Techniken mit Chromgelatine

Chemische Vorbemerkung

Das von Poitevin entwickelte Chromatverfahren / Chromgelatineverfahren beruht darauf, dass Papier, mattierte Spiegelglasscheiben oder dergleichen mit einer durch Kaliumdichromat lichtempfindlich gemachten Leim-, Gelatine- oder Eiweißschicht überzogen und unter einem photographischen Negativ belichtet werden. Belichtete und unbelichtete Stellen verändern sich derart, dass erstere Druckfarbe annehmen und letztere diese abstoßen. Auf diesem Prinzip beruhen Bromöldruck und Lichtdruck. Außerdem härten Kolloide, die mit Chromsalzen versehen werden, beim Belichten aus und werden gegen Säure widerstandsfähig. Wird die Schicht mit Farbstoffen wie Kohle versetzt, entstehen beim Auswaschen Halbtonbilder.

Julia Margaret Cameron: Call, I Follow, I Follow, Let Me Die
Julia Margaret Cameron (1815–1879):Call, I Follow, I Follow, Let Me Die, 1867, Kohlepigmentdruck, PD via commons.Wikimedia.org

Kolloide sind Stoffe, die in Gel- oder Solzustand vorhanden sind und Riesenmoleküle bilden: Eiweiß, tierische oder pflanzliche Leime, z.B. Fischleim, Schellack (Blaulack-Kopie), Polyvinylalkohol (Rotlack- und Kunststoffkopie) und Zelluloid. Das lichtempfindliche Salz ist meist Ammonium- oder Kaliumdichromat. Auch durch zitronensaures Eisen taucht in Rezepturen auf. Ammoniumdichromatschichten haben kürzere Belichtungszeiten.

Die Lichtempfindlichkeit im Chromgelatineverfahren können Sie durch Zusatz von Cerchlorid, Kupferchlorid, Eosinsilber, Halogensilber oder Quecksilberdampf steigern.

Vorsicht! Quecksilberdämpfe sind hochgiftig!
Ammonium- und Kaliumdichromat sind Krebs erzeugend! Stäube niemals einatmen, Hautkontakt vermeiden.

Kolloide haben bei 60% relativer Luftfeuchtigkeit dir höchste Empfindlichkeit. Für die Messung der Luftfeuchtigkeit benutzen Sie am besten ein Hygrometer.

Das Chromgelatineverfahren

Für das Chromgelatineverfahren bestreichen Sie die Platte mit Gelatine-Dichromat-Mischung, das wegen seiner Lichtempfindlichkeit im Dunkeln trocknen muss. Durch das Belichten erfolgt eine Härtung der Gelatineschicht an den Stellen, die dem Licht ausgesetzt waren, d. h. die Chromgelatine bindet bei Belichtung wasserunlöslich ab. Durch Entwickeln und Auswaschen mit warmem Wasser werden die unbelichteten Stellen ausgewaschen und zur Ätzung frei. Beim Ätzen löst sich nach und nach die Gelatine weiter ab, so dass die am stärksten belichteten Stellen am stärksten geätzt werden. Die Ablösegeschwindigkeit kann durch Härten der Schicht vermindert bzw. verhindert werden.

Herstellung der Schicht

Beschichtung:

Lösung 1:

  • 100 g Gelatine
  • 500 ml dest. Wasser
  • 10 g Türkisch-Rotöl

Lösung 2:

  • 150 ml dest. Wasser
  • 20 g Kaolin

Lösung 3:

  • 200 ml dest. Wasser
  • 15 g Ammoniumdichromat
  • 15 g Kaliumdichromat

Entwicklerlösung:

  • übermangansaures Kali
  • Schwefelsäure

Härterlösung:

  • Alaunfixierbad mit Chromalaun
    oder Brenzkatechin und Hydrochinon

oder

Ansatz:
Weichen Sie 100 g Gelatine in 500 cm3 destilliertem Wasser ein lösen sie zusammen mit 10 g Türkisch-Rotöl im Wasserbad (nicht über 60° C) auf.
Schwemmen Sie 20 g Kaolin in 150 cm3 destilliertem Wasser auf und geben das Ganze zur Gelatinelösung hinzu.
Lösen Sie vorsichtig 15 g Ammoniumdichromat und 15 g Kaliumdichromat in 200 cm3 destilliertem Wasser und geben es zum vorherigen Gemisch.

Hinweise:
Reinigen Sie die Platte mit Schwefelsäure und tragen diese Chromgelatine noch warm im Halbdunkeln auf die Platte auf. Am gleichmäßigsten gelingt dies, wenn die Platte auf einem Teller rotiert. Sie gießen die Gelatine auf und verteilen sie gleichmäßig durch Schleudern. Beim Pinselauftrag muss der Aufstrich der Chromgelatine einfach und dünn sein. Da die Gelatine sofort zu gelieren beginnt, dürfen Sie nicht mehrfach über dieselbe Stelle streichen.
Die Schicht soll im Dunkeln etwa 24 Std. trocknen. Ein Koffer, einen Spaltbreit zur Luftzufuhr geöffnet und mit einem Tuch abgedeckt, eignet sich als Behelfsdunkelkammer.

Belichtung:

Ein Baustrahler mit 500 Watt ergibt wenige Minuten Belichtungszeit. Je höher der UV-Anteil der Lampe ist, umso kürzer ist die Belichtungszeit. Die Belichtung von Dichromatschichten im Chromgelatineverfahren erfolgt am besten mit speziellen Leuchtstoffröhren, die ein Emmissionsmaximum von 420 nm haben.

Auslösen der Chromgelatine:

Standardmethode:
Reiben Sie mit einem Schwamm und beinahe kochendem Wasser die nicht abgebundene (nicht ausgehärtete) Chromgelatine ab.

Schnellverfahren:
Lassen Sie übermangansaures Kali 5 min lang auf die Platte einwirken und übergießen die Platte dann mit technisch reiner Schwefelsäure, die Sie zur Hälfte mit Wasser verdünnt haben. Die Gelatine wird abgeschwemmt.

Härten der Gelatine

Sie gerben die Gelatine im Härtefixierbad. Es kann aus verschiedenen Mitteln bestehen:

  • Saures Alaunfixierbad härtet die Gelatine durch Zusatz von Chromalaun
  • Brenzkatechin und Hydrochinon haben bei einem Ansatz ohne Sulfit ebenfalls eine gerbende (härtende) Wirkung auf Gelatine.
  • 25 ml 37%-ige Formalinlösung in 1000ml H2O
    (Gift! Frischluft!)= 3%-ige Formalinlösung
  • 2%-ige Ammoniumdichromat-Lösung.

Weitere Verfahren und Techniken im Buch.
Dort sind die Chemikalien auch mit Formeln, Synonymen, Handelsbezeichnungen, sowie Gefahrstoffkennzeichnung aufgelistet.


Anmerkungen:
Diese Onlineversion basiert auf dem ersten Buchmanuskript von 1997. Die Website ist mit dem Buch nur noch in Ansätzen vergleichbar, enthält nur einen Teil der Informationen vom Buch und kann auch nicht korrigierte Fehler enthalten. Während die einzelnen Seiten dieses Webauftritts oft nur wenige, kurze Absätze enthalten, ist das Buch aktuell zweispaltig und mit minimalem Rand auf 232 DIN-A4-Seiten bedruckt, weil die zahlreichen Informationen nur noch so zwischen zwei Buchdeckel passen. Das Buch enthält nur wenige Illustrationen, dafür umso mehr „Input“. Als ergänzender ‚Bildspeicher‘ dient dieser Onlineauftritt. Nun ist das Buch in der mehrfach korrigierten und erweiterten 7.Auflage aus dem Jahr 2020 erhältlich.

Sicherheitshinweis:
Informieren Sie sich vor der Anwendung der Rezepturen unbedingt auch aus anderen Quellen! Beachten Sie das Kapitel ➥ Vorsicht Chemie!
Die Rezepturen sind der (historischen) Fachliteratur entnommen und wurden erst teilweise selbst getestet. Die Rezepturen können (Übertragungs-)Fehler enthalten.
Quellenangaben zur Herkunft der Rezepturen sind im Buch enthalten. Ich empfehle dringend, sich nicht allein auf die Angaben zu verlassen, die auf dieser Internetseite angezeigt werden, sondern sich vor Anwendung der Rezepturen stets die Etiketten, Warnhinweise und Anleitungen durchzulesen, die mit den Chemikalien geliefert werden und fachkundigen Rat einzuholen. Chemikalien (und auch Naturstoffe) können karzinogen, erbgutschädigend und gesundheitsschädlich sein. Verwenden Sie Schutzmaßnahmen.

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