Abdecklack

Grundbestandteile von Abdecklack

Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren

- ein alchemistisches Online-Werkstattbuch (auch ▶ als Buch in der "extended version 2010" (232 Seiten A4, 6.Auflage) erhältlich)
cropped-schrift_wordpress.jpg
Zutaten:

  • Bienenwachs
  • Harz
  • Asphalt (=Bitumen oder Erdpech)
  • Terpentinöl bzw. Lösungsmittel

Aus diesen Bestandteilen bestehen in unterschiedlichen Zusammensetzungen die meisten Abdecklacke. Je mehr Bitumen der Abdecklack enthält, umso spröder wird er; je mehr Bienenwachs, desto leichter löst er sich durch Berührung mit der Hand und die Widerstandsfähigkeit gegen Säure schwindet. Platten, die mit Asphaltlack beschichtet sind, sollten nicht zu lange im Hellen gelagert werden, weil Asphalt lichtempfindlich ist und sich nach Lichteinwirkung immer schwerer von der Platte lösen lässt.Quelle: http://www.radiertechniken.de
_________________________________________________________

Hartgrund „Wachskegel“

  • „Normalätzgrund“, „Hartgrund“

Hartätzgrund wird in kegelförmigen Wachskegeln im Handel angeboten. Diese Wachskegel sind der ideale Ätzgrund für die Zeichnung mit der Radiernadel. Normalätzgrund besteht aus Wachs, burgundisch Pech, Mastix, Asphalt, Terpentin und wird meist in Hütchenform angeboten. Er lässt sich mit Terpentinersatz wieder von der Platte entfernen. Die Beschichtung kann sehr dünn und trotzdem deckend sein. Die Nadel gleitet auf der Platte wie der Stift auf Papier, vorausgesetzt, sie ist nicht zu spitz. Auch Hayter bemerkt, dass in den gewalzten Grund leichter zu radieren sei, als in den flüssig gegossenen oder aufgepinselten Grund. Der Grund sei, dass der gewalzte Grund aus weicheren Bestandteilen besteht und dünner ist.
Der feste Ätzgrund härtet zudem auch nicht aus. Sie können also Platten auf Vorrat beschichten.Quelle: http://www.radiertechniken.de

_________________________________________________________

Auftragsarten

Wachskegel

Den Ätzgrund stupsen Sie mehrmals auf die erhitzte Platte auf, verreiben ihn mit einem Tampon und walzen ihn mit der Lederwalze dünn aus. Schützen Sie Ihre linke Hand dabei mit einem Gartenlederhandschuh, damit Sie sich Ihre Finger nicht verbrennen. Der Ätzgrund härtet beim Erkalten aus.
➥ Bezugsquelle für Wachskegel / NormalätzgrundQuelle: http://www.radiertechniken.de
_________________________________________________________

Auftrag nach Brunner

Brunner beschreibt das klassische Verfahren so: „Die geschliffene und polierte Platte wird zuerst mit einem Brei aus Alkohol (Spiritus) und Schlämmkreide von Fettspuren gereinigt. Dann wird die Platte gleichmässig so stark erwärmt, dass sie zischt, wenn man sie mit dem nassen Finger berührt. Von einem Klumpen Normalätzgrund streicht man eine genügende Menge auf die heiße Platte und verteilt sie gleichmäßig dünn durch Stupsen mit einem festen Stofftampon.“ Vermeiden Sie Fingerabdrücke! Schon Bosse rät , darauf zu achten, dass die Hand nicht schwitze, „..alldiweil das schweißende Wasser an dem Firnis hangenbleibt/ und wenn es das Feuer verspührt/ im Kochen etliche kleine Löcher macht/ die man sonst nicht sehen kann.“
Mit einer Lederwalze verteilen Sie den Ätzgrund gleichmäßig auf der warmen Platte.Quelle: http://www.radiertechniken.de
_________________________________________________________

Auftrag nach Preissig

Preissig beschreibt den Ätzgrundauftrag folgendermaßen:
Ein Säckchen wird mit Taffet umhüllt und mit Ätzgrund (Wachs, Asphalt und Harz) gefüllt. Legen Sie es auf die erwärmte Platte. Erhitzen Sie die Platte so weit, bis der Ätzgrund durch das Säckchen hindurch schmilzt. Anschießend verteilen sie die geschmolzene Substanz mit dem Tampon gleichmäßig über die Platte.

Vorsicht: Überhitzen Sie die Platte nicht. Sobald der Ätzgrund zu rauchen beginnt, ist er unbrauchbar und muss wieder abgewaschen werden!Quelle: http://www.radiertechniken.de
_________________________________________________________

Auftrag nach Hayter

Eine kleine Menge Hartgrund wird auf der erhitzten Platte geschmolzen. Dafür wird, bei Selbstherstellung, die Kegelspitze bzw. der obere Teil des Hartgrundes benutzt, weil bei der Herstellung und beim Erkalten alle Verunreinigungen nach unten gesunken sind. Wird der Hartgrund in feine Seide eingewickelt, hält diese Verunreinigungen beim Aufschmelzen zurück. Auch der nun folgende Auftrag sollte weitestgehend staubfrei erfolgen. Um jedes Sand- oder Staubkorn bildet sich ein kleiner Hof, der als Ätzloch den Effekt eines dunklen Punktes ergibt.

Den Abdeckfirnis nehmen Sie mit der Lederwalze von der heißen Platte auf und verteilen ihn gleichmäßig auf der Platte. Die Platte ist in diesem Zustand noch zu heiß, um hier aufzuhören. Es könnten sich Luftblasen unter dem Abdecklack bilden. Schieben Sie die Platte an den Rand der Heizplatte und lassen sie so weit abkühlen, dass die Berührung mit dem Finger am Rand gerade noch erträglich ist. Walzen Sie nun den Firnis zu einer mattbraunen Oberfläcke aus.

Vorsicht! Ist die Platte zu kalt geworden, löst sie sich der Firnis wieder von der Platte und klebt an der Walze. Dann muss nochmals erhitzt werden. Wird die Platte zu heiß, beginnt der Ätzgrund zu rauchen und ist zerstört.Quelle: http://www.radiertechniken.de
Edgar Degas Au Louvre la peinture (Mary Cassatt) c1879-1880 - Strichätzung mit Abdecklack, Aquatinta
Edgar Degas: Au Louvre: la peinture (Mary Cassatt). Radierung, Aquatinta und Kaltnadel. Aus einer Auflage von ca. 150, von der rayierten Platte. Darstellung 30,3 x 12,5 cm auf Japan 32 x 18,5 cm. Erschienen bei Ambroise Vollard ca.1880,
Quelle: commons.wikimedia.org

_________________________________________________________

Anrußen

Weil durch den Ätzgrund das rötliche Kupfer noch durchscheint und die Zeichnung so nicht so gut zu erkennen ist, können Sie die Platte mit einer rußenden Kerze anschwärzen um die hellen, radierten Linien gut sichtbar zu machen. Schober nennt diesen Vorgang „Anrauchen“.
Schrauben Sie die noch warme Platte vorsichtig quer in eine Halteklemme (Schraubzwinge) oder fassen sie mit einer Klammer an einer geeigneten Stelle an (Ecke oder Mitte einer Seite) Rußen Sie nun vorsichtig von unten über einer mehrdochtigen Wachsfackel. Eine öllampe oder ein angezündetes, ölgetränktes Papier mit normalem Heizöl ergibt ebenfalls eine tiefschwarze Rußschicht (stinkt jedoch beim Verbrennen). Verharren Sie nie über der Flamme, weil sonst der Abdecklack verbrennt. Bewegen Sie die Platte ständig hin- und her. Die Flamme darf den Ätzgrund niemals berühren!!! Er verbrennt und bekommt Löcher. Fackeln Sie auch nicht zuviel Ruß auf, der Ätzgrund nimmt nur eine bestimmte Menge Ruß auf. Wird der Ätzgrund dunkel und bleibt trotzdem glänzend, ist der richtige Grad erreicht. Dabei wird der Ätzgrund zusätzlich noch gehärtet.

Wird der Abdeckgrund matt, war der Rußanteil zu hoch und der Lack zerstört. Ganz leichte, matte Schlieren stören nicht.

Kreijca bemerkt, dass der Ätzgrund Hochglanz bekommt, wenn Sie die Rückseite der Platte mit Wasser abschrecken, sobald die Platte rußgeschwärzt ist.Quelle: http://www.radiertechniken.de

Planches de l'Encyclopédie de Diderot et d'Alembert, volume 4.
Planches de l’Encyclopédie de Diderot et d’Alembert, volume 4. Quelle: commons.wikimedia.org, Public Domain
_________________________________________________________

Anweißen

Zur Beurteilung ist es besser, wenn Sie die Linien schwarz auf weißem Grund sehen. Anstatt die Platte anzuschwärzen, wird der Ätzgrund mit einer dünnflüssigen Leimfarbe überzogen, evtl. mit einer Leinöltemperafarbe. Oft wurde der Abdecklack selbst mit weißer Farbe eingefärbt, um diesen Schwarz-auf-weiß-Effekt zu erhalten.Quelle: http://www.radiertechniken.de
_________________________________________________________

Rezepte für Feste Ätzgründe

Abdecklack nach Rembrandt

Zutaten:

  • 50 gr Bienenwachs
  • 15 gr Mastix
  • 15 gr syrischer Asphalt

B095 Rembrandt
Rembrandt Hermaez van Rijn, Peter und Johannes am Tor des Tempels: Radierung, 1629
_________________________________________________________

Abdecklack nach J.Callot

Zutaten:

  • 60 gr Wachs
  • 50 gr Mastix
  • 6 gr Asphalt

1620 Callot Der Zwerg mit der Laute anagoria
Jacques Callot: Der Zwerg mit der Laute anagoria, Radierung, 1620

Im Buch sind 15 weitere Rezepturen enthalten.


Mein alchemistisches Werkstattbuch für Künstler, Drucker & Photographen
erhalten Sie in der "extended version" bei Amazon (klick auf das Titelbild) oder im Direktversand.
- das Buch ist in der 6. überarbeiteten und illustrierten Auflage 2010 erhältlich. 232 Seiten A4, mit umfangreichem Chemikalien- und Literaturverzeichnis

Auf dieser Website sehen Sie nur das Ur-Manuskript aus dem Jahr 1997

3000167579_2011auflage6_titel_170_klein_button
Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren
Vom Hexenmehl und Drachenblut zur Fotopolymerschicht
Tipps, Tricks, Anleitungen und Rezepturen aus fünf Jahrhunderten
erfahren, erlesen, erfunden und gesammelt von Wolfgang Autenrieth

Falls Sie das Buch kaufen wollen, schauen Sie bitte auf die
▶ Informationsseite zur Buch-Bestellung: "Wege zum Buch"
Meine anderen Seiten:


▶ www.oberschwabenschau.info

Tipps und Informationen zu Oberschwaben


▶ www.autenrieths.de

Meine Linksammlung für Lehrer und Schüler mit mehr als 10.000 Linktipps


▶ www.schulbibo.de

Materialien zum Sprachunterricht


▶ www.bisoro.de

Patenschaft für die Gemeinde Bisoro in Burundi

Schreibe einen Kommentar

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Wie fast alle Internetseiten nutzt meine Website 'Cookies' um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf diese Website zu analysieren. Außerdem werden damit Informationen zu Ihrer Nutzung meiner Website an meine Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter gegeben. Informationen zu Datenschutz, Cookies und Hinweise, wie Sie Cookies ausblenden und/oder von ihrem Rechner wieder entfernen können, erhalten Sie auf meiner Impressum-Seite. Die COOKIE-RICHTLINIE der EU verlangt ihr Einverständnis zur Nutzung von Cookies. Falls Sie nicht einverstanden sind, schließen Sie diese Internetseite und nutzen sie nicht

Schließen