Kopierverfahren, Paustechniken und -methoden

Kohlepapier

Verwenden Sie Paustechniken, um die Vorzeichnung auf die Platte zu übertragen. Dazu ist auch normales Kohlepapier geeignet. Damit Ihre Zeichnung beim Überarbeiten der Radierung nicht verwischt, fixieren Sie die Zeichnung durch Überspritzen mit einer Lösung aus Schellack und Spiritus.

Graphitpapier / Pauspapier

Kopieren Sie Ihre Vorzeichnung mit Graphitpapier auf die Platte. Graphit wird von der Säure nicht angegriffen und bleibt daher auch bei Stufenätzungen weiter sichtbar
Nehmen Sie ein normales Zeichenpapier und befestigen auf der Rückseite ein Kohlepapier mit der Schichtseite zum Papier. Nun zeichnen Sie mit Bleistift oder Kugelschreiber Ihre Skizze (z.B. eine Gebäude- oder Stadtansicht).
Drehen Sie anschließend das Zeichenpapier auf die Rückseite um, so sehen Sie Ihre spiegelverkehrte Vorzeichnung und können diese auf die Druckplatte übertragen.

Umdruck-Matrize

Manche kennen die Ergebnisse noch aus der Schulzeit: schlecht riechende, manchmal schwer lesbare Arbeitsblätter in blauer Schrift.
Heute sind diese von Fotokopien abgelöst, doch die Blaupausmatrizen (Spirit-Carbon-Matrizen) gibt es immer noch: Als Restbestände in Schulen und in Schreibwarengeschäften. Verwendbar sind sie wie Pauspapier, weisen jedoch drei Vorteile auf:

  • Die Beschichtung hält prima auf der Platte.
  • Die Zeichnung ist besser zu erkennen als das Grau des Kohlepapiers
  • Sie bekommen einen Probeabzug, bevor Sie ihrer Platte auch nur den ersten Kratzer beigefügt haben. Dazu legen Sie vorsichtig ein sachte mit Spiritus angefeuchtetes Papier darüber (auf keinen Fall nass, sonst verschwimmt alles!) und drücken beides durch die Presse.

Der Nachteil soll nicht verschwiegen werden: Das Zeug gibt penetrant blaue Finger, blaue Ätze und wirkt wie Abdecklack. Nähere Beschreibung dieser Technik im Buch. Der Lack lässt sich jedoch mit Spiritus und einem Lappen von Finger und Platte entfernen.

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„Da gibt’s nur eins: Sag nein!“ Aquatinta, Matrizentechnik, ©Wolfgang Autenrieth, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International

Herstellung von Rötelpapier

Nehmen Sie einen Schwamm oder Wattebausch und bestreichen Sie Transparent- oder Flugpostpapier einseitig mit Rötelpulver.
Zeichnen Sie auf dünnes Transparentpapier. Legen Sie das Transparentpapier seitenverkehrt auf die Platte und kleben es fest. Schieben Sie Rötelpapier darunter und pausen durch. Diese Technik ist gut geeignet zur Herstellung von Farbauszügen.

Kugelschreibertechnik

Zeichnen Sie mit Kugelschreiber auf Papier, feuchten das Blatt an und pressen mit der Druckpresse Ihre Zeichnung auf die mit Abdecklack abgedeckte Platte auf. Damit Sie die Zeichnung besser erkennen können, färben Sie den Abdecklack zuvor weiß ein. Die Zeichnung steht seitenverkehrt auf der Platte, der Druck ist wieder seitenrichtig.

Bleistifttechnik

Erstellen Sie eine Zeichnung mit Bleistift auf hartem Papier (Pergamentpapier), „tracing paper“. Das Papier wird in Wasser eingeweicht und mit sehr geringem Druck („ein Drucktuch weniger“) mit der Presse auf den ätzgrund übertragen. Auch hier empfiehlt sich ein hell präparierter ätzgrund. Die Zeichnung steht als graue Linie auf dem schwarzen Grund.

Durchdrücktechnik

Als Pausverfahren
Legen Sie ein Blatt Papier auf eine mit Druckerschwärze eingewalzte Glas- oder Metallplatte. Darüber legen Sie die zu pausende Zeichnung und drücken durch.
Auf der Rückseite ensteht ein seitenverkehrtes Abbild, das auf die Platte umgedruckt werden kann. Haben Sie auf der Vorderseite noch keine Vorlage, erhalten Sie gleichzeitig eine Monotypie.
Zur Herstellung einer spiegelverkehrten Pausvorlage
Auf dieselbe Art erhalten Sie von einer Zeichnung auf der Rückseite eine spiegelverkehrte Vorlage, die Sie mit derselben oder einer anderen Paustechnik wieder auf die Druckplatte übertragen können.

Die Vorzeichnung wird auf ein dünnes, festes Papier mit Bleistift, Kugelschreiber o.ä. gemacht. Unter das Papier legen Sie seitenverkehrt ein Kohlepapier. Die Zeichnung erscheint spiegelverkehrt auf der Papierrückseite. Legen Sie dieses Blatt nun auf ein weiß kopierendes Transferpapier auf die Platte und ziehen die Linien nach.

Ölpapier

Zeichnen sie auf handelsüblichem weißen, etwas dünneren Papier mit Kohle, Blei oder Tusche vor.
Bereiten Sie die Platte mit Abdecklack vor und überstreichen den Abdecklack mit weißer Dispersionsfarbe oder Plaka.
Versuch: Funktioniert wasserfeste Dispersion auch direkt als Abdecklack?
Nehmen Sie ihre Vorzeichnung und ölen sie von der Rückseite her mit Salatöl oder Leinöl oder Terpentin ein. Das Papier wird dadurch transparent, ihre Zeichnung wird auf der Rückseite sichtbar.
Legen Sie zwischen die Platte und ihr eingeölte Vorzeichnung ein Kohlepapier und pausen die Zeichnung durch.
Ihre Zeichnung steht spiegelverkehrt, schwarz auf weiß auf der Platte und kann graviert werden.

Ölpapier II

So übertragen Sie eine vorhandene Tuschezeichnung auf die Platte:

  • Fertigen Sie von Ihrer s/w-Tuschezeichnung eine Fotokopie an.
  • Bestreichen Sie diese Kopie von der Rückseite her mit Salatöl, Terpentin oder Leinöl, bis sie durchsichtig wird. Lassen Sie dieses Ölpapier trocknen.
  • Kopieren Sie das Ölpapier mit einer der im Kapitel „Edeldruckverfahren“ beschriebenen lichtempfindlichen Techniken auf die Platte um.

Anmerkungen:
Diese Onlineversion basiert auf dem ersten Buchmanuskript von 1997. Die Website ist mit dem Buch nur noch in Ansätzen vergleichbar, enthält nur einen Teil der Informationen vom Buch und kann auch nicht korrigierte Fehler enthalten. Während die einzelnen Seiten dieses Webauftritts oft nur wenige, kurze Absätze enthalten, ist das Buch aktuell zweispaltig und mit minimalem Rand auf 232 DIN-A4-Seiten bedruckt, weil die zahlreichen Informationen nur noch so zwischen zwei Buchdeckel passen. Das Buch enthält nur wenige Illustrationen, dafür umso mehr „Input“. Als ergänzender ‚Bildspeicher‘ dient dieser Onlineauftritt. Nun ist das Buch in der mehrfach korrigierten und erweiterten 7.Auflage aus dem Jahr 2020 erhältlich.

Sicherheitshinweis:
Informieren Sie sich vor der Anwendung der Rezepturen unbedingt auch aus anderen Quellen! Beachten Sie das Kapitel ➥ Vorsicht Chemie!
Die Rezepturen sind der (historischen) Fachliteratur entnommen und wurden erst teilweise selbst getestet. Die Rezepturen können (Übertragungs-)Fehler enthalten.
Quellenangaben zur Herkunft der Rezepturen sind im Buch enthalten. Ich empfehle dringend, sich nicht allein auf die Angaben zu verlassen, die auf dieser Internetseite angezeigt werden, sondern sich vor Anwendung der Rezepturen stets die Etiketten, Warnhinweise und Anleitungen durchzulesen, die mit den Chemikalien geliefert werden und fachkundigen Rat einzuholen. Chemikalien (und auch Naturstoffe) können karzinogen, erbgutschädigend und gesundheitsschädlich sein. Verwenden Sie Schutzmaßnahmen.

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