Der Punzen- und Punktierstich
auch: pointillistische Punktiertechnik
Die Techniken des Punzenstichs und des Punktierstichs (oft auch als Punktiermanier bezeichnet) sind historische Tiefdruckverfahren der Grafik. Die trocken, also ohne Ätzung punktierten Platten werden als Punzen- oder Punktierstich bezeichnet. Sie sind im Gegensatz zur Punktiermanier oder Crayonmanier ohne Abdecklack hergestellt. Bei der Punktiertechnik werden Hell-Dunkeltöne pointillistisch erzeugt, es geht nicht wie bei der Crayonmanier darum, den Kreidestrich nachzuahmen.
Opus Mallei
Um 1670 erfand ➥ Jan Lutma d.Jüngere diese Technik. Dein Vater war Silberschmied, ebenfalls Radierer und ein Freund von Rembrand. Es handelt sich um einen feinen Punzenstich. Diese Technik stellt einen Vorläufer der Crayon-Manier dar. Während der klassische Kupferstich auf klaren Linien basiert, brechen diese beiden Methoden die starre Kontur auf. Sie nutzen unzählige winzige Vertiefungen, um plastische Halbtöne, weiche Schatten und malerische Verläufe zu erzeugen.

Werkzeuge
Als Werkzeug für die Punktiermanier verwenden Sie am besten ein Punktierhämmerchen. „Es ist auf einer Seite mit einer scharfen Stahlspitze und auf der anderen Seite mit einem runden Köpfchen versehen, das zum Ausklopfen eventuell zu tief eingeschlagener Punkte dient. Es besitzt einen dünnen elastischen Handgriff, der Schwung und schnelle Folge der Schläge ermöglicht“. Legen Sie unter Ihre Vorzeichnung ein Schleifpapier mit dünner Trägerschicht. Durch die Vorzeichnung hindurch können Sie mit einem Hämmerchen die Schleifpapierkörnchen in die Platte treiben.
Der Punzenstich
Der Begriff leitet sich vom Werkzeug, der Punze, ab, einem kleinen, meißelartigen Stahlstift, dessen gehärtete Spitze unterschiedlich geformt sein kann (rund, quadratisch oder als komplexeres Muster). Der Punzenstich ist ein rein kaltmechanisches Verfahren, das direkt auf der blanken Metallplatte (meist Kupfer) ausgeführt wird. Der Graveur setzt dazu die Punze senkrecht auf die Platte und schlägt mit einem kleinen Hammer auf das obere Ende. Dadurch wird das Metall verdrängt und eine punktförmige Vertiefung entsteht.
Hell-Dunkel-Wirkung
Um dunklere Bildbereiche oder Schatten zu erzeugen, werden die Punkte extrem dicht beieinander oder tiefer eingeschlagen. Für hellere Bereiche setzt der Künstler die Punkte mit größerem Abstand oder geringerer Schlagkraft. Da beim Einschlagen ein unebener Grat aus hochgedrücktem Metall am Rand der Punkte entsteht, muss die Platte nach der Bearbeitung mit dem Schaber geglättet werden, um ungewollte Farbrückstände beim Drucken zu vermeiden. Die Technik nimmt die heute gebräuchliche Rastertechnik der Drucktechnik vorweg.
Traditionell wurde der Punzenstich ab dem späten 15. Jahrhundert meist ergänzend eingesetzt, um ornamentale Muster oder Hintergründe in Linienstichen auszufüllen.
Der Punktierstich
Im Gegensatz zum harten Einschlagen zielt der Punktierstich auf extrem zarte, fast aquarellartige Tonabstufungen ab. Er erlebte seine Blütezeit im 18. Jahrhundert (etwa durch Francesco Bartolozzi), um Porträts und weiche Hauttöne zu reproduzieren. Beim „echten Punktstich (Trockenes Verfahren) arbeitet der Künstler ohne Säure. Er nutzt einen speziellen, gebogenen Grabstichel oder eine feine Radiernadel. Statt Linien zu ziehen, werden komma- oder punktförmige Vertiefungen direkt in das weiche Kupfer gestochen. Das Verfahren erfordert immense Geduld, da Millionen winziger Punkte von Hand gesetzt werden müssen.

Die Punktiermanier (Das Stechen und Ätzen)
Die Punktiermanier ist ein „nasses Verfahren“ – um den Prozess zu beschleunigen und weichere Effekte zu erzielen, wird die Platte dafür mit einem säurebeständigen Ätzgrund (Wachs-Asphalt-Gemisch) überzogen. Der Künstler sticht danach mit Nadeln, Bündeln von Nadeln oder gezähnten Rädchen (Roulettes) durch die Schutzschicht, ohne das Metall tief zu verletzen. Anschließend wird die Platte in ein Säurebad gelegt. Die Säure greift das Metall nur an den freigelegten Punkten an und ätzt dort Vertiefungen ein. Häufig kombinierten Stecher trockene und „nasse“ Verfahren. Nach dem Ätzen wurden die Schattenpartien nochmals manuell mit dem Grabstichel „trocken“ nachbearbeitet, um ihnen mehr Tiefe zu verleihen.
Bildbeispiele auf Commons.wikimedia.org
➥ Punktierstich — // — ➥ Punktiermanier — // — ➥ Opus Mallei — // — ➥ Punzenstich — // — ➥ Crayonmanier — // — ➥ Kreidemanier (dt.) — // — ➥ Stipple engraving — // — ➥ Category:Crayon_manner (engl.) — // — ➥ Pointillé (frnz.)
Weitere Bildbeispiele
Im Netz sind zahlreiche Abbildungen zu finden. Achtung! Eine ‚Radierung‘ muss muss nicht durch ein trockenes Verfahren entstanden sein – vielmehr sind gerade Radierungen oft als Strichätzung entstanden. Suchbegriffe sind: Kaltnadelradierung, Kupferstich, Mezzotinto, Stahlstich sowie die fremdsprachlichen Entsprechungen.
Querverweise
Im Kapitel ➥ Kunstgeschichte und besonders im Unterkapitel ➥ Bildbeispiele Radiertechniken habe ich weitere Quellen für Bildbeispiele für die verschiedensten Radiertechniken gesammelt und nach Techniken und Themen sortiert. Das Kapitel ➥ Radierer und Drucker enthält Verweise zu Kapiteln auf commons.wikimedia.org, sowie zu online abrufbaren Sammlungen von Museen und (Hochschul-)Bibliotheken aufgelistet.
Im Unterkapitel ➥ Literatur sind Verweise auf Bücher und Webseiten mit Abbildungen aufgelistet. Empfehlenswert ist auch eine Recherche auf ➥ archive.org – dort den Menuepunkt „Texts“ anwählen.
Update: 8.April 2026