Grundsätzliche Hinweise zur Strichätzung: Vorgang, Vorbereitung & Werkzeuge

Beachten Sie bei der Strichätzung und auch Aquatinta etcpp. zu Ihrer eigenen Sicherheit folgende Tipps: Arbeiten Sie immer mit Handschuhen, unter einem Dunstabzug oder unter freiem Himmel, sowie mit einer tiefen Ätzwanne aus Kunststoff. Geeignet ist z.B. eine Stapelbox. Verwenden Sie einen Pinsel, dessen Borsten nicht durch Metall gehalten werden für das Entfernen der Ätzrückstände von der Oberfläche. Die alten Meister empfehlen einen Gänsekiel. Nutzen Sie eine Schutzbrille, um Ihre Augen vor Spritzern zu schützen, sowie eine Schürze.


Strichätzung

Beim Ätzen einer Strichradierung steht die Präzision im Vordergrund. Zuerst muss die Metallplatte (meist Kupfer oder Zink) gründlich entfettet werden, damit der Ätzgrund gleichmäßig haftet. Nach dem Einritzen des Motivs werden die Rückseite und die Kanten mit Abdecklack geschützt.

Wichtig ist die Kontrolle der Lichttöne: Kurzes Ätzen erzeugt feine Linien, längeres tiefe und dunkle Furchen. Um ein „Unterfressen“ der Linien zu verhindern, sollte das Bad regelmäßig bewegt werden. Achten Sie stets auf eine gute Belüftung des Raumes und tragen Sie geeignete Schutzkleidung (Handschuhe, Brille), um Haut- und Augenkontakt mit der Ätzflüssigkeit zu vermeiden. Entsorgen Sie verbrauchte Lösungen niemals im Abfluss, sondern fachgerecht als Chemikalienabfall.

Ätzwanne mit Strichätzung, KI-generiert
Ätzwanne mit Strichzeichnung, KI-generiert

Besonders beim ➥ Arbeiten mit Salpetersäure ist größte Vorsicht geboten. Beim Ätzvorgang entstehen nitrose Gase, welche die Lungenbläschen verätzen und daher manchem Radierer im 17.Jahrhundert das Leben kosteten (siehe Kapitel ➥ ‚Vorsicht! Chemie!‚). Sorgen Sie unbedingt für gute Lüftung und halten Sie den Kopf nie über der Ätzwanne.

Alternativen für Ätzmittel

Es gibt andere ➥ 🛒 Mittel  [Affiliate-Link] (z.B. aus der Platinenherstellung, die gefahrloser zum Ziel führen. Nebenbei: Es ist durchaus nachvollziehbar, dass Salpetersäure (besonders bei der Strichradierung) gerne verwendet wird. Die Linien erhalten durch die scharfe Ätzung einen eigenen Reiz.

Ätzwanne mit Gasbläschen. aus eigener Zeichnung durch KI als realistische Darstellung erzeugt
Ätzwanne mit Gasbläschen. Durch KI aus einer selbst gefertigten Zeichnung in diese fotorealistische Darstellung umgewandelt.

Hilfsmittel

Aus einem isolierten Starkstromkabel biegen Sie leicht einen Haltebügel für die Platte zurecht. Damit können Sie die Platte gefahrlos in die Ätze tauchen und dort bewegen. Einen Drahtrest erhalten Sie billig oder kostenlos beim Elektroinstallateur oder vom Recyclinghof. Am stabilsten ist ein gelb-grünes Nullleiterkabel, mit dem die Wasserleitung geerdet wird. Nach dem Ätzen und Wässern bürsten Sie mit einer weichen Bürste die Ätzrückstände aus der noch feuchten Platte heraus.

Im Geschäft für Haushaltswaren finden Sie auch ➥ 🛒Greifzangen aus Holz [Affiliate-Link]. Diese werden von der Ätzlösung zwar angegriffen, lösen sich jedoch nicht auf und zerstören auch nicht die Ätzwirkung der Lösung, wie das bei Greifzangen aus Metall geschehen kann. Greifzangen aus Kunststoff sind ebenfalls verwendbar. Die Verwendung von Handschuhen aus ➥ z.B.🛒Latex  [Affiliate-Link] oder z.B. ➥🛒Nitril [Affiliate-Link] sollte selbstverständlich sein. Salpetersäure ergibt ekelhaft gelbe Finger – weil die Hautschicht zersetzt wird, lässt sich die Färbung auch nicht abwaschen.

Zusammenfassung

Beim Ätzen von Radierungen ist der verantwortungsbewusste Umgang mit Chemikalien die Grundvoraussetzung für ein sicheres Arbeiten im Atelier. 
Treffen Sie folgende Vorkehrungen:

1. Persönliche Schutzausrüstung

Der direkte Kontakt mit Ätzmitteln muss konsequent vermieden werden. Zur Grundausstattung gehören:

  • Chemikalienresistente Handschuhe: Idealerweise aus Nitril mit langen Stulpen, um die Unterarme zu schützen.
  • Schutzbrille: Ein eng anliegendes Modell schützt vor unvorhersehbaren Spritzern beim Einlegen oder Herausnehmen der Platten.
  • Laborkittel oder Kunststoffschürze: Schützt die Kleidung und die Haut vor Verätzungen oder Flecken.

2. Arbeitsumgebung und Belüftung

Die Sicherheit beginnt bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes:

  • Gute Belüftung: Arbeiten Sie idealerweise unter einem professionellen Abzug oder in sehr gut durchlüfteten Räumen, um das Einatmen von Dämpfen zu vermeiden.
  • Säurefestes Equipment: Verwenden Sie ausschließlich flache Schalen aus säurebeständigem Kunststoff oder Glas. Metallzangen sind ungeeignet, da sie mit dem Bad reagieren; nutzen Sie stattdessen Kunststoffzangen oder gummierte Greifer.
  • Augendusche & Wasseranschluss: Ein fließender Wasseranschluss muss in unmittelbarer Nähe sein, um im Notfall Haut oder Augen sofort spülen zu können.

3. Hilfreiche Ausrüstungsgegenstände

Neben der Schutzausrüstung erleichtern diese Utensilien ein sicheres und präzises Arbeiten:

  • Federkiel oder weicher Pinsel: Damit lassen sich während des Ätzvorgangs vorsichtig Luftblasen von der Platte entfernen, ohne den Ätzgrund zu verletzen.
  • Präzisions-Stoppuhr: Um die Ätzzeiten exakt einzuhalten und ein „Überätzen“ zu verhindern.
  • Aräometer: Ein Messgerät zur Bestimmung der Dichte (Beaumé-Grad) der Ätzflüssigkeit, um die Konzentration konstant zu halten.

4. Entsorgung und Lagerung

Chemikalien dürfen niemals über das Abwasser entsorgt werden. Bewahren Sie verbrauchte Lösungen in deutlich gekennzeichneten, bruchsicheren Kunststoffbehältern auf und geben Sie diese bei einer Sammelstelle für Schadstoffe ab. Verwenden Sie NIEMALS Flaschen, die mit Getränkeflaschen verwechselt werden könnten. Lagern Sie Ätzmittel immer außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren. 


Update: 11.April 2026