Schleifpapiertechnik / Carborundum zum Körnen der Platte

Es gibt verschiedene Tipps, Tricks und Anleitungen zur Herstellung von Radierungen und zum Aufrauen der der Druckplattenoberfläche mit der Schleifpapiertechnik, mit Sand und/oder Carborundum (🛒➜ Siliciumcarbid [Affiliate-Link])


Mechanisches Körnen

Durch Sandstrahlen oder „aufprallen lassen“ von Sand, Kieselsteinchen oder Schrot ist eine Plattenverletzung oder Verletzung des Ätzgrundes möglich. Für Druckluftkompressoren sind entsprechende Vorsätze, sowie Carborundpulver erhältlich.

Mit der Schleifpapiertechnik und unterschiedlichen Schleifpapierkörnungen können Sie die Oberfläche zerkratzen oder körnen. Schober empfiehlt, vor dem Schmirgeln und Kratzen auf die zu bearbeitende Fläche zuerst einen Tropfen Öl aufzubringen. Umgebende Flächen lassen sich dabei mit Klebeband, Klebefolie oder Lack schützen.
Siehe auch ➜ Techniken ohne Aquatinta

Mit fallendem Sand kann die Platte bearbeitet werden, ebenso mit Schleifpapier, das von der Rückseite mit einem Hämmerchen in die Platte getrieben wird. Auch eine Collage verschiedener Sandpapiere mit unterschiedlichen Körnungen ist möglich, wenn diese mit der Platte durch die Presse gezwungen werden. Genauso kann Sand auf die Platte gestreut und mit der Druckpresse in Kupfer oder Zink als Vertiefung in die Plattenoberfläche gedrückt werden. Damit der Druck hoch genug wird, sollte eine zweite Metallplatte als Abdeckplatte aufgelegt werden. Mit einem Filztuch allein wird kein Druck aufgebaut der hoch genug wäre, um die Sandkörnchen tief genug in die Oberfläche zu drücken.

Schleifpapiertechnik - Sandstrahlen durch fallende Sandkörner
Schleifpapiertechnik – Sandstrahlen durch fallende Sandkörner. Quelle: Commons.wikimedia

Radikalmethode

Niki de Saint-Phalle hatte Assemblagen mit dem Schrotgewehr beschossen – wie auf dem Bild in diesem Artikel von artbook zu sehen ist. Randbemerkung: Darin schildert sie auch, was/wen sie mit den Schießbildern treffen wollte. Druckplatten könnten auf diese Art ebenfalls „gekörnt“ werden. Doch Vorsicht! Beim Schießen auf Metallplatten könnte es zu Querschlägern kommen!


Chemisches Körnen der Plattenoberfläche

Durch Aufrauen des zuerst aufgetragenen Abdecklackes mit Hilfe von Sandpapier, Sand oder Karborundum legt man die Plattenoberfläche für die anschließende Ätzung frei. Auch hier können verschiedene Graustufen durch unterschiedliche Sandpapierkörnungen erzeugt werden.


Das Carborundum-Verfahren von Jean Miro

Joan Miró revolutionierte in seinem Spätwerk die traditionelle Druckgrafik durch den Einsatz von Carborundum (Siliziumkarbid). In Zusammenarbeit mit dem Drucker Henri Goetz entwickelte er ab den 1960er Jahren ein Verfahren, das es ihm erlaubte, die Zweidimensionalität der klassischen Radierung zu durchbrechen und Werke mit haptischer, fast skulpturaler Qualität zu schaffen.

1. Die Vorbereitung der Druckplatte

Im Gegensatz zur klassischen Radierung, bei der Linien mit Säure oder Sticheln direkt in das Metall gegraben werden, ist das Carborundum-Verfahren ein additives Verfahren.

Das Bindemittel:
Miró trug zunächst ein flüssiges Bindemittel, meist ein stark haftendes Kunstharz oder Firnis, auf die Druckplatte (meist Kupfer oder Zink) auf. Er malte damit direkt und gestisch, so wie er es auf einer Leinwand getan hätte.

Das Einstreuen:
In das noch feuchte Bindemittel streute Miró das Carborundum-Pulver. Carborundum ist ein extrem hartes, kristallines Schleifmittel. Je nach Körnung – von feinem Staub bis zu grobem Granulat – entstanden unterschiedliche Texturen.

Die Fixierung:

Nach dem Trocknen härtete das Harz aus und umschloss die Kristalle unlöslich. Es entstand eine reliefartige, raue Oberfläche auf der Platte, die wie ein extrem grobes Aquatinta-Korn wirkte.

2. Der Farbauftrag und Druckprozess

Die so präparierte Platte besitzt eine enorme Aufnahmekapazität für Farbpigmente.
Einwalzen
Die Farbe wurde mit Walzen oder Ballen tief in die Zwischenräume der Carborundum-Kristalle eingearbeitet. Da die Schicht dick war, konnte Miró sehr große Mengen an Pigment übertragen, was zu einer außergewöhnlichen Farbsättigung führte.
Kombination
Miró kombinierte diese Technik oft mit klassischen Verfahren wie der Kaltnadelradierung oder Aquatinta, um feine Linien gegen die massiven, sandigen Flächen zu setzen.
Der Druckvorgang
Es wurde ein spezielles, schweres und handgeschöpftes Büttenpapier verwendet, das zuvor stark befeuchtet wurde. Unter dem enormen Druck der Radierpresse presste sich das Papier tief in die Carborundum-Struktur.

3. Das Ergebnis: Die taktile Grafik

Das Resultat einer Carborundum-Radierung unterscheidet sich fundamental von herkömmlichen Drucken:
Reliefwirkung:
Das Papier wird beim Druck physisch verformt. Die dunklen Flächen stehen oft millimeterhoch aus dem Papier hervor.
Farbtiefe:
Die grobe Struktur bricht das Licht anders als eine glatte Fläche, wodurch die Farben eine samtige, tiefe Leuchtkraft erhalten, die typisch für Mirós späte Meisterwerke ist.

4. Problemfelder und Herausforderungen

Trotz der künstlerischen Freiheit barg das Verfahren technische Schwierigkeiten:

  • Verschleiß der Presse: Das extrem harte Carborundum wirkt wie Schleifpapier. Die Filze der Druckpresse und die Walzen wurden bei unsachgemäßer Handhabung schnell beschädigt.
  • Auflagenlimitierung: Da das aufgeklebte Material unter dem hohen Druck der Presse brüchig werden kann, sind die Auflagen bei echten Carborundum-Radierungen oft niedriger als bei rein geätzten Platten.
  • Trocknungszeit: Aufgrund des massiven Farbauftrags benötigten die Werke oft Wochen, um vollständig durchzutrocknen, ohne zu kleben.

Miró fand in dieser Technik das perfekte Medium, um seine typischen Symbole – Sterne, Vögel und Frauen – mit einer erdigen, archaischen Kraft darzustellen, die über die reine Illustration hinausging.1

Fußnoten

1 Der Text zu Miró wurde durch KI generiert und von mir händisch überarbeitet.


Update: 11.April 2026