Das Prinzip korrosiver Radierverfahren
Bei „korrosiven Verfahren“ verändern sich Metalle, weil sie mit ihrer Umgebung chemisch reagieren, meist durch Oxidation. In der Natur streben Metalle oft zurück in ihren energetisch stabileren Zustand als Erz (Oxid), dem sie durch industrielle Verhüttung unter hohem Energieaufwand ursprünglich entrissen wurden. Dieser Prozess führt dazu, dass Metalle in stabilere chemische Substranzen wie z.B. Oxide oder Salze übergehen. Feuchtigkeit und Sauerstoff sind die häufigsten Auslöser für Korrosion, insbesondere bei Eisen, das zu Rost (Eisenoxid) wird. Auch Säuren oder Salze können die Korrosion beschleunigen und die Materialstruktur schwächen.
Korrosive Verfahren
Korrosive Verfahren beruhen auf einem Spannungsgefälle zwischen chemischen Elementen. Das Spannungsgefälle ist im Grunde der „Motor“ der elektrochemischen Korrosion. Man kann es sich wie eine elektrische Batterie vorstellen, die ungewollt kurzgeschlossen wird. Die Zersetzung lässt sich beschleunigen, wenn man eine Spannung mit der Polung des Spannungsgefälles anlegt. Werden zwei unterschiedliche Metalle leitend miteinander verbunden sind und mit einem Elektrolyten (z. B. Wasser oder feuchte Luft) in Kontakt kommen, entsteht ein Spannungsgefälle. Das unedlere Metall wird zur Anode (Minuspol). Das edlere Metall wird zur Kathode (Pluspol).

Der Korrosionsvorgang
Je größer der Unterschied in der Spannungsreihe zwischen den beiden Metallen ist, desto stärker ist das Spannungsgefälle und damit der Stromfluss. An der Anode (dem unedlen Metall) lösen sich Metallionen aus der Oberfläche und gehen in den Elektrolyten über – das Metall „löst sich auf“ bzw. korrodiert.
Die beteiligten Elemente nicht zwangsläufig Metalle sein. Auch Sauerstoff, Salze oder andere Chemikalien können diese Reaktionen bewirken. Bei der Korrosion besteht der hauptsächliche Unterschied in der längeren Dauer, die für die Reaktion benötigt wird.
„Unedle“ Metalle haben dabei ein großes Bestreben sich in einer elektrolytischen Flüssigkeit aufzulösen. Taucht man zwei verschiedene Metalle in einen Elektrolyten (Wasser, Säure, Lauge, Salzlösung), so entsteht zwischen den Metallen eine Spannung (Batterie). Die elektrochemische Spannungsreihe gibt dabei an, wie groß die Spannung zwischen den Metallen ist. Das unedlere Metall löst sich dabei in Richtung des edleren auf, es korrodiert.
Kohlenstoff besitzt eine Wertigkeit von 2,61 V, Kupfer 2,22 V. Beim angegebenen Beispiel ergibt sich als Differenz daher eine Spannung von 0,39 Volt.
Konventionelle Zink-Kohle-Batterien haben eine Spannung von 1,5 Volt, die sich aus der Differenz errechnet: 2,61 V-1,09 V=1,5 V. Zink – das niederwertigere Metall – löst sich in dieser Beispielrechnung auf.
Kohlenstoff – Kupfer
(Graphit-Puder) ist edler als Kupfer, Kupfer wird durch Kohlenstaub korrodiert. Wird mit Bleistift 4B (der heutzutage aus Graphit besteht) oder Zeichenkohle auf die Platte gezeichnet, kann die korrodierende Wirkung durch Einbrennen noch beschleunigt werden. Durch Pressen und Feuchten mit Salzwasser wird das korrosive Verfahren unterstützt.
Silberdraht – Kupfer
Legen Sie einen 🛒➥Silberdraht [Affiliate-Link] auf ein Kupferblech und feuchten mit Salzwasser (z.B. Kupfersulfatlösung), so sollte eine Spannung von knapp 0,5 Volt entstehen und das Kupfer korrodieren.
Prinzip der korrosiven Verfahren
Wird kein Strom angelegt, ist die Ionenwanderung schwach (Batterie-Effekt), die Ionen wandern vom niederwertigen zum höherwertigen Metall. Legen Sie eine Spannung an, ist es umgekehrt und schneller: die Ionen wandern vom höherwertigen zum niederwertigen Metall.
Ätzen / Korrodieren mit Salz
Korrodieren von Kupfer mit Eisen(III)-chlorid (FeCl3)
Kupfer ist aufgrund seiner Reaktivität ideal für die chemische Strukturierung geeignet.
Eisen(III)-chlorid ist ein Salz, das in Wasser gelöst eine saure, oxidierende Lösung bildet. Die Eisen-Ionen „stehlen“ dem Kupfer Elektronen, wodurch das Kupfer in Lösung geht (Cu→Cu2+). Es wird häufig zur Herstellung von Leiterplatten oder in der Radierung (Kunst) verwendet.
Korrodieren von Kupfer mit Ammoniumpersulfat ((NH4)2S2O8)
Ammoniumpersulfat ist ein weißes Salz, das beim Auflösen eine klare Lösung bildet. Es ist sauberer in der Handhabung als das braune Eisenchlorid und wird oft für feinere Strukturen genutzt, da es gleichmäßiger ätzt.
Korrodieren von Kupfer mit Kupfer(II)-chlorid (CuCl2)
Dieses Salz wird oft in industriellen Kreisläufen verwendet, da die verbrauchte Lösung durch Zufuhr von Sauerstoff und Salzsäure regeneriert werden kann.
Korrodieren von Zink mit Kupfersulfat (CuSO4)
Zink ist unedler als Kupfer und reagiert daher noch heftiger auf korrosive Medien. Kupfersulfat ist ein blaues Salz, das besonders in der künstlerischen Zinkätzung (Salzdruck/Bordeaux-Ätzung) beliebt ist. Wenn Zink in eine Kupfersulfatlösung getaucht wird, findet eine Redoxreaktion statt: Das Zink korrodiert und geht in Lösung, während sich gleichzeitig fein verteiltes Kupfer als dunkler „Schlamm“ absetzt. Dies erzeugt eine charakteristische, raue Textur.
Korrodieren von Zink mit Eisen(III)-chlorid (FeCl3)
Eisen(III)-chlorid funktioniert auch bei Zink hervorragend für tiefe Ätzungen (Zinkografie), da es das Metall sehr aggressiv angreift.
Update: 15.April 2026