Kap.4: Ätzradierung & Ätzmittel

Die Ätzradierung / Strichätzung ist – neben der ➥Kaltnadelradierung – das Hauptverfahren des künstlerischen Tiefdrucks. Dazu deckt man Plattenbereiche mit ätzmittelresistenten Mitteln ab. Das ➥Ätzmittel kann danach nur an den frei liegenden Teilen angreifen und diese Partien vertiefen. Die Oberfläche schützen Sie mit einem ➥Abdecklack, den Sie anschließend partiell wieder freilegen, damit das Ätzmittel die Metalloberfläche angreifen kann. Sobald die frei liegenden Teile jedoch breiter als 0,5 mm werden, bleibt die Druckfarbe beim Auswischen der Platte nur noch an den Rändern haften und der Bereich ergibt keine Schwärzung – oder nur eine Schwarzlinie am Kantenübergang. Daher wird in diesen Fällen die Platte mit Kolophoniumpulver bestäubt, um eine ➥Aquatinta herzustellen.


Die Kapitelübersicht

Die folgenden Themenkapitel geben einen Überblick über die facettenreiche Welt der Ätzradierung – von klassischen Verfahren bis hin zu experimentellen Methoden. Sie bieten einen Einstieg in die Technik, einen strukturierten Überblick und sollen Lust auf ein Erforschen dieser künstlerischen Technik machen. Diese Kapitel der Website vermitteln Ihnen zentrale Grundlagen, Materialien, Rezepturen, Arbeitsschritte und kreative Möglichkeiten der chemischen Druckplattenerstellung.

Historische Methoden und moderne Sicherheitsmaßnahmen werden gleichermaßen berücksichtigt, es gibt praxisnahe Empfehlungen für Einsteiger und Fortgeschrittene.

Geeignete Werkzeuge und Sicherheitsmaßnahmen werden beschrieben. Die effiziente Durchführung des Ätzvorgangs steht im Vordergrund.

Sie finden hier u.a. Hinweise zur Konzentration der Lösungen, Bemerkungen zu Hygroskopie, Giftigkeit und sachgerechten Lagerung der Chemikalien. Chemische Reaktionen und Tipps zur Verbesserung der Ätzung werden erläutert. Sicherheit und Entsorgung sind zentrale Themen.

Die chemischen Reaktionen und Sicherheitsmaßnahmen werden beschrieben. Zinkplatten werden meist mit Salpetersäure geätzt. Dabei entstehen gesundheitsgefährdende nitrose Gase. Daher darf nur im Freien oder unter einem starken Abzug geätzt werden.

Die Seite enthält Rezepturen und Hinweise zur sicheren Anwendung. Legierungen wie Messing können mit den Verfahren für Kupfer und Zink bearbeitet werden. Es wurden auch zahlreiche Mischlösungen entwickelt. Stahl, Aluminium oder Silber erfordern jeweils eigene Rezepte. Für Aluminiumplatten ist eine Mischung aus Eisen-III-Chlorid und Kochsalz (Saline Sulfate Etch) geeignet. Im Buch sind zahlreiche weitere Möglichkeiten für Ätzmittel und deren Eigenschaften aufgeführt.

Kreative und historische Ansätze werden beschrieben. Auch Nichtmetalle wie Stein, Glas oder Kunststoffe können geätzt werden: Steine mit Salz- oder Fruchtsäuren, Glas mit Flusssäure (hoch gefährlich!), Kunststoffe mit Nitroverdünnung etc.

Einflussfaktoren wie Temperatur und Säurekonzentration werden berücksichtigt. Praktische Tipps zur Kontrolle der Ätztiefe ergänzen den Inhalt.

Zur Herstellung stufenloser Grauverläufe existieren verschiedene Methoden: schräges Eintauchen, Trichterätzung, Pipettentechnike oder gezieltes Pinseln von Säure erzeugen sanfte Tonwertabstufungen. Alternativ sorgen Abdeckverfahren wie Kolophoniumverdopplung, Lithokreide, Quarzsand oder gespritzter Abdecklack für graduelle Übergänge. Auch experimentelle Ansätze werden erläutert.

Mordants sind pastose Ätzmittel, die direkt auf Platten aufgetragen werden und durch lokale chemische Reaktion eine Tonwirkung erzeugen. Historische und moderne Rezepturen werden vorgestellt. Enthalten sind Beschreibungen für Kreative Alternativen zur klassischen Ätztechnik. So zählen auch Direktätzungen mit Pinsel, Schnur oder Pipette zu den unkonventionellen Methoden. Diese eignen sich für expressive Effekte. Verwendung finden sie häufig in Kombination mit Aquatinta.

Dabei tragen Sie das eingefärbte Ätzmittel mit dem Pinsel auf. Künstlerische Freiheit und Sicherheitsaspekte stehen im Fokus.

Es handelt sich um eine originelle Low-Tech-Variante, die seit Jahrhunderten verwendet wird: Am Plattenrand entlang formen Sie mit Umbauwachs oder Kitt eine kleine „Ätzwanne“ – die Platte dient somit selbst als Behälter. Dies spart Flüssigkeit und erzeugt einen grafisch reizvollen, unregelmäßigen Rand. Traditionelle Rezepte beruhen auf Bienenwachs, im Kapitel sind weitere Möglichkeiten enthalten.


Zusammenfassung

Dieses Kapitel soll eine Einführung in die Welt der Ätzradierung bieten: Es beginnt bei den chemischen Fundamenten und Sicherheitsstandards, erläutert Werkstoffe und typische Prozessschritte, zeigt Teststrategien und schafft die Verbindung zu historischen, experimentellen und kreativen Ansätzen. Ob Kupfer, Zink oder alternative Materialien – jeder Druckstock erfordert eigene Ätzverfahren. Tonale Verläufe, pastose Direktätzung und weitere Möglichkeiten erweitern die Variationsmöglichkeiten der Ätzradierung, die im Kapitel zu den Aquatintaverfahren weiter ausgeführt wird.

Strichätzung mit Kaltnadel, Rembrandt, 1653: Die drei Kreuze (Zustand II)
Strichätzung mit Kaltnadel, Rembrandt, 1653: Die drei Kreuze (Zustand II)


Update: 8.April 2026