Die Geschichte des Kupferstichs
Der Kupferstich ist eines der ältesten und technisch anspruchsvollsten Tiefdruckverfahren. Die Technik entwickelte sich um 1430 in den Werkstätten der Goldschmiede. Diese nutzten „Niello-Abdrücke“, um ihre Gravuren auf Metallobjekten zu kontrollieren, bevor sie diese mit einer schwarzen Schmelzglasmasse füllten. Auch Dürer – einer der bekanntesten Kupferstecher – erlernte die Technik bei seinem Vater, der Goldschmied war.
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Update: 31.Januar 2026
Vor der Entwicklung moderner Drucktechniken (wie der Lithografie, aus welcher der Offsetdruck entstand), war der Kupferstich das primäre Medium für die Vielfältigung grafischer Darstellungen und Landkarten. Seine Stabilität erlaubte viel höhere Auflagen als der weichere Holzschnitt. Aufgrund der exakten Linienführung war der Kupferstich auch ideal für Land- und Seekarten, ebenso für wissenschaftliche Darstellungen in der Anatomie und Botanik. Hier ermöglichte er eine Detailtiefe, die für die Forschung unerlässlich war. Durch die Schwierigkeit, die feinen, schwellenden Linien exakt nachzuahmen, wurde (und wird teilweise noch heute im Stahlstich-Verfahren) der Kupferstich für den Druck von Banknoten und Briefmarken eingesetzt.
Einer der bekanntesten Kupferstecher des Mittelalters war Matthäus Merian durch seine Stadtansichten. Hier die Darstellung meiner Heimatstadt Isny im Allgäu, die 1631 fast komplett ausbrannte. Diese Darstellung stellte eine „erschröckliche Zeitung“ dar, die Merian unters Volk brachte und verkaufte.
Durch einen Klick ins Bild können Sie die Darstellung vergrößern. Funfact am Rande: Merian produzierte Stadtdarstellungen „am Fließband“. Dazu beschäftigte er vermutlich zahlreiche Stecher in seiner Werkstatt. Manchmal litt darunter auch die Korrektheit der Darstellung – wie hier in der Legende: Die Stadtkirche ist darin in Punkt „I“ als „S.Elisabetha“ bezeichnet. Dies war jedoch der Name des Spitals. Die „Leutekirche = Stadtkirche“ hieß schon immer „St.Nikolai“
Die Technik des Kupferstiches
Im Gegensatz zum Holzschnitt (Hochdruck), bei dem die erhabenen Stellen die Farbe übertragen, basiert der Kupferstich auf dem Tiefdruckprinzip. Das bedeutet: Das Bildmotiv überträgt sich aus den Vertiefungen der Druckplatte. Als Ausgangsmaterial dient dazu in der Regel eine etwa 1 bis 3 mm dicke Kupferplatte. Kupfer ist für den Stich besonders geeignet, da es sich gut gravieren lässt und dennoch eine hohe Härte aufweist. Die Kupferplatte muss zuvor plan geschliffen und auf Hochglanz poliert sein, da jeder feinste Kratzer im Druck als dunkle Linie erscheint.
Der Grabstichel (Burin) ist das Standardwerkzeug für den Kupferstich. Er besteht aus gehärteten Stahl mit quadratischem oder rhombenförmigem Querschnitt, der schräg und spitz zulaufend angeschliffen wird.
Gravurtechniken beim Kupferstich – Werkzeugführung und Tipps
Beim Gravieren eines Kupferstiches ziehen Sie den Stichel nicht wie die Nadel bei der Kaltnadelradierung, sondern schieben diesen mit dem Handballen flach vom Körper weg über die Druckplatte. Dabei hebt sich der Span aus dem Metall. Unter dem Stichel können Sie einen Holzspan als Auflage mitführen, damit der Schneidwinkel gleichmäßig bleibt. Die Platte liegt dabei auf einem Lederkissen (oder Holzknopf). Beim Gravieren drehen Sie mit der anderen Hand die Platte, während die stechende Hand ruhig bleibt und ebenfalls auf einem Lederkissen ruht. Weil dabei das schwerere Gewicht bewegt wird, wird die Linienführung exakter.
Falls Sie kein Lederkissen zur Hand haben, gibt es einen Trick: Kleben Sie eine Münze auf die Rückseite der Platte, auf der Sie die Platte drehen können. Es ist auch möglich, schräg am Tisch zu sitzen und an der Tischkante zu arbeiten. Den Gravurstichel halten Sie zwischen Mittelfinger und Daumen, der Zeigefinger ruht leicht auf der Spitze, darf jedoch keinen Druck ausüben.
Merkmale der Drucklinien
Die Drucklinien sind während der Arbeit kaum zu sehen, Sie müssen mit dem Tastsinn arbeiten. Ein Blendrahmen am Fenster, der für diffuses Licht sorgt, dient als Hilfsmittel, damit die plan polierte Platte nicht zu sehr spiegelt.
Ein charakteristisches Merkmal des Kupferstichs ist das An- und Abschwellen der Drucklinie. Je tiefer der Graveur den Stichel in das Metall drückt, desto breiter und tiefer wird die Furche und kann dadurch mehr Farbe aufnehmen. Im Druckbild resultiert dies in einer Linie, die spitz beginnt, in der Mitte kräftiger wird und wieder spitz ausläuft. Dies unterscheidet den Kupferstich optisch deutlich von der Radierung, bei der die Linienenden meist stumpf sind.
Tipps von Hayter
Dem Kupferstich-Anfänger empfiehlt Hayter, zuerst mit Fingerübungen zur Parallelschraffur und Kurvenführung zu beginnen, denn das Stechen erfordere doch einiges an Übung, vor allem, wenn man Dicke, Tiefe und Charakter der Linien beeinflussen möchte. Hayter bezeichnet den Kupferstich als die wohl einfachste Methode des Tiefdrucks.
Im Gegensatz zur Radierung können von einer gestochenen Platte so viele Probeabzüge als nötig gefertigt werden, da eine gut gestochene Platte bis zu 800 Abzüge zulässt.
Zink sei ziemlich ungeeignet und zu weich für Kupferstich, nutze trotzdem das Werkzeug stärker ab als Kupfer, bemerkt Hayter. Die Werkzeugabnutzung lasse sich durch leichtes Einölen der Platte („damp of kerosene“) oder durch Pudern mit Magnesia verringern.
Schärfen des Gravur-Stichels
Der Stichel wird zum Schärfen auf einem Ölstein „abgezogen“ – dh. von der Spitze weg geschliffen – wie in dieser Abbildung dargestellt:

Drucken beim Kupferstich
Für den Druck wird die gesamte Platte mit zäher Druckfarbe bestrichen, danach mit einem Ballen aus Leinen oder mit der Handkante die überschüssige Farbe von der glatten Oberfläche entfernt („blank gewischt“). Die Farbe bleibt nur noch in den vertieften Linien zurück. Für den Druck wird die Platte erwärmt, um die Farbe geschmeidiger zu machen und diese zusammen mit angefeuchtetem Büttenpapier durch eine Walzenpresse gezogen. Der enorme Druck presst das Papier in die feinsten Vertiefungen der Platte, wodurch die Farbe auf das Papier „herausgezogen“ wird.
Synonyme für den Kupferstich
- engraving (engl.), Copperplate print, Line engraving, Burin work, engraving, Copper engraving, Chalcography, burin engraving (engl.)
- Gravure au burin, burin, Gravure au trait, Gravure sur cuivre, Chalcographie, Gravure en taille-douce taille-douce(frnz.)
- Calcografia, Incisione, Incisione in rame, Incisione ad incavo sul rame, Incisione al bulino, Bulino, Incisione al tratto (ital.)
- Chalkografie, Gravure, Kopergravure, Lijngravure (holl.)
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