Kunstgeschichte

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Diese Website zeigt Auszüge aus meinem Buch: "Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren" - ein alchemistisches Werkstattbuch - ISBN 978-3000356193 - Alle Rechte vorbehalten - © Copyright Wolfgang Autenrieth 2015
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Kunstgeschichte Radierung

Dieser Überblick „Kunstgeschichte Radierung“ kann zwangsläufig nur fragmentarisch sein. Im Literaturverzeichnis finden Sie Hinweise auf umfangreiche Abhandlungen zu diesem Thema.

16.Jahrhundert

Im 16.Jahrhundert suchten die Künstler und Drucker einen Ersatz für den zeit- und arbeitsaufwändigen Kupfer- und Holzstich, mit dem sie Zeichnungen, Illustrationen und Stadtansichten vervielfältigten. Albrecht Dürer verwendete anfangs Eisenplatten für die Ätzung, eine Technik, die er wohl den Waffen- und Schmuckherstellern abgeschaut hatte. Die Erfindung und erste Eisenradierung wird Urs Graf zugeschrieben.

Albrecht Dürer Druckplatte Christus am Ölberg
Albrecht Dürer: Druckplatte Christus am Ölberg, Eisenradierung, laut Bilddaten 1508(?) eher 1512-1515, Quelle: commons.wikimedia.org

Albrecht Dürer - Christ on the Mount of Olives (NGA 1943.3.3533)
Albrecht Dürer: Druck Christus am Ölberg, Eisenradierung, 1508, Quelle: commons.wikimedia.org

Die Ätzradierung bot gegenüber dem Kupferstich den Vorteil des schnellen Arbeitens und einer freien Strichführung. Mit der Entwicklung des internationalen Handels und Kunsthandels bildeten sich Verlage, deren Absatzmarkt das gesamte Europa war. Diese trugen in den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und Italien zu einer schnellen Verbreitung der Ätzradierung bei. Das zu Wohlstand gekommene Bürgertum der Kaufleute war als Absatzmarkt für wohlfeile Reproduktionen von Gemälden oder Landschafts- und Stadtdarstellungen („Veduten“) vorhanden. So stand zu Beginn der Entwicklung eher der handwerkliche als der künstlerische Aspekt im Vordergrund.

17.Jahrhundert

Im 17.Jahrhundert kamen die Künstler zu überragenden Leistungen, vor allem durch die Entdeckung der Stufenätzung. Jacques Callot (1592-1635) und Claude Lorrain (1600-1682) entwickelten die Radierung zu einem eigenständigen Mittel freier künstlerischer Entfaltung. Rembrandt Harmensz van Rijn (1606-1669) brachte die Strichätzung schließlich zur Perfektion.

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Jaques Callot: Baum der Gehängten, 1633, Quelle: commons.wikimedia.org

Claude Lorrain - Landscape with Brigands - Google Art Project
Claude_Lorrain_-_Landschaft mit Briganten, Stufenätzung, 1633, Quelle: commons.wikimedia.org

Rembrandt The Three Crosses 1653
Rembrandt Harmaezoon van Rinh_-_Die drei Kreuze, Stufenätzung, Kaltnadel und Stichel, 1653, Quelle: commons.wikimedia.org

18.Jahrhundert

Im 18.Jahrhundert waren in Italien Giovanni Battista (Giambattista) Tiepolo (1696-1770) und Giovanni Battista Piranesi (1720-1778), in Spanien Francisco José de Goya (1746-1828) die herausragenden Radierer. In Deutschland müssen Daniel Chodowiecki (1726-1801) und Johann Elias Ridinger (1698-1767) genannt werden, in England John Flaxman (1726-1826) und William Blake (1757-1827).

In Frankreich wurde die Radierung zu dieser Zeit noch als „gravure en eau forte“ bezeichnet, Im Unterschied zur „gravure au burin“, dem Kupferstich.

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Johann Elias Ridinger, Der gefährliche Schlummer, 1740, colorierte Mezzotinto, Quelle: commons.wikimedia.org

Giambattista Tiepolo - Punchinello gives counsel - from the series 'Scherzi di Fantasia' - Google Art Project
Giambattista_Tiepolo, 1743, Quelle: commons.wikimedia.org

Giovanni Battista Piranesi, Carceri Platte XVI (von 16), Version von 1761 (überarbeitet von version 1743)
Giovanni Battista Piranesi (1720-1778), Carceri, Platte XVI (von 16), Version von 1761 (überarbeitet von version 1743), Quelle: commons.wikimedia.org

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Giovanni Battista Piranesi (1720-1778), Mausoleum of Helena, 1756, Quelle: commons.wikimedia.org

William Blake (1757-1827) gilt als Erfinder der Relief-Radierung (Prägedruck). Mit dieser Technik konnte er Schrift direkt in die Platte integrieren. Er muss wohl eine Möglichkeit gefunden haben, vor der Ätzung die Schrift als Abdeckung spiegelverkehrt auf die Platte zu übertragen und darum herum durch Tiefätzung freizustellen.

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William Blake (1757–1827):The Descent of Christ (zwischen 1804 und 1820), (Relief-)Ätzung mit Stift, Wasserfarben und Gold, Platte 35 aus dem Zyklus „Jerusalem“ – (Public domain) via Wikimedia Commons

Die Erfindung der Aquatinta-Radierung wird Jean Baptiste Le Prince (1734-1781) zugeschrieben. Sie eröffnete neue Möglichkeiten der Darstellung, die besonders Francisco José de Goya y Lucientes virtuos einsetzte.
Grauwerte konnten nun schnell und einfach erzeugt werden. Die Aquatinta ermöglichte erstmals durch Übereinanderdruck mehrerer Platten farbige Drucke. Bunte Aquarelle konnten von nun an mit einer Drucktechnik reproduziert werden.

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Jean-Baptiste Le Prince: Calmouk, Aquatinta, 1771, Quelle: commons.wikimedia.org

Goya - Caprichos (39)
Francisco Goya – Los Caprichos, Aquatinta, 1799, Quelle: commons.wikimedia.org

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Daniel Chodowiecki (1726–1801) – Illustration aus Johannes Ewalds
„The Fishermen“, 1787 Quelle: commons.wikimedia.org

Ende des 18.Jh. wurde die Radierung durch die Erfindung der Lithographie als Mittel der Vervielfältigung und Reproduktion vorläufig abgelöst.

19.Jahrhundert

Gegen Mitte des 19.Jahrhunderts begann eine neue Belebung der Technik, vor allem in der Kombination von Ätzung, Kaltnadel, Aquatinta, Crayon- und Schabtechnik. Die Radierung erhielt eine neue Eigenständigkeit als künstlerisches Ausdrucksmittel.
Francis Seymour Haden gründete gemeinsam mit James Whistler in Großbritannien die Royal Society of Painter-Etchers and Engravers. Die Blüte hielt bis ca. 1930 an, als durch die Weltwirtschaftskrise der Sammlermarkt zusammenbrach.

James McNeill Whistler - Weary - Google Art Project
James McNeill Whistler (1834-1903): Weary, Kaltnadel 1863, Quelle: commons.wikimedia.org (Public Domain)

Francis Seymour Haden - Mytton Hall 1859
Francis Seymour Haden (1818-1910): Mytton Hall, Strichätzung 1859, Quelle: commons.wikimedia.org (Public Domain)

Francis Seymour Haden - Breaking Up Of The Agamemnon 1880
Francis Seymour Haden (1818-1910): Breaking Up Of The Agamemnon, Strichätzung und Mezzotinto 1880, Quelle: commons.wikimedia.org (Public Domain)

Auch Edgar Degas verwendete – wie viele andere Impressionisten – die Radierung:
Edgar Degas - Manet Seated, Turned to the Right
Edgar Degas (1834-1917): Manet assis, tourné vers la droite, Strichätzung und Kaltnadel (??) 1864-65, Quelle: commons.wikimedia.org (Public Domain).
Der leicht verwaschenen Strichführung nach könnte es sich bei dieser Abbildung auch um eine Vernis-Mou-Radierung handeln, bei der mit Bleistift auf ein über der Druckplatte liegendes Papier gezeichnet wurde

20.Jahrhundert

Abbildungen aus dem 20.Jahrhundert können aus Gründen des Copyrights/ Urheberrechts nicht gezeigt werden. Abbildungen finden Sie eventuell über die Links der Wikipedia-Einträge (Wp). Auch über die Google-Bildersuche (Go) sind Abbildungen zu finden – bei den Google-Verlinkungen sind die Abbildungen jedoch meist Zufallstreffer.

Emile Bernard (Wp / Go (1868-1941) verwendete die Zinkographie. Henri Matisse WP / Go setzte die Radierung vorwiegend für seine Umrißzeichnungen ein, Georges Braque, Marc Chagall, Georges Rouault verwendeten die Radierung.

Zum Umgang mit der Drucktechnik sei exemplarisch Pablo Picasso angeführt:

Er arbeitete und experimentierte virtuos mit Radierung, Aquatinta, Direktätzung und Aussprengtechniken. Picasso illustrierte im Auftrag verschiedener Pariser Verleger mehrere Gedichte mit Radierungen, die in Auflagen von 100-250 Exemplaren erschienen. Er arbeitete dabei mit mehreren Druckern zusammen, die für ihn den Auflagendruck seiner Platten durchführten. Die Verwendung von Drucktechniken hatte für Picasso und andere etablierte Künstler durchaus auch markttaktische Gründe, weil zu jener Zeit Gemälde bereits Preisregionen erreicht hatten, die für viele unerschwinglich geworden waren. Die etablierten Künstler wollten die weniger Betuchten als Kunden nicht verlieren und boten diesem Personenkreis die günstigere Drucktechnik. Die Serien über Stiere, die Picasso damals fertigte und von jedem Zustand mit etwa 15-20 Exemplaren vermarktete, hatten zudem eine weitere Qualität: Man konnte (und kann) ihm in diesen Druckserien „bei der Arbeit über die Schulter sehen“, beobachten, welche Weiterentwicklung und neue Idee in jedem Zustandsdruck hinzukam. Dies macht auch eine der großen Qualitäten und Vorteile der Druckgrafik gegenüber anderen künstlerischen Techniken aus.

Auch Salvador_Dalí arbeitete virtuos mit der Radierung, wobei er ebenfalls Werkstätten mit der Ausführung und Druck, sowie Kolorierung beauftragte. (Bei Auflagen von 250 Stück kein Wunder.) Dali mixte munter Aquatinta und Lithografie, Heliogravüre und Strichätzung. Bei ihm habe ich zuerst sogenannte „wood-etchings“ gesehen, die ich erst für farbige Aquarelle hielt. Dali vermarktete sich und seine Werke professionell, seine Radierungen ließ er auf Papier drucken, das mit seinem eigenen Wasserzeichen versehen ist.

Die Entwicklung der Radierung nach 1945 wurde entscheidend durch die Experimente von Stanley William Hayter (geb.1901) beeinflusst, der in seinem ‚Atelier 17‘ in New York mit anderen Künstlern die Bandbreite der Bearbeitungmöglichkeiten gewaltig verbreiterte und neue Farbverfahren entwickelte. In Paris experimentierten und lernten viele Künstler bei Johnny Friedländer in der Werkstatt der Druckerei Desjobert dessen Farbtechniken. Die Maler und Zeichner („peintre-graveurs“) Marc Chagall, Henri Matisse, Fernand Leger, Renato Guttuso, Pierre Soulages und André Masson, Fritz Winter, Willi Baumeister und Hans Arp, die Bildhauer („sculpteur-graveurs“) Henry Moore, Lynn Chadwick, Marino Marini, Ossip Zadkine und Fritz Wotruba und viele andere mehr hatten ebenso wie Picasso nach 1945 die Druckgrafik als künstlerische Ausdrucksform für sich wiederentdeckt. Durch Tiefätzungen und Auflöten von Drähten oder Metallstücken kamen haptische Wirkungen hinzu. Licht und Schatten wurden zu Mitteln der Radierung. In Fluxus wurde die Druckgrafik verwendet z.B. durch Niki de Saint Phalle. Interessante und wirkungsvolle Arbeiten hat Rolf Nesch (geb. 1893) geschaffen. Die Künstler des Informel und des Abstrakten Expressionismus nutzten die grafische Wirkung. Sie experimentierten mit Strukturen und farbigen Übereinanderdrucken, ätzten Platten zum Teil tagelang, so dass Farben krustenähnlich und milimeterstark auf dem Papier liegen. Jean Fautrier, Peter Brüning, K.R.H.Sonderborg sind zu nennen.

In der Pop-Art zählte die Vervielfältigbarkeit. Gerade im Bereich der Druckgrafik war in den 60er Jahren ein expandierender Absatzmarkt für die Künstler vorhanden. David Hockney, Jasper Johns und Richard Hamilton, als Maler berühmt, radierten ebenfalls. Christo überdenkt und finanziert seine Großprojekte mit Druckgrafik.

Die kritischen und phantastischen Realisten der 70er Jahre arbeiteten vor allem mit der fotoähnlichen Aquatinta, so Peter Sorge und Paul Wunderlich.

Die Rückbesinnung der 80er Jahre auf Ethno-Kunst brachte die Pinselätzung mit ihrem breiten, urwüchsigen Strich zur Geltung, aber auch die Vernis-Mou, die freie, expressive Strichführungen zulässt. Als großartige Radierer unserer Zeit seien noch Friedrich Mekseper (*1936), Bernhard Luginbühl und Horst Janssen genannt.

Hinweis: aus lizenzrechtlichen Gründen sind bei Künstlern, deren Todestag weniger als 80 Jahre zurück liegt, keine Abbildungen eingefügt

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www.radiertechniken.de Teile von meinem Buch "Neue und alte Techniken der Radierung und der Edeldruckverfahren - ein alchemistisches Werkstatbuch für Künstler, Fotografen & Radierer"

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