Definition + Geschichte der Edeldruckverfahren

Vorbemerkung

Mit der Bezeichnung „Edeldruck“ werden Vervielfältigungsverfahren mit lichtempfindlichen Chemikalien bezeichnet, die vor allem von den Künstlerfotografen verwendet wurden (und werden). Es gibt Künstler, die fotografische Techniken und Methoden als unkünstlerisch ablehnen. Aus dem Raum und der Ausführlichkeit, den das folgende Kapitel einnimmt, kann meine Position hierzu leicht abgelesen werden. Seit Man Ray und Maholy-Nagy sind poetische Aussagen mit fotografischen Techniken Fakt.

Fotografische Techniken erweitern den künstlerischen Spielraum durch Solarisation, Fotogramme, Glasgravur, Stroboskopbelichtungen von Bewegungsabläufen, Positiv-Negativ-Kombinationen, Collagen, Verzerrungen usw. Unter Radierern ist es vielfach üblich, „das Bild auf photographischem Weg auf die Platte zu übertragen, besonders zur Vorbereitung eines Farbdruckes von mehreren Platten.“

Eine Warnung vorneweg: Chromsalze sind sehr giftig.
Kaliumdichromat erzeugt Lungenkrebs und führt zu Ätzungen in den Atemwegen, Ammoniumdichromat ist giftig und Krebs erzeugend
Eine Chromatvergiftung kann durch Einnahme oder Einatmen von Kaliumdichromat hervorgerufen werden.
Im akuten Fall muss sofort eine Magenspülung durchgeführt werden. Handschuhe und staubfreies Arbeiten sind unbedingt angeraten!! Zum Zermahlen der Kristalle phlegmatisieren Sie das Chromat mit Wasser.

Historische Techniken

Im Prinzip funktionieren die Beschichtungsverfahren im modernen Tief- Flach- und Offsetdruck wie die historischen Techniken. Zunächst eine Übersicht. Die einzelnen Verfahrensschritte sind auf den nachfolgenden Seiten beschrieben.

Heliographie

(Helios= die Sonne, graphein= zeichnen, mit Licht zeichnen)
Im Prinzip gehen alle fotografischen Techniken auf das Experiment von Nicephore Niepce (1813) zurück: Er löste Asphalt in Lavendelöl und bestrich damit eine Metallplatte. Nach stundenlanger Belichtung in der Camera Obscura blieben die belichteten Stellen bei der Entwicklung mit ätherischen ölen unlöslich als Rest zurück. Es entstand ein Negativ.

Niepce table
Joseph Nicéphore Niépce, Das zweite uns bekannte Lichtbild von Niepce aus dem Jahr 1822. PD via Wikimedia.commons.org

  • Heliogravüre ist eine weiterentwickelte Technik, die auf Chromatgelatine basiert. Erfinder der Heliogravur ist der Maler Karl Klietsch.
  • Pigment- oder Kohledruck, erfunden 1855 von A.L.Poitevin. Er arbeitete auf einer mit Kohle oder Farbpigmenten versetzten Kolloidschicht. Poitevin erfand auch das Chromatverfahren.

Call, I Follow, I Follow, Let Me Die, by Julia Margaret Cameron
Julia Margaret Cameron (1815–1879):Call, I Follow, I Follow, Let Me Die, 1867, Kohlepigmentdruck, PD via commons.Wikimedia.org

  • Gummidruck – von demselben um 1858 erfunden. Es ist ein ein- oder mehrfacher
  • Öldruck, entwickelt von E.Mariot 1866. Er basiert auf einer oberflächlich mit Fettfarbe behandelten Kolloidschicht
  • Ölumdruck, von W.De W. Abney, 1873
  • Autotypie, Strichcliché, 1882 von Georg Meisenbach erfunden.
  • Bromöldruck, von W.Piper 1907. Das photografische Bromsilberbild wurde
  • Bromölumdruck von C.H.Hewitt, 1909
  • Carbrodruck von H.F.Farmer, 1919, ein Pigmentverfahren, das u.a. zur Herstellung farbiger Bilder verwendet wurde
  • Lichtdruck. Er wurde 1850 von Poitevin entwickelt und wird noch heute für hochwertigste Wiedergabe von Gemälden, Kunstblättern und Postkarten verwendet. Poitivin druckte zuerst mit einer gelatinebeschichteten Metallplatte. Der Durchbruch gelang, als die Metallplatte durch eine Glasplatte ersetzt wurde.
  • Offsetdruck
  • Rakeltiefdruck Heute gebräuchlichstes industrielles Tiefdruckverfahren

Weitere Kapitel zu Edeldruckverfahren




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