Punktierstich

Der Punzen- oder Punktierstich

Die trocken, also ohne Ätzung punktierten Platten werden als Punzen- oder Punktierstich bezeichnet. Sie sind im Gegensatz zur Punktiermanier oder Crayonmanier ohne Abdecklack hergestellt. Bei der Punktiertechnik werden Hell-Dunkeltöne pointillistisch erzeugt, es geht nicht wie bei der Crayonmanier darum, den Kreidestrich nachzuahmen. Um 1670 erfand Janus Lutma – dessen Vater ebenfalls Radierer und ein Freund von Rembrandt war – eine Technik, die er ‘Opus Mallei’ nannte. Es handelt sich um einen feinen Punzenstich. Sie stellte einen Vorläufer der Crayon-Manier dar.
Planches de l'Encyclopédie de Diderot et d'Alembert, volume 4, Gravure
Planches de l’Encyclopédie de Diderot et d’Alembert, volume 4, Gravure [Public domain] Quelle: commons.wikimedia.org

Als Werkzeug für die Punktiermanier verwenden Sie am besten ein Punktierhämmerchen. „Es ist auf einer Seite mit einer scharfen Stahlspitze und auf der anderen Seite mit einem runden Köpfchen versehen, das zum Ausklopfen eventuell zu tief eingeschlagener Punkte dient. Es besitzt einen dünnen elastischen Handgriff, der Schwung und schnelle Folge der Schläge ermöglicht“. Legen Sie unter Ihre Vorzeichnung ein Schleifpapier mit dünner Trägerschicht. Durch die Vorzeichnung hindurch können Sie mit einem Hämmerchen die Schleifpapierkörnchen in die Platte treiben.

Thomas Burke The Nightmare engraving - Punktierstich
Thomas Burke: ‘The Nightmare’ (Alptraum) nach Johann Heinrich Füssli, 1783, Punktierstich, Quelle: commons.wikimedia.org

Bildbeispiele auf Commons.wikimedia.org


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Quellenangabe für Zitate:
Wolfgang Autenrieth: Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren – ISBN 978-3-98217650-5
Gekürzte Onlineausgabe: https://wp.radiertechniken.de/trockene-techniken/punktierstich/ – gesehen am:


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