Anmerkung: Die Kapitel zur Cyanotypie sind im Buch nicht in dieser Breite enthalten – da ich mich erst nach Drucklegung der 7.Auflage intensiver damit beschäftigt habe. Die Webseiten sind “work in progress” und enthalten Dopplungen, die in der 8.Auflage getilgt werden ;-)

Cyanotypie im Kunst- und Chemieunterricht

Präparieren der Papiere

Cyanotypien lassen sich im Unterricht einfach herstellen ➥siehe dazu auch den Hauptartikel mit Beschreibung der Chemikalien
Es empfiehlt sich, das Cyanotypie-Papier am Vorabend selbst zu präparieren – oder einige Tage zuvor mit den Schülern, damit das Papier trocknen kann. Das Präparieren kann im Halbdunkel erfolgen – es reicht aus, die Jalousie herunter zu lassen. Vorsicht! Falls Cyanotypie-Lösung auf Kleidung oder Hände kommt, sofort auswaschen. Nach dem Kontakt mit Sonnenlicht wird die Farbe permanent und wasserunlöslich – die Haut könnte ein Tattoo bekommen ;-) Das entstehende “Berliner Blau” ist derselbe Farbstoff wie Schultinte.

Die präparierten Papiere (oder Tücher / Hölzer) können in einer Schachtel problemlos transportiert werden. Zum Belichten gingen wir auf den Pausenhof. Die Schüler transportierten das Papier mit der Schicht nach unten (“dem Gesicht nach unten”) aus dem Schattenbereich, legten die Gegenstände oder Spaltschnitte auf und warfen nach 8-15 Minuten (je nach Jahreszeit und Intensität der Sonnenstrahlung) die Papiere in einen großen Umschlag, der vom Lehrer gehalten wurde. Ich habe darauf geachtet, dass die Schichtseite jeweils vom Licht abgewandt im Umschlag landete.

Spaltschnitte belichten

Den Spaltschnitt kann man entweder in Teilen auf das Cyanotypiepapier legen oder vorher mit Sprühkleber oder Klebestift auf Tageslichtfolie fixieren (was ich empfehle). Als Vorlagen können auch beliebige Zeichnungen verwendet werden, die man mit dem Kopierer auf Folie kopiert. Empfehlenswert ist es, die Schichtseite der Folie auf die Schichtseite des Cyanotypiepapieres zu legen. Es gibt übrigens auch ➥ fertig beschichtetes Cyanotypiepapier zu kaufen.

Cyanotypie – Spaltschnitt, ca. 20*30 cm, © Wolfgang Autenrieth 2013

Zum Einsammeln hätte sich auch ein großer, schwarzer Müllsack geeignet. Das Entwickeln im großen Waschbecken im Technikraum war Lehrertätigkeit – um keine Bedenken von Eltern oder Schülern wegen Gesundheitsgefährdung durch die Chemikalien zu provozieren. Schließlich weiß man nie, wer auf welche Stoffe allergisch reagiert. Die Chemikalien gelten zwar als relativ ungefährlich, tragen jedoch die Kennzeichnung Xn und Xi. Rotes Blutlaugensalz ist mit der Gefahrenkennzeichnung Xn gekennzeichnet – wegen möglicher Reaktion mit Säuren. Ammoniumferrizitrat besitzt die Kennzeichnung Xi als leicht reizender Stoff. Früher wurde Ammoniumferrizitrat  als Medikament gegen Eisenmangel verabreicht.

Alternative Entwicklungsmöglichkeit: Bei anderer Gelegenheit sind wir in den Duschraum der Sporthalle gegangen und haben die belichteten Papiere in der Duschwanne “abgeduscht” oder haben die Papiere im Keller in eine große Kunststoffbox mit Wasser geworfen. Dabei floss durch einen Wasserschlauch auf der einen Seite Wasser in die Box – ein zweiter Schlauch erledigte nach dem Heber-Prinzip den Wasserabfluss.

Weitere Beispiele für einfache Cyanotypien mit Gegenständen / Rayogramme und Schadografien

Cyanotypien auf Leintuch

siehe auch Cyanotypie auf Leinwand

1.Schritt: Leintuch beschichten:
Ikea-Bodenschutzplatte für Schreibtischstühle als Unterlage genommen, Tuch darüber verspannt und dann mit Cyanotypie-Lösung und Schwamm beschichtet. Verbrauch etwa 150 ml pro Tuch. Über Nacht getrocknet und in schwarzer Mülltüte transportiert.

Schüler haben Spaltschnitte (Fische) ausgeschnitten und diese in Laminierfolien gelegt (jedoch nicht laminiert – nur zum Transport). Auf Kommando wurde das Leintuch im Schulhof ausgebreitet und die Schüler haben ihre Spaltschnitte aufgelegt. Dazu Schilf und Äste, trockene Pflanzenzweige. Leider war der Himmel etwas bedeckt, sodass nach 10 min Belichtungszeit und anschließendem Wässern sich die Fische zwar gut abzeichnen, die Äste jedoch nicht, da sie keinen Schatten geworfen haben.
Bin trotzdem ganz zufrieden.

Cyanotypie auf Leintuch, Gemeinschaftsarbeit, ca. 100*160 cm, © Wolfgang Autenrieth 2013

Masken als Spaltschnitt hergestellt, die Teile in Laminierfolie gelegt (ohne zu laminieren) und anschließend als Cyanotypien aufbelichtet

Meine Anleitung auf Facebook

Kompliziert ist daran gar nichts. Zwei ungiftige Chemikalien in Wasser lösen, die Leinwand / den Nessel darin baden und im Dunklen / Halbdunkel trocknen.

Vorsicht – herabtropfende Lösung gibt blaue Flecken!
 
Die Schüler machen ihre Spaltschnitte, legen die in Laminierfolie und folieren diese ein.
Beim Belichten muss es schnell gehen. Am Besten bildet man eine “Schattenspender-Gruppe” und eine “Auflegegruppe”. Die Schattenspender spannen über dem Belichtungstuch, das auf dem Schulhof ausgebreitet wird ein Schattentuch, das die Sonne abhält. Die Auflegegruppe positioniert zügig die laminierten Spaltschnitte. Dann tritt die Schattenspendergruppe zur Seite und die Sonne kann ihre Arbeit tun. Die gelbgrüne Färbung des Tuches wechselt dabei in ein sachtes Braun.
Achtung! Es darf kein Schüler so stehen, dass er einen Schatten auf das Tuch wirft. Sonst ist er ebenfalls verewigt. Nach 12-20 Minuten (je nach Jahreszeit und Sonnenintensität) schüttelt der Lehrer alle Laminate ab und packt das Tuch in einen Karton.
 
Zum Entwickeln braucht man einen halbdunklen Raum mit Wasseranschluss und Bottich. Das kann auch die Dusche der Sporthalle sein. Das Tuch muss nur mit Wasser ausgewaschen werden. Alle Flächen, die Sonnenlicht abbekommen haben, werden blau, an den anderen Flächen löst sich die Chemie (ungiftig und unschädlich, nicht wassergefährdend) ab. Nach einigen Tagen an der Luft wird das Blau intensiv dunkel.
 
Falls man den Oxydationsprozess beschleunigen will, kann man in den Waschzuber etwas Wasserstoffperoxid (3%ig) geben. Auf 1 Liter etwa 5 Tropfen. Gibt’s im Drogeriemarkt. Dann schlägt das schnell ins Dunkelblau um. Der entstandene Farbstoff ist “Berliner Blau”. Das ist das Zeug, das auch die Tinte blau macht – und damit ist das auch für die Schule prädestiniert ;-)”

Rayogramme / Fotogramme / Schadogramme

Cyanotypie – Plexiglas+CD, ca. 20*30 cm, © Wolfgang Autenrieth 2013

Geeignet sind alle lichtundurchlässigen und halbdurchlässigen Gegenstände – siehe dazu das Kapitel ➥edeldruckverfahren-iii/fotogramm/ Hier sind auch Ideen für weitere Materialien aufgelistet.

Verwendet habe ich mit Schülern das, was verfügbar ist  – den Inhalt des Mäppchens. Dazu Ausschnitte / Ausrisse aus Papier, Münzen, Scheren, Geodreieck, Spitzerdeckel, Ladekabel, Schnürsenkel, Brillen … Das Cyanotypiepapier wird im Schulhof abgelegt und mit dem Körper beschattet. Dann muss schnell eine “Komposition” aus Gegenständen aufgelegt werden. Das Ganze sollte maximal eine halbe Minute dauern, damit das Ergebnis noch genügend Kontrast bekommt. Sobald der Körper zur Seite geht und das Sonnenlicht auf das Cyanotypiepapier trifft, beginnt die Belichtung. Eigentlich. Denn UV-Licht – der Lichtanteil, der die Cyanotypie belichtet – kommt auch senkrecht aus dem Weltraum auf die Erde. (Daher kann man auch im Schatten einen Sonnenbrand bekommen).

Physionontrace

Besitzt ihr noch Tageslichtprojektoren?

Schritt 1: Die Kinder zeichnen sich gegenseitig als Schattenriss auf Zeichenkarton.
Schritt 2: Die Kinder schneiden ihren Schattenriss aus.
Schritt 3: Die Lehrerin bereitet die Leinwände vor, indem sie diese mit Cyanotypie-Lösung (im Halbdunkel) beschichtet und trocknen lässt.
Schritt 4: Die Kinder legen ihren Schattenriss auf den Tageslichtprojektor und positionieren die beschichtete Leinwand darauf. (im Klassenzimmer sollte keine pralle Sonne herrschen, die Leinwände sollten zügig aus dem Karton genommen werden, damit sie kein “Falschlicht” bekommen.
Schritt 5: Der Tageslichtprojektor wird für 10-15 Minuten eingeschaltet.
Schritt 6: Die Leinwand wird in einen Wasserbottich geworfen, in die man ein paar Spritzer Wasserstoffperoxid gegeben hat (erhältlich im Drogeriemarkt)
Schritt 7: Die Leinwände auf Zeitungspapier zum Trocknen legen.

Habe fertig Physionontrace in schönem Yves-Klein-Dunkelblau

Kunstgeschichtliche Hinweise

Robert Rauschenberg hat 1951 mehrere großformatige Cyanotypien hergestellt.
➥ Auf der Seite des Tate-Museums sind sie zu sehen.

Weitere Kapitel zur Cyanotypie

Bezugsmöglichkeiten

Literatur

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