Seidenraster-Aquatinta
Die Silk-Aquatint / Seidenraster-Aquatinta ist ein modernes, ungiftiges Tiefdruckverfahren, das ohne klassische Ätzung mit Säure abgestufte Tonwertflächen erzeugt und auf einem additiven Schichtaufbau basiert. Im Gegensatz zur klassischen Aquatinta, bei der Metallplatten durch Ätzung aufgeraut werden, nutzt man hier die physische Textur von feinmaschigem Stoff, um Farbpigmente beim Abwischen auf der Plattenoberfläche zu halten.
Plattenmaterial
Als Druckstock dient eine Kunststoff- oder Metallplatte, auf die ein feinmaschiges Gewebe aus Seide oder Kunstfaser (wie Polyester) straff aufgeklebt wird. Dieses Gewebe dient als Raster und bleibt auch beim Drucken auf der Platte. Die Farbe verbleibt beim Abwischen – wie bei der Aquatinta – in den „Näpfchen“ des Rasters. Diese Technik ist bei Künstlern beliebt, die einen spontanen, malerischen Pinselstrich schätzen und auf gesundheitsschädliche Chemikalien verzichten möchten.
1. Vorbereitung der Druckplatte
Als Basis dient meist eine Acrylglasplatte, eine Kunststoffplatte oder sogar stabiler Karton. Möglich ist selbstverständlich auch eine Metallplatte – was aus Kostengründen jedoch wenig Sinn ergibt – es sei senn, man recycelt auf diese Weise unbenutzbare, nicht mehr abschleifbare Druckplatten. Weil bei diesern Technik nicht geätzt werden muss, ist das Material der Druckplatte unerheblich. Die Platte muss nur bruchsicher sein. Glas ist daher nicht geeignet.Da kein Ätzvorgang stattfindet, ist jedoch Metall (Kupfer oder Zink) nicht zwingend erforderlich.
Die Kanten der Platte werden wie bei der Radierung facettiert, damit sie beim Druckvorgang das Papier nicht zerschneiden und die Walzen der Presse geschont werden.Die Oberfläche muss absolut sauber und fettfrei sein, damit der Kleber gleichmäßig haftet.
2. Bespannen mit Seidenstoff oder feiner Gaze
Dieser Schritt gab der Technik ihren Namen. Tragen Sie vollflächig, dünn und gleichmäßig Klebstoff, Sprühkleber, doppelseitige Klebefolie oder Acryl auf die Platte auf. Legen Sie danach den Stoff auf. Das feinmaschige Gewebe (echte Seide oder fein gewebter Polyester/Chiffon) wird glatt und blasenfrei auf die nasse Klebeschicht gelegt. Der Stoff muss anschließend vollständig durchtrocknen, bevor die künstlerische Bearbeitung beginnt. Dieses Tuch verbleibt auf der Druckplatte, bildet das Raster und die Textur des Stoffes fungiert nun als „Kornoberfläche“, die später die Farbe hält. Diese Druckplatte würde vollständig schwarz drucken. Die Seide erzeugt dabei die feinen, regelmäßigen Farbnäpfchen.
3. Die künstlerische Bearbeitung (Das Blocken)
Bei der Silk Aquatint arbeitet man additiv – also im Negativ, ähnlich wie bei der Mezzotinto, jedoch mit dem Pinsel. Überall dort, wo das Papier später weiß bleiben soll, wird der Stoff mit einem Füllmittel (z. B. weißer Acrylfarbe, Gesso oder verdünntem Holzleim) versiegelt. Das Füllmittel verstopft die Maschen des Stoffes, sodass dort keine Farbe mehr haften kann und so die „Lichter“ entstehen. Weiße Acrylfarbe – mit dem Pinsel aufgetragen – können Sie malerisch verwenden.
Durch Verdünnen des Füllmittels lassen sich unterschiedliche Halbtöne erzielen.
4. Auswischen
Sobald das Füllmittel getrocknet ist, wird die Platte wie eine klassische Radierung eingefärbt und „ausgewischt“. Dazu wird mit einer Farbwalze oder einem Tampon Tiefdruckfarbe in die Struktur des Stoffes eingearbeitet.Mit Tarlatan (einem steifen Gazestoff) oder Telefonbuchpapier wird anschließend die feuchte, überschüssige Farbe von den versiegelten (weißen) Stellen abgewischt. In den offenen Maschen der Seide bleibt die restliche Farbe hängen.
Auf der Acrylfarbe haftet die Druckfarbe beim Auswischen nicht und die tiefer liegende Farbe im Seidenraster übertragen Sie somit auf das Papier. Je mehr Farbe im Gewebe ist, desto dunkler wird später an dieser Stelle der Druck, da beim Abwischen mehr Farbe in den offenen Maschen hängen bleiben kann. Stellen, die vollkommen unbehandelt sind und an denen sich der reine Stoff befindet, nehmen am meisten Farbe auf und drucken tiefschwarz. Es entsteht ein „malerischer“ Effekt, den Sie durch partielles, unterschiedliches Einfärben „à la poupée“ (mit Tampons) verstärken können.
5. Der Druckvorgang
Der Druck erfolgt auf einer klassischen Tiefdruckpresse. Es wird wie bei der Radierung schweres Kupferdruckpapier verwendet, das zuvor in Wasser eingeweicht und anschließend leicht abgetupft wurde. Das feuchte Papier wird auf die Platte gelegt, mit dem Filztuch abgedeckt und unter hohem Druck durch die Presse gezogen. Das Papier wird in die feinen Maschen des Stoffes gepresst und saugt die Farbe heraus.
Variante mit Ätzverfahren
- Bereiten Sie die Druckplatte mit Hartgrund vor. Erwärmen sie diese danach leicht und pressen mit der Walze ein Polyestergewebe oder Seidentuch flächig auf die Platte auf. Nach dem Abheben des Tuches verbleibt ein engmaschiges, feines Punktraster auf der Druckplatte.
- Durch Abdecken mit flüssigem Ätzgrund oder Acrylfarbe bringen Sie die Zeichnung im Negativ auf dem feinmaschigen Stoff auf. Diese Abdeckung ergibt die Partien, die beim Druck hell bleiben sollen. Ätzen Sie dann stufenweise wie bei der herkömmlichen Aquatinta. Das Abdecken kann auch mit wasserfester Tusche – wie z.B. mit einem Folienstift erfolgen.
Grafischer Effekt
Silk Aquatint erzeugt sehr malerische Effekte und weiche Übergänge, die fast wie eine Lavur oder eine Aquatinta-Radierung aussehen, aber einen deutlich „sanfteren“ Charakter haben. Zudem ist dies ein Paradebeispiel für Non-Toxic Printmaking, da diese Tiefdrucktechnik mit Acrylmedien und Wasser arbeitet.
Bildbeispiele
… finden Sie über die ➥ Google-Bildersuche
Update: 14.April 2026