Heliogravure: Belichten und Entwickeln

Belichten der Photogravure

Belichten Sie die beschichtete Platte mit einem Negativ.
Zum Belichten von Dichromatschichten empfiehlt ABC Leuchtstoffröhren, deren Emissionsmaximum bei einer Farbtemperatur von 420 nm liegt. Entwickeln Sie in Wasser bzw. bei der Blaulack-Kopie in Spiritus. Beim Entwickeln gelten dieselben Tipps, wie beim Fotogummidruck und der Chromeiweißkopie.

Gabriel von Max Veraikon

Gabriel von Max (1840–1915), Heliogravur (1915) [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Schicht härten Sie in einer Lösung aus 25 ml 37%-iger Formalinlösung auf 1 Liter Wasser
(= 3%-ige Formaldehydlösung).
Baden Sie die Platte 1 min darin und trocknen
Vorsicht! Formalin steht im Verdacht, Krebs erzeugend zu sein!

Retuschieren fehlerhafter Stellen

Fehlerhafte Stellen retuschieren Sie vor der Ätzung mit Abdecklack. Sonst verwenden Sie die Methoden vom Buch

Ätzen der Heliogravure

Die Ätzung erfolgt in mehreren Stufen

Anätzen

Zuerst ätzen Sie die Platte an. Dabei werden die nicht abgedeckten Flächen geringfügig vertieft.

Mittelätzung

  • a) Waschen Sie die Platte mit Waschmittel ab und entfetten sie gründlich. Dies geschieht durch Ausreiben mit Sägespänen, die das an der Platte haftende fetthaltige Waschmittel aufsaugen. oder durch Auswaschen mit fettlösender Lauge bzw. Schlämmkreide.
  • b) Färben Sie die Platte mit einer glatten Kunststoffwalze und Farbe wie einen Hochdruckstock ein. Auf diese Farbschicht stauben Sie Asphaltstaub, Kolophonium oder spezielles Ätzschichtpulver auf. Mit Pressluft wird der überflüssige Staub von den tieferen Stellen, an denen keine Farbe haftet, weggeblasen.
  • c) Erwärmen Sie die Platte sachte und wiederholen das Einstauben. Nun wird nochmals abgeblasen und die Platte so erhitzt, dass das Staubpulver schmilzt und eine säurefeste Schicht ergibt. Dieses Verfahren schützt die Lichter vor dem Wegätzen.
  • d) Die Mittelätzung wird mit einer etwas stärkeren Säure durchgeführt.

Tiefätzung

Für die Tiefätzung verfahren Sie wie bei der Mittelätzung, dh. Abwaschen – entfetten – einfärben – einstauben – einbrennen, nur dass die Farbe nun etwas stärker mit Leinöl vermischt wird.

Rundätzung

Es folgt die Rundätzung, dabei wird die Platte so eingefärbt, dass die Farbe nur den bei der Tiefätzung entstandenen Grat freilässt, der nun weggeätzt werden soll.

Zwischenätzung und Reinätzung

Es folgen noch die Zwischenätzung und Reinätzung mit strengerer Farbe, d. h. Farbe mit weniger Leinölanteil.
Am Schluss soll die Zeichnung konisch auf der Platte stehen.

Lillie Langstry by W. & D. Downey

W. & D. Downey: Lillie Langtry, Heliogravur (1891) [Public domain], via Wikimedia Commons


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Mehr Informationen zum Thema und zu den Verfahren finden Sie in meinem Buch „Neue und alte Techniken der Radierung und der Edeldruckverfahren – ISBN 978-3-98217650-5, erhältlich in der aktuellen 7.Auflage (Stand 2020) mit 232 Seiten.
Diese Website basiert auf dem Ur-Manuskript vor der ersten Auflage und somit auf dem – stellenweise gekürzten – Stand von 1997. Die erste Buchauflage erschien 2004 und wurde mehrfach stark überarbeitet, ergänzt und erweitert. Diese Website stellt nur einen – durchaus umfangreichen – „Appetithappen“ dar und ist mit dem Buch nur noch in Ansätzen vergleichbar.
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