Cyanotypie

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Diese Website zeigt Auszüge aus meinem Buch: "Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren" - ein alchemistisches Werkstattbuch - ISBN 978-3000356193 - Alle Rechte vorbehalten - © Copyright Wolfgang Autenrieth 2015 - Auswahlmenues und Kapitel siehe rechte Spalte

(Verlinkt sind Bildbeispiele aus commons.wikimedia.org)
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Die Informationen zur Cyanotypie auf der Website sind – im Gegensatz zu den anderen Kapiteln – umfangreicher als das Buchkapitel, da ich mich erst nach Erscheinen des Buches ausführlicher mit dieser Technik befasst habe.

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„Cyanotypieplakat“ auf Leinen, Cyanotypie, ca. 100×160 cm, © Wolfgang Autenrieth 2013, Collage: folierte Pflanzenblätter, Ausdruck auf Inkjetfolie, Zeichnung mit wasserfestem Filzer auf Geschenkfolie, schwarzes Klebeband

Vorweg:
Vorsichtsmaßnahmen (Handschuhe, nicht in den Augen reiben, Stäube nicht einatmen) müssen bei jedem Umgang mit Chemikalien selbstverständlich sein.

Zutaten für Techniken mit Ammoniumferrizitrat (Cyanotypie=Blaudruck)

  • Lösung 1:
    50 gr grünes (!!) Ammoniumeisen(III)-citrat (Ammoniumferrizitrat) in 0,5 Liter Wasser auflösen. Beim Ansetzen darauf achten, dass keine Stäube eingeatmet werden (Kennzeichnung Xi). Ammoniumferrizitratlösung scheint ein idealer Nährboden für Schimmelpilze zu sein – einige Tropfen Konservierungsmittel zur Haltbarmachung von Fruchtsäften aus der Apotheke („Para“) sind dafür das „Gegenmittel der Wahl“ und ungefährlicher als die in der Fachliteratur genannten gesundheitsgefährdenden Mittel wie Kampher oder Quecksilberchlorid (T+!). Aufbewahren in einer dunklen, lichtgeschützten Flasche – Ammonium-Eisen-III-Citrat zersetzt sich unter Lichteinwirkung.
    Es gibt grünes und braunes Ammoniumferrizitrat. Grünes Ammoniumferrizitrat ist lichtempfindlicher.
  • Lösung 2:
    20 gr Kaliumhexacyanidoferrat(III) (Rotes Blutlaugensalz, Kaliumferrizcyanid) in 0,5 Liter Wasser auflösen. Kennzeichnung Xn: nicht mit Säuren mischen! siehe auch Beschreibung auf der Chemikerseite von Thomas Seilnacht

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Wolfgang Autenrieth: Sigmaringen 2013, Cyanotypie (Negativ mit Tintenstrahldrucker erstellt, 10′ im Sonnenlicht belichtet) – alle Rechte vorbehalten

Mit dieser Mischung habe ich bislang gearbeitet und passable Ergebnisse erzielt. Manchmal waren die Bilder etwas blass – was wohl an der Menge des entstandenen „Berliner Blau“ lag. Bei konzentrierterer Lösung entsteht mehr Farbstoff – aber auch mehr Chemie-Abfall, der in den Abfluss geht. Nachdem beide Chemikalien – und auch das entstehende Produkt – als „nicht gefährliche Stoffe“ (Merck-Datenblatt) eingestuft sind, ist das zwar nicht lebensbedrohend, aber auch nicht unbedingt notwendig. Beide Stoffe können über die Apotheke oder den Schulchemie-Handel erworben werden.

Durch die Zugabe von Gelatine bei der Beschichtung von Papier dringt die Lösung nicht so stark in das Papier ein und man benötigt weniger Chemikalien. Zudem lassen sich die unbelichteten Bestandteile leichter auslösen

    • Lösung 1:
      125 Gramm Ammoniumeisen(III)-Citrat + 500 ml destilliertes Wasser
    • Lösung 2:
      80 Gramm Kaliumhexacyanoferrat(III) + 500 ml destilliertes Wasser.

Um kräftigere Farben zu erhalten, wird dort empfohlen, das destillierte Wasser zuvor auf 50 Grad zu erhitzen und darin 5 Gramm Gelatine aufzulösen. Vor der Zugabe der Chemikalien muss das Wasser wieder auf Raumtemperatur abgekühlt werden.

Nach der chemischen Reaktionsgleichung dürfte ein Mischungsverhältnis von 3:2 optimal sein, denn Ammoniumferricitrat muss 3 Fe-Ionen abgeben, die an 2 Kaliumferricyanid-Moleküle anbinden, damit 4 Moleküle Berliner Blau entstehen.

Die Lösungen werden getrennt angesetzt und erst vor dem Beschichten in geringen Mengen gemischt. Die Mischung muss in einer braunen, lichtgeschützten Flasche aufbewahrt werden, da sie unter Lichteinwirkung reagiert. Mit einem Liter Lösung können Sie mehrere Quadratmeter beschichten.
Es entsteht Berliner_Blau, das auch „Preußisch Blau“ genannt wird, weil die preußische Armee die Uniformen damit gefärbt hatte. Berliner Blau ist auch der Farbstoff in Tinte.

Editha by William Henry Jackson, 1903
William Henry Jackson: Editha, Cyanotypie, 1903, Quelle: commons.wikimedia.org

Eine Tuschezeichnung können Sie mit damit kopieren. Auch Fotogramme lassen sich auf diesem Wege herstellen. Die Zeichnung erscheint als Negativ, ergibt also weiße Kopien auf blauem Grund. Bereiche, die dem UV-Licht der Sonne ausgesetzt sind, verfärben sich blau und werden wasserunlöslich – nicht belichtete Partien können mit Wasser abgespült werden. Anschließendes Baden in 0,3%-iger Wasserstoffperoxidlösung verstärkt die Blaufärbung.

Geeignete Papiere

• Zeichenkartons im Niedrigpreissegment (z.b. Airbrushkarton)
• Inkjet-Photopapier (saugt gut, trocknet schnell)
• Leinwand (vor der Beschichten mit heißem Wasser die Oberfläche abwaschen)

Geeignete Belichtungsarten

Wichtig ist ein relativ hoher UV-Anteil
• Gegenstände auflegen – Sonnenlicht
• Tageslichtprojektor 1 Meter Abstand, Belichtung 3-4 Std.
• Tageslichtprojektor Auflage, Belichtung 20 min.
• UV-Gesichtsbräuner
• Flachbildschirm / Laptop
• Beamer
• PC-Monitor
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Meine erfolgreichen Versuche

  • Cyanotypie auf Papier für Tintenstrahldrucker (Inkjet-Fotopapier). Das Inkjetpapier weist einseitig eine stark saugfähige Schicht auf – eventuell besteht diese sogar aus Gelatine. Der Träger ist Kunststoffpapier – dadurch bleiben die Papiere beim Wässern und Trocknen absolut plan.
    Ich liebe Inkjet-Fotopapier! Es ist genial. Der Verbrauch an Cyanotypielösung ist minimal, die Schicht nimmt genügend Lösung auf, die Trocknung geht schnell, weil das Trägermaterial PE-beschichtet ist. Beschichten mit Schwämmchen ergibt eine gleichmäßigere Verteilung als mit Pinsel.
    Belichtung im Kontaktverfahren mit einem Negativ, das per Tintenstrahldrucker produziert wurde – Belichtung bei Sonnenlicht – je nach Intensität 5-15 Minuten. Das
    Wässern (=Entwickeln) nehme ich in einer Wanne mit einer kleinen Handbrause vor – zur Farbintensivierung und Nachoxidation wird das Papier noch kurz in einer Wasserschüssel geschwenkt, in die ich einige Mililiter 3%-ige Wasserstoffperoxid-Lösung gegeben habe. Nachdem Wasserstoffperoxidlösung in dieser Konzentration als Mundspülung angepriesen wird, spare ich mir die Handschuhe…
  • Beim Versuch, eine Cyanotypie mit einem Tageslichtprojektor zu belichten, musste ich die Belichtungszeit bis auf 2-5 Stunden ausdehnen. Der Abstand darf dabei nicht mehr als 2 Meter betragen.
  • Beim Versuch, eine Cyanotypie mit einem Beamer zu belichten, bin ich gescheitert. Der UV-Anteil scheint zu gering zu sein. Nach 3 Stunden Belichtungszeit war die Umwandlung noch zu gering und das latente Bild wurde beim Wässern komplett ausgeschwemmt.
  • Versuch, mit Camera Obscura ergab auch kein befriedigendes Ergebnis nch 3 Stunden Belichtung. Schemenhaft war eine veränderung zu sehen, diese löste sich beim Wässern jedoch aus
  • Weißes Herren-Ripp-Unterhemd beschichtet (auf einen Karton übergestülpt), Äste draufgelegt und 4 Minuten in der Sonne liegen lassen. Schönes Schattenbild.
  • Tintenstrahldruckerpapier zunächst mit einem Schwämmchen mit Wasserfarben eingefärbt und getrocknet. Dann mit der Mischung imprägniert, getrocknet und Schablonen aufgelegt und in der Sonne 8 Minuten belichtet. Das Berliner Blau ergibt bei gelber Grundfärbung grün. Sieht nicht wirklich gut aus…
  • Den Versuchen zum Belichten auf Leinwand habe ich ein eigenes Kapitel spendiert – siehe ‚Cyanotypie auf Leinwand‘

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In manchen Rezepten wird die Verwendung von Zitronensäure oder verdünnter Salzsäure zum Entwickeln empfohlen. Ich rate davon ab, weil Kaliumferricyanid in Verbindung mit Säuren Blausäure-Gas entwickeln kann. Mit diesem Gas hatten die Nazis Menschen systematisch ermordet. Hier wird eine Entwicklung in verdünntem Essig (5% Säure) empfohlen – dabei sind die Bildbeispiele durchaus viel versprechend  – der Tonumfang wird drastisch erhöht. Aus oben genannten Gründen, empfehle ich eine gute Lüftung.
Quelle: http://www.radiertechniken.de

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Wolfgang Autenrieth: Schmetterling, Cyanotypie (Negativ mit Tintenstrahldrucker erstellt, 10′ im Sonnenlicht belichtet) 2013 – alle Rechte vorbehalten

Umfärben

Gefunden habe ich folgende Rezepturen:

Schwarzfärben

1.) Das mit Wasser vorbehandelte Papier/ den Stoff 2 Minuten vorbehandeln in einer Lösung aus 3 Tropfen Salpetersäure auf 1 Liter Wasser
2.) 14 Gramm Natriumcarbonat (Backpulver) in 160 ml Waser lösen und das Bild darin ausbleichen, bis es als leicht orangenes Bild wieder erscheint, anschließend mindestens 10 Minuten lang gut wässern
3.) Dann in einer Lösung aus 14 gr. Gallussäure auf 160 ml Wasser tonen, bis der erwünschte Schwarzgrad erreicht ist. Grüner Tee enthält die 10-fache Menge Gallussäure wie Schwarztee
4. Mindestens 40 Minuten wässern

Tonen

Bleichen

  • Ammoniak
  • Borax (=Natriumborat)
  • Soda (=Natriumcarbonat / Natriumhydrogencarbonat, =Backpulver)
  • Javelwasser

Lösungen zum Umfärben

  • Kaffee (Espresso) für Schwarz/Violett Tönung, färbt das Papier leicht schwarz-braun, mit Kaffesatz ergibt sich eine starke Papierfärbung
  • Tee für Brauntonung, färbt das Papier stark hellbraun. Auf einen Liter heißes Wasser werden ca. 15 Beutel Schwarztee benötigt.
  • Kaffee für Grautonung, geeignet ist Pulverkaffee – das Wasser jedoch kalt werden lassen
  • Tee (Earl Grey) für Brauntonung
  • wird zuvor mit Borax/Soda gebleicht, ergibt sich eine schnellere Tonung und das Papier färbt sich weniger
  • wird zuvor mit Borax/Soda gebleicht und mit Tannin getont, ergibt sich eine rötlich-braune Tonung
  • wird zuvor mit Ammoniak gebleicht und mit Tannin getont, ergibt sich eine violett-braune Tonung

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Weitere Verfahren mit Ammoniumferrizitrat

Rezept aus dem Fotosiebdruck

Zitronensaures Eisen (Ammoniumferrizitrat) und gelbes oder rotes Blutlaugensalz (Kaliumferri-bzw-ferrocyanid) ergibt eine tiefblaue Flüssigkeit, die lichtempfindlich ist und bei Lichteinwirkung aushärtet. Sie hat eine lange Belichtungszeit. Sie wird als Beschichtungsmittel für den Fotosiebdruck angeboten
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Sepiaverfahren

Die Schicht besteht aus Ammoniumferrizitrat und Silbernitrat. Entwickelt wird in Wasser, fixiert mit Fixiernatron.Quelle: http://www.radiertechniken.de
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Heliografie

  • =Positiv-Pause

Die lichtempfindliche Schicht besteht aus

  • Eisen-(III)-chloridlösung und
  • Eisen-(III)-ammoniumoxalatlösung.

Entwickelt wird in einer Lösung aus gelbem Blutlaugensalz
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Hektografie

Hierbei wird mit Gelatinedruck gearbeitet, auf den das mit Spezialtinte beschriebene Blatt (Original) übertragen wird.Quelle: http://www.radiertechniken.de
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Lichtpausdruck

im Folgenden zitiert aus: Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 9 Stuttgart, Leipzig 1914., S. 482., nach http://www.zeno.org/nid/20006161006

„Lichtpausdruck (Foto-, Gisal-, Fulgurdruck) heißen Verfahren, bei welchem eine Blaudruck-Lichtpause (Cyanotypie) auf eine Art Hektographenmasse angepreßt wird, wobei sich in letzterer ein mit fetter Buchdruckfarbe abdruckbarer Abklatsch bildet.

Der »Fotodruck« wurde von Teilkampf und Traube erfunden. Es wird ein Cyanotyppapier mit Ferricyankalium und Ammoniumferrizitrat hergestellt, hinter einer Zeichnung kopiert und das Lichtbild, ohne es zu waschen, an eine elastische Gelatinemasse angepreßt. Zur Herstellung dieser wird ein Gemisch von 40–50 Teilen Gelatine, zwei Teilen Karbolsäure, vier Teilen Glyzerin und 100 Teilen Wasser in warmer Lösung mit etwas Eisenvitriol vermischt und zum. Erstarren ausgegossen. Die Gelatine wird von den Ferrosalzen der im Lichte zerfetzten (gebläuten) Schicht des Cyanotyppapieres nicht gegerbt, wohl aber von dem Ferrisalz der nicht belichteten Bildstellen; die gegerbten Stellen nehmen beim Einschwärzen fette Druckfarbe an, und man kann die fette Zeichnung auf Papier abdrucken. Das Verfahren dient zur Herstellung, kleiner Auflagen (etwa 30–50 Stück) Lichtpausen.“

Da die Karbolsäure gegen Schimmel wirken soll, bietet sich auch hier ‚Para‘ als zeitgemäß ungiftige Alternative an (erhältlich in der Apotheke als Mittel zur Konservierung von Fruchtsäften)
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Warnhinweis: Die chemischen Hinweise erfolgen ohne Gewähr. Ich besitze keine fundierte chemische Ausbildung. Alle beschriebenen Anwendungen erfolgen auf eigene Gefahr. Machen Sie sich selbst durch chemische Fachliteratur sachkundig.

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