Herstellungsablauf für Edeldrucke

Diese Seite erläutert das grundlegende Funktionsprinzip historischer Edeldruckverfahren, die auf der Lichtempfindlichkeit bestimmter chemischer Substanzen wie Chromatsalzen oder Eisenverbindungen basieren. Durch die Belichtung einer präparierten Schicht findet eine chemische Veränderung statt, die das Material entweder härtet oder dessen Löslichkeit oder Farbe beeinflusst. In der anschließenden Entwicklung werden die löslichen oder nicht gehärteten Partien ausgewaschen, wodurch ein dauerhaftes Bild oder eine Farbschicht entsteht. Diese Techniken erfahren heute eine Renaissance, da sie verbinden frühe Photographie mit künstlerischer Bildgestaltung jenseits industrieller Standards erlauben.


Ablauf

Die Platten- und Filmbeschichtung von Edeldrucken wird nachfolgend mit Vorbereitung und Verarbeitung der Foto- / Druckplatte beschrieben.

Entfetten

Entfetten Sie die Druckplatte / Glasplatte / den Film mit Lauge, Schlämmkreide, Schmirgel- oder Bimssteinpulver. Dazu verwenden Sie als Werkzeug Bürste, Filz oder Watte. Zinkplatten rauen Sie anschließend mit 1%-iger ➥ Salpetersäure oder durch Entfetten mit Bimsstein- der Schmirgelpulver an. Die Schlussentfettung nehmen Sie mit Spiritus und einem Wattebausch vor.

Beschichten

Auf die Platte / das Papier wird beim Herstellungsablauf für Edeldrucke etwas ➥ Kopierschicht geleert und durch Drehen und Kippen der Platte gleichmäßig dünn verteilt. Auf Papier wird die Lösung mit einem feinen, breiten Pinsel gleichmäßig vertrieben. Lassen Sie die überschüssige Schicht über eine Ecke zurück in den Behälter fließen. Der erste Aufguss dient der Wasserverdrängung. Man lässt ihn weglaufen, da er zu stark mit Wasser verdünnt wäre. Mit dem zweiten Aufguss kommt er dann in die Schleuder.

Schleudern

Schleudern Sie die Platte unter gleichzeitiger Erwärmung (handwarm) unter einer Infrarotlampe („Ferkellampe“)

Trocknen

Lassen Sie die Platte im Dunkeln trocknen

Belichten

Belichten Sie Schicht auf Schicht mit einem Negativ. Dadurch härtet die Schicht aus, der nicht belichtete teil bleibt löslich und kann entfernt/abgewaschen werden.

Entwickeln

Die Platte entwickeln Sie mit Wasser, Spiritus, usw. – je nach Verfahren. Die unbelichteten Stellen quellen auf und werden herausgelöst. Zurück bleibt ein Relief.


Schleudermaschine

Eine Schleudermaschine können Sie mit einfachen Mitteln bauen:
Unter eine runde Wanne montieren Sie einen Motor, eine Bohrmaschine mit Drehzahlregulierung bzw. einen alten Schallplattenspieler so, dass sich in der Wanne eine Platte dreht. Der Plattenspieler sollte mit 78 UpM rotieren. Saugnäpfe auf dem Plattenteller halten die Platte fest. Die Wanne verhindert, dass die Beschichtung im Raum herumspritzt. Leeren Sie vorsichtig von oben die Beschichtung auf die sich drehende Platte.

Historische Schleuder

Schleuder aus: Preissig, Vojtech (1873-1944): Zur Technik der farbigen Radierung, (1900) Herstellungsablauf für Edeldrucke - mit KI in fotograf.Darstellung umgewandelt
Schleuder aus: Preissig, Vojtech (1873-1944): Zur Technik der farbigen Radierung, (1900)
mit KI in fotografische Darstellung umgewandelt
Nicht dargestellt ist die umlaufende Auffangwanne, die verhindert, dass die fotografische Beschichtung die Wände und den Künstler „verschönert“.

Anmerkung zum Beschichten mit einer Schleuder

Eine handbetriebener Schleuderapparat ist ein klassisches Laborwerkzeug, das in der historischen oder alternativen Fotografie eingesetzt wird, um flüssige Silbergelatine-Emulsionen gleichmäßig und extrem dünn auf Glasplatten zu verteilen.

Da Gelatine-Emulsionen schnell erstarren und manuelles Gießen oft zu ungleichmäßigen Schichtdicken führt, nutzt eine solche Schleuder die Zentrifugalkraft, um perfekte Ergebnisse zu erzielen.

Aufbau einer handbetriebenen Schleuder

Eine traditionelle, mechanische Schleuder für diesen Zweck besteht im Wesentlichen aus folgenden Komponenten:

  • Die Drehachse / Handkurbel: Entweder eine vertikale Achse mit einer kleinen Handkurbel oder ein Übersetzungssystem (ähnlich einer alten Handbohrmaschine), um die Drehbewegung manuell zu beschleunigen.
  • Der Schleuderteller (Plattenteller): Eine flache, kreisrunde Scheibe aus Metall oder Holz, auf der die Glasplatte sicher fixiert wird.
  • Fixierung / Saugvorrichtung: Da Glasplatten glatt sind und bei hohen Drehzahlen wegrutschen könnten, werden sie meist durch kleine, verstellbare Metallklammern, Eckenanschläge oder – bei modernen Selbstbauten – durch eine kleine Vakuumsicherung (angeschlossen an eine Handpumpe) auf dem Teller gehalten.
  • Der Spritzschutz (Auffangwanne): Ein zylindrischer Behälter, der den Schleuderteller umgibt. Da überschüssige Gelatine durch die Zentrifugalkraft nach außen geschleudert wird, fängt diese Wanne die Spritzer auf und hält den Arbeitsplatz sauber.

Funktionsweise und Anwendungsschritte

  1. Vorbereitung: Die Glasplatte wird gründlich gereinigt und oft mit einer Haftschicht (Substratschicht) versehen. Die Fotoemulsion wird im Wasserbad verflüssigt (ca. 30–35 °C).
  2. Platzierung: Die gereinigte Glasplatte wird mittig auf den Schleuderteller gelegt und fixiert.
  3. Emissionsauftrag: Mit einer Pipette oder Spritze wird eine genau bemessene Menge der warmen, flüssigen Gelatineemulsion direkt in die Mitte der ruhenden Glasplatte gegeben.
  4. Der Schleudervorgang: Mit der Handkurbel wird der Teller nun rasch in eine gleichmäßige Drehung versetzt. Durch die **Zentrifugalkraft** fließt die Gelatine von der Mitte aus nach außen, überschüssiges Material wird abgelesen und an die Wanne abgegeben, während auf der Glasplatte eine spiegelglatte, ultradünne Schicht zurückbleibt.
  5. Erstarren: Die rotierende Platte wird gestoppt (oder läuft aus), und die Platte wird vorsichtig abgenommen. Durch die geringe Schichtdicke kühlt die Gelatine auf der Platte innerhalb von Sekunden ab und erstarrt, bevor sie verlaufen kann.

Vorteile dieser Methode

Gleichmäßigkeit: Verhindert dickere Ränder oder ungleichmäßige „Wellen“, wie sie beim einfachen Aufgießen und Kippen entstehen können.
*Materialersparnis: Überschüssige Emulsion wird weggeschleudert, sodass nur die benötigte Mindestmenge auf dem Glas verbleibt.
Unabhängigkeit von Strom: Eine handbetriebene Variante eignet sich hervorragend für die Arbeit in der Dunkelkammer (unter Rotlicht), da keine elektrischen Motoren Geräusche machen oder Funken erzeugen können.

Trocknen

Die Trocknung können Sie beschleunigen, wenn sie eine Wärmelampe (siehe Bezugsquellen) über der Platte montieren. Die meisten Beschichtungen sind UV-empfindlich, so dass das Rotlicht der Beschichtung nicht schaden sollte.


Update: 20. Juli 2026