9. Edeldruckverfahren / Fotografie
Den Oberbegriff Edeldruck / Edeldruckverfahren verwendet man vorwiegend in der künstlerischen Fotografie und Druckgrafik. Der Begriff umfasst alle manuell ausgeführten fotochemischen Verfahren zur Herstellung des Druckstockes und zur Vervielfältigung. Trägermaterial der lichtempfindlichen Fotoemulsion können zum Beispiel Papier, Glas, Zelluloid, Leinwand, Holz und vieles mehr sein. Techniken zur Herstellung lichtempfindlicher Emulsionen aus dem 19.Jahrhundert waren zunächst die Asphaltkopie, dann wurden Cyanotypie, Gummidruck, Platindruck, Bromoil, Kallitypie, Daguerrotypie und viele weitere fotoreaktive Substanzen und Methoden entdeckt.
Update: 26.Januar 2026
🛠️ Edeldruck: Grundprinzip
Worauf beruht das Grundprinzip aller Edeldruckverfahren? Im 19.Jhd. wurden lichtempfindliche Schichten auf Trägermaterial wie Papier, Glas oder Metall aufgebracht, die nach einer Belichtung ihre Farbe verändern. Dies war der Beginn der Fotografie.
🛠️ Cliché-Verre / Negativ
Das Cliché-Verre ist eine „Radierung“ auf einer geschwärzten Glasplatte, die als Negativ für die Belichtung dient. Künstler wie Corot, Millet, Delacroix sowie Picasso und Man Ray experimentierten damit.
🛠️ Digital-Negative
Heute verwenden wir digitale erzeugte Negative, die auf transparente Medien gedruckt als Kopiervorlage für die Edeldruckverfahren dienen.
🛠️ Raster
Raster sind Methoden zum Erzeugen von Tonwertabstufungen durch fein abgestufte Punktstrukturen. Hier sind Rasterwinkelungen und technische Raster für die Drucktechnik beschrieben.
🛠️ Edeldrucke belichten
Welche Belichtungstechniken und -möglichkeiten gibt es für Edeldruckverfahren und die Cyanotypie?
🛠️ Chromgelatine-Verfahren
Wie werden lichtempfindliche Chromverbindungen in Gelatineschichten genutzt, um feine Bildstrukturen zu ermöglichen? Diese sind eng verwandt mit der Heliogravüre.
🛠️ Die Chromeiweißkopie
Dieses Verfahren nutzt Chromverbindungen zur Herstellung von Abbildungen mit spezifischen Tonwerten. Es zählt zu den älteren Edeldrucktechniken.
🛠️ Der Gummidruck
Der Gummidruck arbeitet mit Pigmenten in Gelatineschichten. Nach (mehrfachem) Belichten und Auswaschen entstehen sogar farbige Abzüge.
🛠️ Der Pigmentdruck
Beim Pigmentdruck – wie dem Kohle- oder Platin-Druck entstehen stabile, hochästhetische Drucke mit langer Lebensdauer.
🛠️ Der Lichtdruck
Das Lichtdruckverfahren, entwickelt um 1850 von Poitevin, arbeitet mit Gelatine- oder Chrombeschichtungen auf Metall- oder Glasplatten. Damit wurden hochwertige Kunstdrucke und Ansichtskarten hergestellt.
🛠️ Die Anthotypie
Die Anthotypie nutzt lichtempfindliche Farbstoffe aus Pflanzenextrakten und dem Ausbleichen an belichteten Stellen durch UV-Licht.
🛠️ Die Hillotypie
Hillotypien gehören zu den frühen Gelatine- oder Chromverfahren, die unter dem Einfluss von Heliochrome-Effekten Farbabbildungen erzeugen.
Die Kapitelübersicht
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➥Herstellung von Edeldrucken
Das Grundprinzip aller Edeldruckverfahren beruht darauf, dass lichtempfindliche Schichten auf Trägermaterial wie Papier, Glas oder Metall aufgebracht werden, die nach einer Belichtung chemisch oder physikalisch reagieren. Je nach Verfahren entstehen dabei positive oder negative Bilder mit teilweise außergewöhnlichen Tonwerten und Farbtönen, etwa in Cyanotypie oder Platin/Palladiumdruck. Manche Verfahren arbeiten mit hoch giftigen Chemikalien, andere – wie die Cyanotypie – sind verblüffend einfach in der Anwendung und können auch mit Schülern praktiziert werden.
Technische Vorbereitungen & Werkzeuge
➥Filmherstellung / Cliché-Verre
Beim Cliché-Verre dient eine kunstvoll bearbeitete Glasplatte als Negativ für die Belichtung: In eine lichtundurchlässige Schicht wird gezeichnet oder geritzt, wodurch Licht durchscheint und Linien auf lichtempfindliches Papier übertragen werden. Künstler wie Corot, Millet, Delacroix sowie später Picasso und Man Ray experimentierten damit .
➥Digital hergestellte Negative
Digitale Negative werden mittels Inkjet oder ähnlicher Techniken auf transparente Medien gedruckt und stellen die Vorlage für traditionelle Edeldruckverfahren dar. Sie ermöglichen eine präzisere Kontrolle von Tonwerten und Passgenauigkeit beim späteren Belichtungsprozess.
➥Raster
Bei Rastertechniken wie Kornrasterung oder Autotypie handelt es sich um Methoden zur Erzeugung von Tonwertabstufungen durch fein abgestufte Punktstrukturen. Sie ermöglichen die feine Abstufung zwischen Hell und Dunkel und schaffen detailreiche Druckergebnisse mit Halbtönen..
Die Verfahren
➥Edeldrucke belichten
Hier sind (nicht nur) Belichtungstechniken und -möglichkeiten für Cyanotypien, sondern auch für andere Edeldruckverfahren beschrieben. Die Cyanotypie erfreut sich heute vor allem in der Kunst großer Popularität .
➥Chromgelatine-Verfahren
Chromgelatine-Verfahren nutzen lichtempfindliche Chromverbindungen in Gelatineschichten, die bei Belichtung unterschiedlich reagieren und feine Bildstrukturen ermöglichen. Sie sind eng verwandt mit historischen Verfahren wie der Heliogravüre.
➥Chromeiweißkopien
Dieses Verfahren verwendet Chromverbindungen (z. B. Chromoxid oder Chromacetat) zur Herstellung künstlerisch wertvoller Druckbilder mit spezifischen Tonwerten. Sie zählt zu den älteren Edeldrucktechniken. Bei Chromgelatine-Druckverfahren sorgen Metallhalogenide für sichtbar hochwertige Bildwiedergabe.
➥Gummidruck
Der Gummidruck arbeitet mit Gelatineschichten, die Pigmente einschließen und bei Belichtung sowie Verarbeitung variable und künstlerische Strukturen zeigen. Nach Belichten und Auswaschen entsteht eine variable Bildstruktur, die künstlerisch ungewöhnliche Akzente ermöglicht. Die Ergebnisse reichen von gewebt wirkenden Flächen bis zu zarten Linienbildern.
➥Pigmentdruck
Beim Pigmentdruck (auch Pigmenttiefdruck) werden Lichtempfindlichkeit mit Pigmenten kombiniert – z. B. beim Kohle- oder Platin-Druck. Das Verfahren wurde von Poitevin 1855 eingeführt. Es entstehen stabile, hochästhetische Drucke mit langer Lebensdauer.
➥Lichtdruck
Das Lichtdruckverfahren, entwickelt um 1850 von Poitevin, arbeitet mit Gelatine- oder Chrombeschichtungen auf Metall- oder Glasplatten, um fotografische Drucke zu produzieren. Sie wurden verwendet, um hochwertige Kunstdrucke und Ansichtskarten zu reproduzieren.
➥Anthotypie
Die Anthotypie nutzt lichtempfindliche Farbstoffe aus Pflanzenextrakten. Bildstrukturen entstehen durch selektives Ausbleichen an belichteten Stellen durch UV-Licht – ein früher und experimenteller Ansatz in der fotografischen Reproduktion.
➥Hillotypie
Hillotypien gehören zu den frühen Gelatine- oder Chromverfahren, die unter dem Einfluss von Heliochrome-Effekten Farbabbildungen erzeugen. Detaillierte Beschreibungen fehlen, aber sie stehen im Kontext historischer Edeldrucktechniken.
Literatur und Links
➥Definition und Geschichte
Edeldruckverfahren zeichnen sich durch künstlerische Individualität aus und dienen weniger der industriellen Nutzung . Heute werden sie von Künstlerfotografen bewusst eingesetzt und von industriellen Verfahren abgegrenzt. In diesem Kapitel gibt es einen Überblick zur Historie.
➥Pioniere der Fotografie
Zu den „Pionieren“ zählen Niépce, Daguerre, Talbot und Herschel – sie erprobten Verfahren wie Heliografie, Kalotypie, Cyanotypie und bildeten die Basis für das heutige Spektrum der Edeldruckverfahren.
➥Synonyme der Edeldruckverfahren
Viele Verfahren besitzen alternative Bezeichnungen – etwa Photogravure = Heliogravüre, Autotypie = Strichraster, Pigmentdruck = Kohledruck, Asphaltverfahren = Niépce-Technik usw. Diese variieren nach Region und Literaturkontext.
➥Bildbeispiele zu Edeldruckverfahren/ Links
Die Kapitel mit Linktipps zu Bildbeispielen bietet visuelle Einblicke zu Edeldruckverfahren. Abbildungen von Cyanotypie, Heliogravüre oder anderen Techniken sind mit weiterführenden Links zu Beispielen verknüpft:
➥Literatur zur Radierung
In dieser Linksammlung sind Verweise zu Onlinequellen mit Anleitungen zu Heliogravure & Intaglio aufgelistet
➥Fachliteratur über Edeldruckverfahren
In dieser Linksammlung sind Verweise zu Onlinequellen mit Anleitungen zu verschiedenen Techniken der Edeldruckverfahren gesammelt.
➥Literatur zur Cyanotypie
In dieser Linksammlung sind Verweise zu Onlinequellen mit Anleitungen zur Technik der Cyanotypie gesammelt.
➥Wikipedia-Edeldruckverfahren
Die externen Verweise führen zu Wikipedia-Artikeln, die das breite Spektrum der manuell ausgeübten Edeldruckverfahren kompakt beschreiben – inklusive Asphalt- oder Metallverfahren, – von historischen Ursprüngen bis hin zu chemischen Grundlagen und künstlerischer und experimentellen Anwendungen.
➥Wikipedia-Übersicht
Den Hauptartikel zu den Edeldruckverfahren hatte ich vor einigen Jahren für die Wikipedia verfasst, um den einzelnen, verstreuten Kapiteln der Wikipedia ein zusammenfassendes „Dach“ zu geben. Die verschiedenen Verfahren hatte ich dazu nach den verwendeten Chemikalien und Grundprinzipien gegliedert. In diesem Kapitel habe ich diesen Wikipedia-Artikel für meine Webseite angepasst.

Website, Buch & Wikipedia
Wie kamen die „Edeldruckverfahren“ ins „Radiererbuch“?
Diese historischen fotographischen “Edeldruckverfahren” des 19. Jahrhunderts und deren chemischen Grundlagen fanden während meiner Ausbildung zum Reprophotographen ihren Weg in meine Rezeptsammlung – die anfangs als Lose-Blatt-Sammlung existierte und in den 90er-Jahren des letzten Jahrrhunderts mit dem Computer eine geordnete Struktur erhielt. Nach und nach entwickelte sich daraus ein Buch, dessen Urversion (mit verschiedenen Ergänzungen und Anmerkungen) die Grundlage dieser Website bilden. Die Website enthält jedoch bei Weitem nicht den Umfang an Informationen, die im Verlauf von mehr als 40 Jahren durch Experimente, Literatur- und Internetrecherche den Weg ins Buch fanden.
Wie kamen die „Edeldruckverfahren“ in die Wikipedia`?
Die Artikel der Wikipedia zum Themengebiet der „Edeldruckverfahren“ sind ➥ auf dieser Teilseite aufgelistet. Den Hauptartikel mit der Zusammenfassung und Gegenüberstellung nach der verwendeten Chemikalien der verschiedenen Edeldruckverfahren hatte ich für die Wikipedia verfasst – siehe ➥https://de.wikipedia.org/wiki/Edeldruckverfahren. Auch zahlreiche Unterkapitel zum Themengebiet sind von mir initiiert und (mit-)verfasst, bzw. von aus Auszügen meiner Website in die Wikipedia kopiert.
➥Cyanotypie-Übersicht
Die Cyanotypie, ein Eisenblaudruckverfahren aus dem Jahr 1842 von John Herschel, erzeugt stabile, blaue Bilder und wurde im 19.Jahrhundert besonders durch Arbeiten von Anna Atkins. Als „Blaupause“ der Architekten und Techniker wurdew die Cyanotypie zur technischen Planvervielfältigung verwendet. Über die Jahre habe ich mich intensiver mit den faszinierenden Möglichkeiten Cyanotypie befasst, wodurch mehrere Teilkapitel entstanden.
Daher sind Textpassagen meiner Website zu den Gebieten der Radierung und Edeldruckverfahren den Einträgen der Wikipedia ähnlich. Hier war der Hahn vor dem Ei tätig – wie auf ➥ https://archive.org leicht überprüft werden kann. Das erste Abbild meiner Website im Webarchiv stammt vom 11.Februar 2005 – lang bevor die ersten Artikel zum Themengebiet in der Wikipedia erschienen. ;-)
Anmerkung: Das Wort “Photographie” / Fotografie bildet sich aus den griechischen Begriffen “photos”= Licht und “graphein” = zeichnen. Dieses Wort wurde – wie alle Begriffe mit dieser Lautverbindung, die aus griechischen Worten abgeleitet sind – (vor Einführung der Rechtschreibreform in Deutschland) mit “ph”.
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