliumdichromat (beide karzinogen, giftig!
75 ml heißes Wasser
auffüllen mit kaltem Wasser auf 100 ml
Für den Gummidruck empfiehlt DuMont’s Handbuch für Grafiker einen Ansatz mit 29 g Dichromat, die in 75 ml heißem Wasser gelöst und mit kaltem Wasser auf 100 ml ergänzt werden
Weitere Rezepturen sind im Buch enthalten
Trocknen
Nach dem Sensibilisieren quetschen Sie die Bogen auf mit Schlämmkreide und Ochsengalle oder Talkum bestrichene Spiegelglasplatten und trocknen 1-2 Stunden in Trockenschränken oder zwischen in Chlorkalzium getränkten Trockenfilzen. Die Ochsengalle bewirkt ein leichteres und gleichmäßigeres Lösen des Bogens von der Scheibe. Bis zur weiteren Verwendung muss das Papier im Dunkeln und im Kühlschrank bei einer Temperatur von +6°C aufbewahrt werden. Es ist in diesem Zustand nur wenige Tage haltbar.
Augsburg, Basilika St.Ulrich. Helio-Ansichtskarte um 1900
Pigmentpapier-Alternativen
Im Buch enthalten
Belichten des Pigmentpapiers
Bei der Belichtung härtet das Licht die Gelatineschicht aus, je mehr Licht hindurchdringt, desto härter wird an dieser Stelle die Chromgelatineschicht. Das Belichtungsspektrum der Chromgelatineschicht ist blauempfindlich. Das Papier wird zweimal belichtet: Einmal ohne Bildvorlage unter dem Raster (Raster, z.B. Rotpunktraster v. Klimsch?) Die Rasterbelichtung ist meist etwas länger, damit die Rasterstege gut härten und später nicht durchätzen. Die zweites Belichtung erfolgt unter der fertig montierten Bild- und Textform aus Diapositiven. Die Belichtungszeiten schwanken je nach Lampenstärke, Lampenabstand und Chromierung zwischen 15 und 24 Minuten. Die Umrechnungsformel für Belichtungszeiten finden Sie auf Seite 93 Weil die Heliogravüre ein Diapositiv zur Belichtung benötigt, könnten Sie sie auch mit dem Diaprojektor belichten.
Vorbereitung der Kupferplatte
Alfred Horsley Hinton (1863–1908), (Public Domain) via commons.wikimedia.org
„Körnen“ Sie die Platte. Dazu versehen Sie die Kupferplatte mit einem feinen Asphaltstaubkorn – eine feinere Körnung erhalten Sie durch „Drachenblutharz“ – und schmelzen dieses wie bei der Aquatinta an. Damit wird ein sehr feines Raster erzeugt.
Übertragen der Pigmentschicht
Legen Sie die Lage fest und reißen die Platte an.
Entfetten Sie die Platte mit Schlämmkreide
Entfernen Sie die Oxidschicht mit verdünnter Salzsäure
Trocknen Sie die Platte
Feuchten Sie die Plattenoberfläche an, quetschen das Pigmentpapier mit einer Gummiwalze so auf die Kupferplatte, dass es kleben bleibt (Gelatine klebt). Sprühen Sie evtl. etwas Wasser zu.
Das Entwickeln geschieht in warmem Wasser, das Sie im Waschbecken darüber fließen lassen. Steigern Sie dabei die Temperatur langsam von 20°C bis auf 45°, sonst entstehen Blasen. Das Papier und die unbelichtete Gelatineschicht sollten sich nach einiger Zeit leicht von der Platte lösen und wegschwimmen, zurück bleibt auf der Platte ein Halbtonrelief. Die Entwicklung ist beendet, wenn die leichtesten Töne eine Abstufung zu Licht zeigen und das heiße Wasser keine Gelatine mehr aus der Schicht löst. Mit kaltem Wasser abkühlen Mit einem Fön oder durch Baden in Spiritus trocknen. Der Spiritus verdrängt Wasser und verdunstet anschließend schneller. Nicht mit Gelatine bedeckte Teile können Sie nun noch abdecken.
Ätzen
Geätzt wird nach dem Mehrbadverfahren (Rezepturen siehe Buch)
Steps involved in making a photogravure plate – Urheber: David Morrish, 2002-03 Attribution: Deafwhitecat at en.wikipedia 2010 [CC-BY-SA-3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder GFDL (https://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons
In dieser Abbildungsreihe wird das Verfahren mit Fotopolymerfolie gezeigt. Der Belichtungsprozess im Kontaktkopierverfahren ist nicht abgebildet. Genauere Informationen dazu finden Sie unter den Stichworten „Intaglio-type“, „Photo-Etching“, „Nontoxic-Printmaking“ im Netz und auf meiner ➥ Linkliste zu Heliogravüre und Intaglio.