Druck in der Presse

Radierungen werden mit einer Radierpresse gedruckt. Nach Hayter sollte der Walzendurchmesser der Presse unten 23-30,5 cm und oben mindestens 15 cm betragen. Das Druckbett sollte aus einer massiven Stahlplatte bestehen. Kleine Tischpressen sind in seinen Augen „Spielzeuge“ und man könne damit keine befriedigenden Druckergebnisse erhalten.

Fotothek
Abraham Bosse: Tiefdruckpresse aus commons.wikimedia.org

Vorbereitung:

Jeder Schmutz auf dem Drucktisch prägt sich durch den hohen Anpreßdruck auf die Platte ein. Sie müssen auf absolute Sauberkeit achten, um die Platte nicht zu zerstören. Achten Sie auch darauf, dass die Druckplatte facettiert ist, damit Sie den Druckfilz nicht zerschneiden.

Die Platte liegt imer „mit dem Gesicht nach oben“ auf dem Drucktisch. Das angefeuchtete Papier wird darübergelegt, darüber ein Blindblatt und dann das Filztuch.
Der „Aufzug unter der Platte“ ist folgendermaßen:

  1. Grundbogen aus satiniertem Papier
  2. Einlagebogen
  3. Stoffgummituch
  4. glatte Kunstharzfolie
  5. Ölspannbogen

Einstellen der Druckstärke

Zuerst schmieren Sie die Presse mit säurefreiem Öl oder Fett.
Für den Druck muss an der Presse links und rechts der Anpressdruck eingestellt werden. Je nach Stärke des Papiers und der Filztücher müssen Sie den Druck neu einregulieren.

Die richtige Einstellung kontrollieren Sie auf folgende Arten:

  1. Lockern Sie den Pressdruck der oberen Walze und schauen unter dem Druckbett durch, ob zwischen unterer Walze und Druckbett ein Zwischenraum besteht. (Am besten gegen eine Lichtquelle). Sollte das der Fall sein, muss die untere Walze erst höher eingestellt werden.
  2. Beim Drehen der Walzen erkennen Sie am Kraftaufwand, ob der Druck zu stark oder zu schwach eingestellt ist. Beim Drucken muss ein Widerstand spürbar sein. Zu starker Anpressdruck kann die Platte biegen und Kaltnadelradierungen zerstören, weil der Grat heruntergedrückt wird. Ob der Druck ausreicht, zeigt sich nach dem ersten Abzug. Nach dem Auflagendruck müssen Sie den Walzendruck wieder lösen, weil sonst der Druckfilz zerstört wird.
  3. Unter Umständen müssen Sie die untere Walze anheben und eine dünne Pappe unter das Lager schieben. Wenn das Druckbett nicht absolut plan auf der unteren Walze läuft, erhalten Sie schlechte Abzüge, im schlimmsten Fall eine verbogene, zerstörte Druckplatte.

Tips zum Filztuch

Beim Drucken muss ein Druckfilz verwendet werden, der das Papier in die Vertiefungen presst. Besonders bei feiner Aquatinta, Heliogravuren oder Mezzotinto hängt die Druckqialität von der die Qualität des Filzes ab.
Das Filztuch sollte zwischen 2,5 und 4 mm stark sein. Es ist in weicher bis fester Qualität erhältlich. Weiche Tücher sind sehr empfindlich und teuer, halbfeste Qualität ist empfehlenswert. Wechseln Sie den Druckfilz ab und zu in der Lage, damit er sich nicht einseitig abnutzt.

Das Filztuch hängen Sie nach dem Druck zum Trocknen auf. Durch die aufgenommene Papierfeuchtigkeit würde es sonst schimmeln. Mit der Zeit wird der Filz durch den Druck hart. Wenn Sie ihn in Wasser legen und anschließend trocknen lassen, dehnt er sich wieder aus.

Als Ersatzstoffe für das (relativ teure) Filztuch werden in den Fachforen folgende Ersatzmöglichkeiten genannt:
Bezugsfilz für Billiardtische
(vermutlich in mehreren Lagen)
Wollfilz
Yogamatte
Diese sollte jedoch möglichst wenig – oder keine – Oberflächenstruktur aufweisen
Malervlies
evtl. mehrlagig

Tips beim Druckvorgang

Klebt das Papier, vor allem bei dunkler Aquatinta auf der Platte fest, legen Sie die Platte mit dem Abzug auf die Heizplatte. Die Farbe wird geschmeidiger, das Papier trocknet an und löst sich.
Es kann auch sein, dass Sie das Papier zu lange gefeuchtet haben und es sich nun auflöst. Hier hilft nur noch rubbeln.

Ein weiterer Grund für das Festkleben kann sein, dass das Papier nicht mehr feucht genug ist. Sprühen Sie das Papier von der Rückseite her vorsichtig mit Wasser ein.

Torchio calcografico
Toni Pecoraro: Fotografie einer Radierdruckpresse (Public Domain) via commons.wikimedia.org

Nachbehandlung der fertigen Drucke

Wenn der Abzug fertig ist, legen Sie ihn zwischen zwei Bogen feuchtes Zeitungspapier (besser: unbedrucktes Makulaturpapier). Beim Auflagendruck legen Sie auf den Stapel mit Ihren Abzügen nach mehreren Drucken jeweils eine dickere Buchbinderpappe, diese saugt die Feuchtigkeit auf. Beschweren Sie den Stapel nicht zu sehr. Das Randrelief der Facette würde sonst flach gedrückt.

Sobald die Farbe tief genug ins Papier eingezogen ist, legen Sie den Druck zwischen zwei stärkere Kartons in die Presse, um ihm die Restfeuchtigkeit zu entziehen. Stellen Sie den Druck dabei nicht zu stark ein.

Reinigung der Platte

Frische Farbe entfernen Sie mit der Reinigungskisten-Methode von Seite 118 oder mit Terpentin und Lappen. Eingetrocknete Farbreste können Sie mit einer Lösung von kaustischer Soda von der Platte lösen. Hayter erwähnt auch „starched tartatan“.

Probedrucke

Bei Probedrucken gilt, was ich zu Beginn dieses Kapitels geschrieben habe. Soll jedoch nur die Grundtendenz des Druckergebnisses beurteilt werden, können Sie auf folgende Arten Probedrucke herstellen:

Druck von der lackierten Platte

Von der mit Fotolack abgedeckten Platte kann nach dem Ätzen ein Probedruck gemacht werden, ohne den Abdecklack zu entfernen. Dadurch kann leicht nachgeätzt werden. Die Druckfarben, Leinölfirnis und Testbenzin greifen normalerweise den Lack nicht an.

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