Überarbeiten der Drucke / Druckabzüge

In der Geschichte der Druckgrafik war der Druckvorgang selten das Ende des kreativen Prozesses. Künstler haben schon früh nach Wegen gesucht, die „starre“ Reproduzierbarkeit der Radierung zu durchbrechen, um Unikate zu schaffen oder die Drucke aufzuwerten. Im Folgenden sind die wichtigsten historischen Techniken zur nachträglichen Veränderung/ Überarbeitung von Radierungen gelistet.

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Update: 2.Februar 2026

Kolorieren mit Gold und Silber

Hier finden Sie Beschreibungen verschiedener Möglichkeiten, wie man Radierungen veredeln und überarbeiten kann – zum Beispiel  durch Aufkleben von Gold-, Silber oder Alufolie oder Blattsilber und Blattgold. Ein edler Effekt entsteht auch, wenn Sie den Druck der Radierung stellenweise mit Gold- oder Silberstift nachkolorieren. Dies kann durch Schablonen hindurch erfolgen.
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Kaschieren (Chine-collé)

Das Chine-collé ist die edelste Form des Kaschierens während des Druckvorgangs. Dabei wird ein sehr dünnes, meist fernöstliches Papier (China- oder Japanpapier) auf das Format der Druckplatte zugeschnitten.
Die Rückseite des dünnen Papiers wird mit Kleister bestrichen und auf die eingefärbte Platte gelegt. Darauf kommt das stabilere Trägerpapier. Beim Drucken werden beide Papiere durch den Walzendruck fest miteinander verbunden. Das Resultat ist eine Radierung auf einem feineren Untergrund, der oft eine leicht andere Tönung (z. B. gelblich oder gräulich) gegenüber dem Büttenpapier aufweist, das sich als „Umrahmung“ um das Motiv herum befindethat, was dem Bild mehr Tiefe und Brillanz verleiht.

Partielle Collage

Das Aufkleben von Elementen auf den fertigen Druck, um haptische Effekte zu erzielen, wurde verstärkt in der zeitgenössischen Grafik des 20. Jahrhunderts verwendet.

Überdrucken

Das Überdrucken wurde genutzt, um Farbigkeit oder komplexe Texturen zu erzeugen, die eine einzelne Platte nicht leisten konnte. Ein leichter Überdruck mit einer ungestalteten, lediglich leicht eingefärbten Platte erzeugt einen sanften „Plattenton“, der die weißen Papierstellen dämpft und für Atmosphäre sorgt. Möglich ist auch eine „Unterlage“ oder ein Überdrucken mit einer Platte, die vollflächig mit Aquatinta strukturiert und eingefärbt wurde.

Übersprühen mit Schablonen

Auch mit einer Schablone können Sie den Druck  – auflagengerecht – durch partielles Übersprühen mit Sprühbronze / -silber / -gold oder verdünnter Acrylfarbe überarbeiten. Hierbei verlasen Sie jedoch den Bereich der „klassischen Druckgrafik“ und kommen zu „Mixed Media“.
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Höhen und Vertiefen des Papieres

Mit einer tiefgeätzten oder ausgefrästen  Reliefdruckplatte kann das dicke Büttenpapier haptische Oberflächenstrukturen erhalten. Dafür können auch kleinere Metallstücke mit Aquatinta präpariert und nach dem Druck auf das Druckergebnis zum „Prägedruck“ nochmals durch die Presse gezwungen werden. Wichtig dabei ist, dass die Druckfarbe vom vorherigen Druckvorgang abgetrocknet ist – sonst färbt sie ab und verliert ihre Farbkraft. Im schlimmsten Fall würde der Druck fleckig.
Nach dem Druck kann auch die Originaldruckplatte durch Herausfräsen von Partien, die dem Druckbild folgen als Reliefdruckplatte verwendet werden. Mit dieser nicht eingefärbten „Reliefdruckplatte“ erhält der Druck eine reliefartige Oberfläche.

Fotografische, lichtempfindliche Methoden

Auf der Website (und mehr im Buch) habe ich auch lichtempfindliche Beschichtungen beschrieben und erläutert. So stellt z.B. die Technik der Cyanotypie eine einfache und wirkungsvolle Methode dar, Radierungen mit Licht über die Auflage hinweg konstant zu „bedrucken“. Mehr Hinweise dazu finden Sie im Kapitel
Cyanotypie

Nachträgliche Überarbeitung (Retusche & Übermalung)

Nachdem das Papier aus der Presse kam, griffen Künstler oft zu Stift oder Pinsel, um den Druck zu individualisieren oder zu verstärken.
Das nachträgliche Ausmalen mit Wasserfarben oder Gouache war besonders bei Landkarten und botanischen Drucken üblich, wurde aber auch von Künstlern wie **Rembrandt** genutzt, um Lichteffekte zu betonen.
In der Moderne (z. B. bei Künstlern des Expressionismus) wurde der Druck oft nur als Skelett genutzt, das massiv mit Öl- oder Acrylfarben überarbeitet wurde, bis der ursprüngliche Charakter der Radierung fast verschwand.


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