Verwendung der Cyanotypie  im Kunst- und Chemieunterricht

Cyanotypien lassen sich im Unterricht einfach herstellen ➥siehe dazu auch den Hauptartikel mit Beschreibung der Chemikalien
Es empfiehlt sich, das Cyanotypiepapier am Vorabend selbst zu präparieren – oder einige Tage zuvor mit den Schülern, damit das Papier trocknen kann. Das Präparieren erfolgt im Halbdunkel – es genügt, die Jalousie herunter zu lassen.

Vorsicht! Falls Cyanotypie-Lösung auf Kleidung oder Hände kommt, sofort auswaschen. Nach dem Kontakt mit Sonnenlicht wird die Farbe permanent und wasserunlöslich – die Haut könnte ein Tattoo bekommen ;-) „Berliner Blau“ enthält denselben Farbstoff wie Schultinte, die in früheren Jahren Verwendung fand. Der Farbkomplex lässt sich auf Kleidung jedoch mit Waschsoda ausbleichen.

Cyanotypie - Chemigramm auf Leinwand
Chemigramm / Hohlkammerplatte auf Leinwand, 40×40 cm, © Wolfgang Autenrieth 2021

Die einfachste Möglichkeit stellen Fotogramme / Chemigramme dar. Dabei wird die beschichtete Oberfläche teilweise vor dem Sonnenlicht geschützt, belichtet und abgewaschen.

Unterrichtsablauf

Präparierte Papiere (oder Tücher / Hölzer) lassen sich in einer Schachtel problemlos transportieren. Zum Belichten gingen wir auf den Pausenhof. Die Schüler transportierten das Papier mit der Schicht nach unten („dem Gesicht nach unten“) aus dem Schattenbereich, legten die Gegenstände oder Spaltschnitte auf und warfen nach 8-15 Minuten (je nach Jahreszeit und Intensität der Sonnenstrahlung) die Papiere in einen großen Umschlag, der vom Lehrer gehalten wurde. Ich habe darauf geachtet, dass die Schichtseite jeweils vom Licht abgewandt im Umschlag landete.

Spaltschnitte belichten

Den Spaltschnitt kann man entweder in Teilen auf das Cyanotypiepapier legen oder vorher mit Sprühkleber oder Klebestift auf Tageslichtfolie fixieren (was ich empfehle). Als Vorlagen sind auch beliebige Zeichnungen verwendbar, die man mit dem Kopierer auf Folie kopiert – oder Tuschezeichnungen auf Papier, das man mit Öl durchsichtig gemacht hat. Empfehlenswert ist es, die Schichtseite der Vorlage / der Folie auf die Schichtseite des Cyanotypiepapieres zu legen. ➥ Fertig beschichtetes Cyanotypiepapier ist im Onlinehandel erhältlich. Selbst zu beschichten ist jedoch billiger und problemlos möglich.

Cyanotypie Spaltschnitt
Cyanotypie – Spaltschnitt, ca. 20*30 cm, © Wolfgang Autenrieth 2013

Die Masken wurden als Spaltschnitt hergestellt, die Teile in Laminierfolie gelegt (ohne zu laminieren) und anschließend als Cyanotypien aufbelichtet.

Zum Einsammeln habe ich einen großen Karton verwendet – geeignet ist auch ein großer, schwarzer Müllsack. Das Entwickeln im großen Waschbecken im Technikraum war Lehrertätigkeit – um keine Bedenken von Eltern oder Schülern wegen Gesundheitsgefährdung durch die Chemikalien zu provozieren. Schließlich weiß man nie, wer auf welche Stoffe allergisch reagiert. Die Chemikalien gelten zwar als relativ ungefährlich, tragen jedoch die Kennzeichnung Xn und Xi. Rotes Blutlaugensalz ist mit der Gefahrenkennzeichnung Xn gekennzeichnet – wegen möglicher Reaktion mit Säuren. Ammoniumferrizitrat besitzt die Kennzeichnung Xi als leicht reizender Stoff. Früher wurde Ammoniumferrizitrat  als Medikament gegen Eisenmangel verabreicht.

Alternative Entwicklungsmöglichkeit: Bei einem anderen Projekt sind wir zum Auswaschen in den Duschraum der Sporthalle gegangen. Dort haben wir die belichteten Papiere in der Duschwanne „abgeduscht“. Ein anderes Mal wurden die Papiere im Schulkeller in eine große Kunststoffbox mit Wasser geworfen. Dabei floss durch einen Wasserschlauch auf der einen Seite Wasser in die Box – ein zweiter Schlauch erledigte nach dem Heber-Prinzip den Wasserabfluss.

Weitere Beispiele für einfache Cyanotypien mit Gegenständen / Rayogramme und Schadografien

Cyanotypien auf Leintuch

siehe auch Cyanotypie auf Leinwand

Zum Beschichten des Leintuches haben wir eine Ikea-Bodenschutzplatte für Schreibtischstühle als Unterlage genommen, das Tuch darüber verspannt und dann mit Cyanotypie-Lösung und Schwamm beschichtet. Verbrauch etwa 150 ml pro Tuch. Über Nacht getrocknet und in schwarzer Mülltüte transportiert. Später bin ich dazu übergegangen, das Leintuch in einen Eimer mit Cyanotypielösung zu tauchen und anschließend (mit Gummihandschuhen) leicht auszuwringen.

Schüler haben Spaltschnitte (Fische) ausgeschnitten und diese zum Fixieren der Einzelteile in Laminierfolien gelegt  – diese jedoch nicht laminiert. Dies diente nur zum Transport – die Folien konnten so nochmals verwendet werden und es entstand kein unnötiger Restmüll-Abfall durch den Verbundstoff. Auf Kommando wurde das Leintuch im Schulhof ausgebreitet und die Schüler haben ihre Spaltschnitte aufgelegt. Dazu kamen Schilf und Äste, trockene Pflanzenzweige. Leider war der Himmel etwas bedeckt, sodass nach 10 min Belichtungszeit und anschließendem Wässern sich die Fische zwar gut abzeichnen, die Äste jedoch nicht, da sie keinen Schatten geworfen hatten.
Wir waren trotzdem ganz zufrieden mit dem Ergebnis.

Cyanotypie Spaltschnitt auf Leinwand
Cyanotypie auf Leintuch, Gemeinschaftsarbeit, ca. 100*160 cm, © Wolfgang Autenrieth 2013

Zusammenfassung

Kompliziert ist daran gar nichts. Zwei ungiftige Chemikalien in Wasser lösen, die Leinwand / den Nessel darin baden und im Dunklen / Halbdunkel trocknen.
Vorsicht – herabtropfende Lösung gibt blaue Flecken!
Die Schüler machen ihre Spaltschnitte, legen die in Laminierfolie und folieren diese ein. Beim Belichten muss es schnell gehen. Am Besten bildet man eine „Schattenspender-Gruppe“ und eine „Auflegegruppe“. Die Schattenspender spannen über dem Belichtungstuch, das auf dem Schulhof ausgebreitet wird, ein Schattentuch, das die Sonne abhält. Die Auflegegruppe positioniert zügig die laminierten Spaltschnitte. Dann tritt die Schattenspendergruppe zur Seite und die Sonne kann ihre Arbeit tun. Die gelbgrüne Färbung des Tuches wechselt dabei in ein sachtes Braun. Achtung! Es darf kein Schüler so stehen, dass er einen Schatten auf das Tuch wirft. Sonst ist er ebenfalls verewigt. Nach 12-20 Minuten (je nach Jahreszeit und Sonnenintensität) schüttelt der Lehrer alle Laminate ab und packt das Tuch in einen Karton.

Zum Entwickeln braucht man einen halbdunklen Raum mit Wasseranschluss und Bottich. Das kann auch die Dusche der Sporthalle sein. Das Tuch muss nur mit Wasser ausgewaschen werden. Alle Flächen, die Sonnenlicht abbekommen haben, werden blau, an den anderen Flächen löst sich die Chemie (ungiftig und unschädlich, nicht wassergefährdend) ab. Nach einigen Tagen an der Luft wird das Blau intensiv dunkel.

Falls man den Oxydationsprozess beschleunigen will, kann man in den Waschzuber etwas Wasserstoffperoxid (3%ig) geben. Auf 1 Liter etwa 5 Tropfen. Gibt es im Drogeriemarkt. Dann schlägt das schnell ins Dunkelblau um. Der entstandene Farbstoff ist „Berliner Blau“. Das ist das Zeug, das auch die Tinte blau macht – und damit ist das auch für die Schule prädestiniert ;-)“

Rayogramme / Fotogramme / Schadogramme

Cyanotypie Schadogramm
Cyanotypie – Plexiglas+CD, ca. 20*30 cm, © Wolfgang Autenrieth 2013

Geeignet sind alle lichtundurchlässigen und halbdurchlässigen Gegenstände – siehe dazu das Kapitel ➥ Fotogramme / Schadogramme / Rayogramme Hier sind auch Ideen für weitere Materialien aufgelistet.

Verwendet habe ich mit Schülern das, was verfügbar ist  – den Inhalt des Mäppchens. Dazu Ausschnitte / Ausrisse aus Papier, Münzen, Scheren, Geodreieck, Deckel des Spitzers, Ladekabel, Schnürsenkel, Brillen …

Das Cyanotypiepapier wird im Schulhof abgelegt und mit dem Körper beschattet. Dann muss schnell eine „Komposition“ aus Gegenständen aufgelegt werden. Das Ganze sollte maximal eine halbe Minute dauern, damit das Ergebnis noch genügend Kontrast bekommt. Sobald der Körper zur Seite geht und das Sonnenlicht auf das Cyanotypiepapier trifft, beginnt die Belichtung. Eigentlich. Denn UV-Licht – der Lichtanteil, der die Cyanotypie belichtet – kommt auch senkrecht aus dem Weltraum auf die Erde. (Daher kann man auch im Schatten einen Sonnenbrand bekommen).

Cyanotypien Rayogramm
Unterrichtsbeispiel: Rayogramme mit Gegenständen aus dem Schülermäppchen

Physionontrace

Besitzt ihr noch Tageslichtprojektoren?

  1. Vorbereitung der Leinwände / Papiere durch die Lehrkraft: Beschichten im Halbdunkel mit Cyanotypie-Lösung und trocknen lassen.
  2. Die Kinder zeichnen sich gegenseitig als Schattenriss auf Zeichenkarton.
  3. Schattenriss ausschneiden.
  4. Ihren Schattenriss legen die Schüler auf den Tageslichtprojektor und positionieren die beschichtete Leinwand darauf.  Dabei darf ins Klassenzimmer kein pralles Sonnenlicht dringen und die Leinwände sollten zügig aus dem Karton genommen werden, damit sie kein „Falschlicht“ bekommen.
  5. Tageslichtprojektor zur Belichtung für 10-15 Minuten einschalten.
  6. Leinwand in einen Wasserbottich werfen und auswaschen. Wenn das Wasser einige  Spritzer Wasserstoffperoxid enthält, das im Drogeriemarkt erhältlich ist, verstärkt dies den Blauton.
  7. Die Leinwände auf Zeitungspapier zum Trocknen legen.

Habe fertig Physionontrace in schönem Yves-Klein-Dunkelblau

Fotobelichtung

Beschreibung siehe ➥ Cyanotypie auf Leinwand

Cyanotypie Fotografie auf Leinwand
Cyanotypie auf Leinwand – Portraits der Schüler am PC auf sw-Negativ umgewandelt und per USB-Stick am Schulkopierer auf Tageslichtfolie ausbelichtet. Zum schnellen Belichten auf Dachlatten getackert. 150 x 270 cm

Kunstgeschichtliche Hinweise

Robert Rauschenberg hat 1951 mehrere großformatige Cyanotypien hergestellt.
➥ Auf der Seite des Tate-Museums sind sie zu sehen.

Weitere Kapitel zur Cyanotypie

Bezugsquellen

Cyanotypie


Anmerkungen:
Diese Onlineversion basiert auf dem ersten Buchmanuskript von 1997. Die Website ist mit dem Buch nur noch in Ansätzen vergleichbar, enthält nur einen Teil der Informationen vom Buch und kann auch nicht korrigierte Fehler enthalten. Während die einzelnen Seiten dieses Webauftritts oft nur wenige, kurze Absätze enthalten, ist das Buch aktuell zweispaltig und mit minimalem Rand auf 232 DIN-A4-Seiten bedruckt, weil die zahlreichen Informationen nur noch so zwischen zwei Buchdeckel passen. Das Buch enthält nur wenige Illustrationen, dafür umso mehr „Input“. Als ergänzender ‚Bildspeicher‘ dient dieser Onlineauftritt. Nun ist das Buch in der mehrfach korrigierten und erweiterten 7.Auflage aus dem Jahr 2020 erhältlich.

Sicherheitshinweis:
Informieren Sie sich vor der Anwendung der Rezepturen unbedingt auch aus anderen Quellen! Beachten Sie das Kapitel ➥ Vorsicht Chemie!
Die Rezepturen sind der (historischen) Fachliteratur entnommen und wurden erst teilweise selbst getestet. Die Rezepturen können (Übertragungs-)Fehler enthalten.
Quellenangaben zur Herkunft der Rezepturen sind im Buch enthalten. Ich empfehle dringend, sich nicht allein auf die Angaben zu verlassen, die auf dieser Internetseite angezeigt werden, sondern sich vor Anwendung der Rezepturen stets die Etiketten, Warnhinweise und Anleitungen durchzulesen, die mit den Chemikalien geliefert werden und fachkundigen Rat einzuholen. Chemikalien (und auch Naturstoffe) können karzinogen, erbgutschädigend und gesundheitsschädlich sein. Verwenden Sie Schutzmaßnahmen.

Wege zum Buch  

Sitemap / Inhaltsverzeichnis

Kontaktformuar / Rückmeldung / Anfragen

Der Einkaufswagen (🛒 ➜) weist auf Bezugsquellen hin. Es handelt sich um sog. „Affiliate-Links“. Sollten Sie über diesen Link dort einkaufen, erhalte ich ein geringe Provision, mit der ein Teil der Serverkosten dieses Webangebots gedeckt wird. Eventuell kommen Ihnen Sätze dieser Website aus der Wikipedia bekannt vor. Zahlreiche Artikel zum Themengebiet habe ich für die Wikipedia (mit-)verfassst und/oder dort beigetragen. Die Texte und von mir erstellten  Abbildungen meiner Webseiten unterliegen meinem © Copyright. Vielen Dank für das Interesse.