Kap.5: Ätzradierung / Strichätzung
Im folgenden Themenkapitel zur Ätzradierung ohne Aquatinta erhalten Sie einen strukturierten Überblick über eine facettenreiche Reihe von Verfahren der Ätzradierung / Strichätzung. Die Bandbreite reicht von der präzisen Ätzung im Hart- und Weichgrund bis zu modernen Techniken wie Transferdruck – stets im Hinblick auf Arbeitsweise, Wirkung, Materialität und gestalterische Möglichkeiten.
Die Kapitelübersicht
Erklärt wird die Zusammensetzung typischer Lacke aus Wachs, Harz und Bitumen, die beim Ätzen von Druckplatten verwendet werden können. Beschrieben werden deren Eigenschaften und praktische Tipps zur Anwendung. Ergänzt wird das Ganze durch Hinweise zur Herstellung, Verarbeitung und Bezugsquellen sowie durch Beispiele aus der Kunstgeschichte.
In den Hartgrund wird dann mit Nadel, Kratzwerkzeug oder Schablone Linien eingeritzt, ohne das Metall zu beschädigen. Wichtig ist, dass die Zeichenspur breit genug ist, damit die Säure das freigelegte Metall gleichmäßig ätzen kann. Werkzeuge wie Kaktusdorn oder leicht abgestumpfte Nadeln schonen dabei die Oberfläche und erleichtern das gezielte Arbeiten. Außerdem erlaubt der Abdecklack flexible Korrekturen: Falsch gezogene Linien lassen sich wieder überdecken. Zu den ausgestalteten Techniken zählen die Schabetechnik, das punktierte Durchpausen, Pastellmanier oder das Einpressen von Texturen
Diese wird anschließend chemisch durch Ätzen vertieft. Die Strichätzung erlaubt feinste Linien bis zu malerisch wirkenden Flächen. Im Vergleich zur Kaltnadelradierung bietet sie den Vorteil der Korrekturmöglichkeit durch erneutes Zudecken mit Lack. Als Abdecklack eignen sich wasserunlösliche, säurefeste Mittel – erhältlich in vielfältigen Formen. Zuhilfenahme zahlreicher Alltagswerkzeuge ist möglich.
Beschrieben werden grundlegende Anwendungen und Arbeitsschritte
Beim Zeichnen mittels Druck und Abheben der Deckschicht wird das darunterliegende Metall freilegt. Dies geschieht entweder direkt oder indirekt, etwa durch das Zeichnen auf darüberlegtem Papier. Vernis mou ermöglicht sehr freie, federartige Striche – auch mit ungewöhnlichen Werkzeugen wie Kamm oder Pinsel –, da der Lack minimal Widerstand bietet. Für breitere druckbare Linien empfiehlt sich die Kombination mit Aquatinta zur Erzeugung von Tonwertflächen
Verfahren sind z.B. Crayon- oder Paustechniken. Auch Materialabdrücke, Schablonierung oder Monotypie‑ähnliche Umdruckverfahren kommen zum Einsatz, bei denen Papierstruktur, Druckstärke und Werkzeugwahl ausdrücklich gestalterisch wirkmächtig sind.
Besonders empfohlen wird das „Holländische Bad“, da es den Weichgrund weniger angreift und fein abgestufte Halbtonbereiche ermöglicht. Salpetersäure ist dagegen aggressiver und weniger geeignet – insbesondere für feine Strukturen
Mit Zellophan, Kunststofffolien oder dünnem Abdecklack lassen sich lichte Stellen definieren, ohne den Weichgrund zu beschädigen. Mehrfache Ätzphasen erlauben die Überlagerung unterschiedlicher Texturen. Auch ein frischer Weichgrundauftrag nach Erstätzung kann spezielle Effekte schaffen
Durch Schleifen, Rastern, Sandpapier-Aquatinta, feines Sandstrahlen oder andere Verfahren werden unterschiedlich strukturierte Flächen vorbereitet. Diese können tonal abgestuft oder partiell ausgespart und anschließend geätzt werden. Methoden wie Seidenaquatinta oder Fliegengittermotive erlauben besonders feinkörnige Darstellungen.
Ein Laserdruck wird auf Transferpapier gedruckt und auf die Kupferplatte übertragen. Der widerstandsfähige Toner fungiert als Ätzresist, anschließend kann Aquatinta aufgebracht und geätzt werden. Die Technik eignet sich auch zum direkten, chemischen Transfer.

Fazit / Gesamteinblick
Dieses Kapitel und die Unterkapitel bieten eine praxisorientierte Einführung in eine beeindruckende Bandbreite der Ätzradierung ohne Aquatinta mit Abdecklack. Es beginnt bei feinster Strichführung im Hartgrund, führt über chemiebasierte Strichätzungen im Intaglio zu expressiven und flexiblen Weichgrundverfahren und zeigt, wie Übertragungstechniken, Korrekturmöglichkeiuten und partielle Tonwertschattierungen umgesetzt werden können. Hinzu kommt der Reiz digital‐analog hybrider Verfahren mittels Transferdruck. Die Arbeitsweise, ästhetische Wirkung und die Einsatzmöglichkeiten unterscheiden sich erheblich: So stehen präzise Linien im Kontrast zu dichten Grautonstufungen, strukturbetonte Texturen zu weicher Strichzeichnung, chemisch erzeugte Ätztiefen zu mechanisch gerasterten Flächen und analoge Zeichnung zu digital erzeugter Vorlage. Sie finden hier Einstieg in die Welt der Abdecklackverfahren, der Lust machen soll, jede Technik experimentell zu erproben und die gestalterischen Möglichkeiten tiefer zu erkunden.
Update: 8.April 2026